Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
27.04.2019

Diabetes-Medikament kann Risiko für Nierenversagen senken

Canagliflozin wird eigentlich gegen Diabetes eingesetzt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Wirkstoff auch das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Probleme senkt. Für die Studienautoren stellen die Ergebnisse einen Durchbruch dar.
Canagliflozin, Diabetes, Nierenversagen

Diabetes-Patienten entwickeln häufig auch Nierenerkrankungen

Nierenerkrankungen sind eine häufige Folge von Diabetes. Seit Jahren wird nach Therapien gesucht, um das Fortschreiten der Erkrankungen zu verlangsamen und einem Nierenversagen vorzubeugen. Nun wurde in einer Studie festgestellt, dass mit dem Diabetes-Medikament Canagliflozin zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können: Es senkt den Blutzucker und reduziert gleichzeitig das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Probleme bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankungen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Canagliflozin reduziert Risiko für Nierenversagen

In die Studie wurden 4.401 Patienten ab einem Alter von 30 Jahren einbezogen, die an einem Typ-2-Diabetes und einer chronischen Nierenerkrankung litten. Sie erhielten über einen Zeitraum von drei Jahren entweder Canagliflozin oder ein Placebo. Nach drei, 13 und 26 Wochen wurden die Probanden untersucht, um die Wirkung des Arzneimittels zu überwachen.

Wie sich zeigte, konnte in der Canagliflozin-Gruppe das relative Sterberisiko aufgrund einer Nierenerkrankung um 34 Prozent reduziert werden. Zudem traten auch weniger Fälle von kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz auf. Die Studienautoren um Professor Vlado Perkovic vom George Institute for Global Health, halten die Ergebnisse für einen großen medizinischen Durchbruch. Aufgrund der guten Resultate konnte die Studie sogar vorzeitig beendet werden.

 

Erhöhtes Risiko für Ketoazidose

Canagliflozin ist in Europa zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, in Deutschland allerdings aktuell nicht als Medikament verfügbar. Dies könnte sich durch die neuen Erkenntnisse ändern. Als ernsthafte Nebenwirkung des Medikaments war allerdings ein erhöhtes Risiko für eine Ketoazidose, eine schwerwiegende Stoffwechselentgleisung, festzustellen.

Zu dieser Erkrankung kommt es, weil SGLT2-Hemmer wie Canagliflozin nur den Blutzucker senken, nicht aber die Verfügbarkeit des Blutzuckers für die Zellen verbessern. Dadurch kann eine Unterversorgung der Zellen mit Glukose auftreten, auf welche die Leber mit der vermehrten Bildung von Ketonkörpern reagiert. Wird die Ketoazidose nicht rechtzeitig behandelt, kann sie sogar lebensbedrohlich werden.

Foto: © Andrey Popov - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Nieren
 

Weitere Nachrichten zum Thema Nierenerkrankungen

12.03.2015

Über 100.000 Menschen in Deutschland sind auf ein Nierenersatzverfahren wie die Dialyse oder eine Transplantation angewiesen. Experten und Betroffene wollen den heutigen Weltnierentag nutzen, um die Prävention von Nierenerkrankungen ins Bewusstsein zu rücken.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin