. Transplantations-Affäre am Herzzentrum Berlin

DHZB Chef Hetzer um schnelle Aufklärung bemüht

Roland Hetzer, scheidender Chef des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB), hat sich am Dienstag erstmals zu den Manipulationsvorwürfen geäußert. Der Herzchirurg zeigte sich tief betroffen und stellte klar, dass ihm an einer lückenlosen Aufklärung liegt.
DHZB Chef Hetzer um schnelle Aufklärung bemüht

Roland Hetzer: tief betroffen über die Vorwürfe

Nein, von einem Organspendeskandal wollte Prof. Roland Hetzer nicht sprechen und vielleicht ist es ja auch wirklich nur eine „Auffälligkeit“, die jetzt überprüft werden muss. „Auch wenn ich von den umstrittenen Vorgängen direkt und selbst keine Kenntnis hatte, und die Details von den leitenden Mitarbeitern bearbeitet worden waren, muss ich heute erkennen, dass es Auffälligkeiten gegeben hat, die nunmehr überprüft werden“, erklärte Hetzer am Dienstag. Es war seine erste offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen, am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) seien Transplantationslisten manipuliert worden. In einem Schreiben und bei einer Ansprache am Dienstagabend auf dem Sommerfest von Gesundheitsstadt Berlin machte der Herzchirurg unmissverständlich klar, dass ihm an Transparenz und einer lückenlosen Aufklärung liege. Auch er sei tief betroffen gewesen.

Hetzer tief betroffen

Im Mai fielen bei einer Überprüfung durch die Bundesärztekammer erstmals Unregelmäßigkeiten am renommierten Herzzentrum im Wedding auf. Eine Oberärztin soll Patienten zwischen 2010 und 2012 hohe Dosen Katecholamine verschrieben haben, damit sie auf der Warteliste für ein neues Herz weiter nach oben rücken. Es soll sich um etwa 25 derartige Fälle gehandelt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob andere Patienten dadurch zu Schaden gekommen sind. Da durch derartige Manipulation eventuell Patienten verstorben sein könnten, lautet der Vorwurf sogar auf Totschlag.  

Hetzer muss schon seit April von den Vorwürfen gewusst haben, aber da das Gutachten der Bundesärztekammer noch nicht ganz abgeschlossen ist, wollte sich das DHZB erst nach dessen Veröffentlichung im September dazu äußeren. Juristen hatten der Verwaltungsleitung des Herzzentrums aber vergangene Woche geraten, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Hetzer persönlich befand sich zu dieser Zeit in Ostasien auf einem Kongress.

 

Auf den letzten Metern ein Skandal - das ist bitter für den anerkannten Herzchirurgen

All das ist bitter für Roland Hetzer. Vor fast dreißig Jahren hat er das Deutsche Herzzentrum Berlin aufgebaut und mit viel persönlichem Herzblut zu einer weltweit renommierten Einrichtung gemacht. Nicht nur im damaligen geteilten West-Berlin - bis heute gilt das Deutsche Herzzentrum Berlin als Leuchtturm. Am 1. Oktober soll Prof. Volkmar Falk (derzeit Herzzentrum Zürich) die Leitung übernehmen.

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