. Diabetesforschung

Diabetes tötet mehr Menschen als angenommen

Wie viele Menschen sterben an Diabetes? In Deutschland weiß das keiner so genau. Doch nun haben Forscher Daten der Krankenkassen ausgewertet. Danach tötet Diabetes mehr Menschen als bislang gedacht.
Forscher vom Deutschen Diabetes-Zentrum beziffern die diabetesbedingen Todesfälle auf 175.000 für das Jahr 2010

Forscher vom Deutschen Diabetes-Zentrum beziffern die diabetesbedingen Todesfälle auf 175.000 für das Jahr 2010

Weltweite Daten legen nahe, dass Diabetes die Lebenserwartung im Schnitt um fünf bis sechs Jahre verkürzt. In Deutschland gab es bislang nur Schätzungen zur diabetesbedingten Sterblichkeit. Die Schätzungen beruhen auf Kohortenstudien und Surveys, bei denen die Daten von nur wenigen Menschen hochgerechnet wurden.

Forscher am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf haben sich nun die Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) näher angeschaut und dabei einen verblüffenden Fund gemacht: In Deutschland sterben mehr Menschen an Diabetes und seinen Folgen als bislang gedacht.

Jeder fünfte stirbt an den Folgen von Diabetes

Für das Jahr 2010 geben die Forscher um PD Dr. Wolfgang Rathmann 175.000 Diabetes-assoziierte Todesfälle an, davon 137.950 Todesfälle für den Typ-2-Diabetes. Jeder fünfte Todesfall in Deutschland wäre demnach auf Diabetes zurückzuführen. Diese Zahlen sind rund siebenmal höher als die Todesursachenstatistik ausweist: Für das Jahr 2010 lagen die diabetesbedingten Sterbefälle bei nur 23.000, das entspricht 2,7 Prozent aller Todesfälle in Deutschland.„Das Ergebnis unserer Analyse zeigt, dass in Deutschland weit mehr Menschen an einem Diabetes und dessen Folgeerkrankungen sterben, als in der offiziellen Todesursachenstatistik angegeben wird“, fasst PD Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Zentrums für Diabetesforschung zusammen.

Daten aus Dänemark genutzt

Für ihre Berechnungen haben die Forscher die Daten von 65 Millionen Krankenversicherten in Deutschland analysiert. 10,1 Prozent der Versicherten litten demnach im Jahr 2010 an Diabetes, davon 7,1 Prozent am Typ-2-Diabetes.

Da verlässliche Schätzungen der Mortalität von Menschen mit und ohne Diabetes fehlen, haben die Forscher die alters- und geschlechtsspezifische relative Mortalität (Mortalität der Menschen mit Diabetes dividiert durch die Mortalität der Menschen ohne Diabetes) aus Dänemark in die Berechnung einbezogen. Dort gib es ein nationales Diabetesregister und das Land hat ein ähnliches Gesundheitssystem wie Deutschland. Auch die Diabetesprävalenz ist vergleichbar. Zusammen mit der Alterspyramide und der Sterbetafel für Deutschland vom Statistischen Bundesamt in 2010 wurden die alters- und geschlechtsspezifischen Exzess-Todesfälle berechnet, also die Todesfälle, die auf Diabetes zurückzuführen sind. Dabei kamen dann die 175.000 Todesfälle heraus.

Weltweit sinkt die Diabetes-Sterblichkeit seit 20 Jahren, wegen einer besseren Versorgung, aber auch wegen einer verbesserten Prävention. Ob dies auch für Deutschland zutrifft, wollen die Diabetesforscher nun durch weitere Analysen untersuchen.

Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Sterberate

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetes

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin Angststörungen reduzieren kann. Dies haben nun Forscher der Universität Regensburg bestätigt. Demnach kann Oxytocin soziale Phobien wirksam lindern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.