. Stressfaktor Diabetes

Diabetes und Depression gehen oft zusammen

Jeder achte Deutsche mit Diabetes leidet an einer Depression, bei jedem fünften Patienten liegt eine erhöhte Depressivität vor. Diese Kombination erhöht das Risiko für weitere Folgeerkrankungen.
Diabetiker oft depressiv

Diabetiker oft depressiv

Menschen mit Diabetes, sowohl mit Diabetes Typ 1 als auch mit Diabetes Typ 2, leiden etwa doppelt so häufig unter einer Depression wie die Allgemeinbevölkerung. Umgekehrt haben Menschen mit einer Depression ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, der bei vielen Betroffenen lange unentdeckt bleibt. Diese alarmierenden Zahlen wurden auf dem Diabetes Kongresses 2012 vorgestellt. Forscher versuchen, die Ursache für diese Beziehung herauszufinden und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.

Leben mit Diabetes ist Stressfaktor

Wie eine neue, bevölkerungsbasierte Studie in Deutschland zeigt, die auf dem Diabetes Kongress 2012 im Mai vorgestellt wurde, ist die Lebensqualität von Diabetikern im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich reduziert. Demnach führt psychischer Stress bei Menschen mit Diabetes durch eine ständige Aktivierung der Stressachse unter anderem zu Entzündungsprozessen an den kleinen wie grossen Gefässen, welche bei Diabetikern besonders gefährdet sind. Dies ist eine wesentliche Ursache für das erhöhte Risiko von depressiven Menschen mit Diabetes, Folgeerkrankungen des Diabetes zu entwickeln. Prognostisch ungünstig ist ebenfalls, dass durch psychischen Stress die Wirkung des Insulins beeinträchtigt wird.

Rechtzeitige Diagnose und Therapie kann die Prognose verbessern

"Eine erhöhte Depressivität wie auch klinische Depressionen sind sowohl ein körperliches als auch ein seelisches Problem", sagt Privatdozent Dr. Dipl.-Psych. Bernhard Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft und Geschäftsführer des Forschungsinstituts der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) auf dem Diabetes Kongresses 2012 in Stuttgart. Das zeige sich auch an der Symptomatik: Depressionen können sich auf eine sehr unterschiedliche Art und Weise äussern. Neben tiefer Niedergeschlagenheit, Mut- und Hoffnungslosigkeit leiden Betroffene häufig auch unter Angstgefühlen sowie Schlafstörungen oder körperlichen Schmerzen.

"Um bei Menschen mit Diabetes schlechte Blutzuckerwerte und Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist es wichtig, sowohl eine erhöhte Depressivität als auch eine Depression früh zu erkennen und zu behandeln", betont Dr. Kulzer. Denn Depressionen im Zusammenhang mit Diabetes stellen nicht nur ein körperliches Risiko dar, sondern sind zudem eine häufige Ursache für Arbeitsunfähigkeit und frühzeitige Berentung. "Rechtzeitig diagnostiziert, sind Depressionen gut therapierbar, entweder mit Antidepressiva, Verhaltenstherapie oder einer Kombination aus beidem", so der Psychologe.

Etwa sechs Prozent der Allgemeinbevölkerung sind aktuell an einer Depression erkrankt, etwa 18 Prozent erkranken im Laufe ihres Lebens.

Foto: Boehringer Ingelheim

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