. Canagliflozin

Diabetes-Medikament kann Risiko für Nierenversagen senken

Canagliflozin wird eigentlich gegen Diabetes eingesetzt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Wirkstoff auch das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Probleme senkt. Für die Studienautoren stellen die Ergebnisse einen Durchbruch dar.
Canagliflozin, Diabetes, Nierenversagen

Diabetes-Patienten entwickeln häufig auch Nierenerkrankungen

Nierenerkrankungen sind eine häufige Folge von Diabetes. Seit Jahren wird nach Therapien gesucht, um das Fortschreiten der Erkrankungen zu verlangsamen und einem Nierenversagen vorzubeugen. Nun wurde in einer Studie festgestellt, dass mit dem Diabetes-Medikament Canagliflozin zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können: Es senkt den Blutzucker und reduziert gleichzeitig das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Probleme bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankungen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Canagliflozin reduziert Risiko für Nierenversagen

In die Studie wurden 4.401 Patienten ab einem Alter von 30 Jahren einbezogen, die an einem Typ-2-Diabetes und einer chronischen Nierenerkrankung litten. Sie erhielten über einen Zeitraum von drei Jahren entweder Canagliflozin oder ein Placebo. Nach drei, 13 und 26 Wochen wurden die Probanden untersucht, um die Wirkung des Arzneimittels zu überwachen.

Wie sich zeigte, konnte in der Canagliflozin-Gruppe das relative Sterberisiko aufgrund einer Nierenerkrankung um 34 Prozent reduziert werden. Zudem traten auch weniger Fälle von kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz auf. Die Studienautoren um Professor Vlado Perkovic vom George Institute for Global Health, halten die Ergebnisse für einen großen medizinischen Durchbruch. Aufgrund der guten Resultate konnte die Studie sogar vorzeitig beendet werden.

 

Erhöhtes Risiko für Ketoazidose

Canagliflozin ist in Europa zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, in Deutschland allerdings aktuell nicht als Medikament verfügbar. Dies könnte sich durch die neuen Erkenntnisse ändern. Als ernsthafte Nebenwirkung des Medikaments war allerdings ein erhöhtes Risiko für eine Ketoazidose, eine schwerwiegende Stoffwechselentgleisung, festzustellen.

Zu dieser Erkrankung kommt es, weil SGLT2-Hemmer wie Canagliflozin nur den Blutzucker senken, nicht aber die Verfügbarkeit des Blutzuckers für die Zellen verbessern. Dadurch kann eine Unterversorgung der Zellen mit Glukose auftreten, auf welche die Leber mit der vermehrten Bildung von Ketonkörpern reagiert. Wird die Ketoazidose nicht rechtzeitig behandelt, kann sie sogar lebensbedrohlich werden.

Foto: © Andrey Popov - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Nieren
 

Weitere Nachrichten zum Thema Nierenerkrankungen

| Über 100.000 Menschen in Deutschland sind auf ein Nierenersatzverfahren wie die Dialyse oder eine Transplantation angewiesen. Experten und Betroffene wollen den heutigen Weltnierentag nutzen, um die Prävention von Nierenerkrankungen ins Bewusstsein zu rücken.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.