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27.09.2019

Diabetiker: Suizidgefahr um 50 Prozent größer

Oft ist der Typ-2-Diabetes mit körperlichen Begleiterkrankungen verbunden. Nicht so bekannt, aber nicht minder dramatisch sind die psychischen Folgen für die Patienten. So sind Diabetiker bis zu dreimal so oft von Depressionen betroffen wie die Allgemeinbevölkerung.
Übergewichtiger Mann sitzt deprimiert auf dem Bett

Die Wechselwirkung von Diabetes und psychischen Störungen können Diabetespatienten als Teufelskreis erleben.

Bluthochdruck, diabetischer Fuß, Netzhautschäden, Nierenversagen: Dies sind die gängigsten und bekanntesten Neben- und Folgeerkrankungen, die mit einem Diabetes vom Typ 2 („Altersdiabetes“) einhergehen können. Viel weniger im Fokus stehen dagegen die psychischen Probleme, unter denen viele Diabetiker leiden. Ein markantes Beispiel: "Diabetiker sind zwei- bis dreimal häufiger von Depressionen betroffen“, sagt Dr. Marion Hagemann-Goebel, Leiterin des Zentrums für Verhaltensmedizin an der Asklepios Klinik Nord – mit rund 1.800 Betten an drei Standorten größte Klinik in der Metropolregion Hamburg. Allein in der Hansestadt lebten rund 150.000 Diabetiker; geschätzte zehn Prozent davon litten an einer behandlungsbedürftigen Depression.

Diabetes und Psyche: verkürzte Lebenserwartung

Depressionen sind dabei nicht die einzige psychische Störung, die beim Typ-2-Diabetes auftreten können. Nach Einschätzung der Hamburger Psychologin ist aufgrund von Gefäßverengungen das Risiko für Demenzen erhöht; auch Essstörungen sind häufiger. Bei schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolaren Erkrankungen verkürze sich sogar messbar die Lebenserwartung. Die Suizidgefahr bei Diabetes-Patienten sei „um 50 Prozent größer als in der Allgemeinbevölkerung“, sagt Hagemann-Goebel, die als Psychologische Psychotherapeutin auf die Verbindung von Körper und Seele spezialisiert ist.

 

Diabetes und Depression: ein möglicher Teufelskreis

Diabetes-Depression, Depression-Diabetes: Beide Erkrankungen können in eine Wechselwirkung zueinander treten. Wer zuckerkrank ist – und deshalb resigniert oder schwermütig, der kann in eine regelrechte Negativspirale geraten. "Was viele nicht wissen: Depressionen beeinflussen auf fatale Weise den Diabetes“, sagt Hagemann-Goebel. Diese Spirale beschreibt die Psychodiabetologin wie folgt: Um Folgeschäden zu verhindern, müssen Diabetiker oft mehrmals täglich ihre Medikamentendosis auf die Nahrungsaufnahme und die Alltagsaktivitäten abstimmen. Das erfordert ein hohes Maß an Wissen, Selbstkontrolle, sozialer Unterstützung und eine gute psychische Verfassung.

"Doch gerade seelische Belastungen können den Blutzucker in Turbulenzen bringen. Das kann dazu führen, dass Patienten ihren Diabetes als unkontrollierbar erleben und noch mehr in Stress geraten. Ein Teufelskreis entsteht", sagt Hagemann-Goebel. Bei kaum einer anderen chronischen körperlichen Erkrankung liege der Einfluss auf den späteren Verlauf so sehr in der Hand der Patienten.

Foto: Fotolia.com/motortion

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Hauptkategorie: Medizin
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