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Diabetischer Fuß: Mit Zweitmeinung künftig Amputationen vermeiden

Montag, 20. April 2020 – Autor:

Durchblutung des betroffenen Beines verbessern

"Um den Verlust einer unteren Extremität zu vermeiden, ist es entscheidend, die arterielle Durchblutung des betroffenen Beines zu verbessern", erläutert Böckler. Wie gut dies mit welchen Maßnahmen gelingen kann, zeigt eine Untersuchung der Gefäße, eine Darstellung mittels sogenannter Angiografie. "Das ungeschriebene Gesetz lautet daher: keine Amputation ohne vorherige Gefäßdarstellung", so der Heidelberger Gefäßexperte. 

Die Durchblutung des Beines kann mit verschiedenen Eingriffen verbessert werden - dafür stehen Bypassoperationen, aber auch katheterbasierte minimalinvasive Verfahren wie die Aufweitung eines verschlossenen Gefäßes mithilfe eines Ballons ("Ballondilatation") zur Verfügung.

Bypass-Operationen im Bein

"Für die Bypassoperation liegen uns vom Schenkel bis zum Fuß sehr gute Langzeitergebnisse vor", sagt DGG-Experte Prof. Gerhard Rümenapf. „Die Verfahren können dem Patienten für sich allein, manchmal in sogenannten Hybrideingriffen kombiniert überaus effektiv angeboten werden", fügt der Gefäßchirurg und Diabetesspezialist aus Speyer hinzu.

Hinzu kämen fußchirurgische Eingriffe sowie plastisch-rekonstruktive Operationen, bei denen Haut verpflanzt wird, um Wunden zu schließen, die den Knochen angreifen. "Diese Therapien sollten aber möglichst rechtzeitig angewendet werden", betont Rümenapf. 

Interdisziplinäres Behandlungsteam

Welches Verfahren am Ende in Frage kommt, muss individuell für jeden Patienten anhand dessen Risikoprofils, dessen Gefäßdarstellung und Wundbefunds von einem interdisziplinären Behandlungsteam entschieden werden.

In einem solchen Team sollten Gefäßchirurgen vertreten sein, aber auch Angiologen, Radiologen, Hausarzt oder Diabetologe, Orthopäden sowie nichtärztliche Assistenzberufe wie Podologen, Fachpflege für Wundbehandlung, orthopädische Schuhmachermeister bis hin zu Schmerztherapeuten und Psychologen.

Amputation verkürzt das Leben

Jeder Verlust einer Extremität hat negative Auswirkungen nicht nur auf die Lebensqualität, sondern auch auf die Lebenserwartung. So überlebt nach einer sogenannten Major-Amputation, das heißt einer Entfernung des ganzen Ober- und Unterschenkels, nur ein Viertel der Diabetespatienten fünf Jahre; bei der Minor-Amputation unterhalb des Knöchels sind es 80 Prozent. "Die Vermeidung von Major-Amputationen ist daher oberstes Gebot in der Therapie des diabetischen Fußsyndroms", so Böckler und Rümenapf. 

Foto: Adobe Stock/kanpisut

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