. Cannabis

DGPPN: Wie Mediziner den Cannabis-Konsum bewerten

Zurzeit wird vermehrt über die Legalisierung von Cannabis diskutiert. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) hat ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie den Cannabis-Konsum aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht bewertet.
Die Legalisierung von Cannabis ist umstritten

Der Cannabis-Konsum kann zu Abhängigkeit führen

In dem Papier haben DGPPN-Experten die wichtigsten Erkenntnisse, Empfehlungen und Forderungen zusammengetragen, um mögliche gesundheitliche Risiken und damit auch die Folgen einer Freigabe besser abschätzen zu können.

Danach entwickelt jeder zehnte Cannabiskonsument eine behandlungsbedürftige Abhängigkeits-Erkrankung. Cannabis ist momentan der häufigste Anlass für eine erstmalige Drogen-Therapie.

DGPPN: Cannabis oft in Zusammenhang mit psychischen Störungen

Die Komorbidität von Cannabisabhängigkeit und weiteren psychischen Störungen wie etwa Angst- oder Persönlichkeitsstörungen ist hoch. Das Konsumalter ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen, wobei die größten Risiken für Heranwachsende bestehen.

Es ist klinisch plausibel, aber nicht abschließend geklärt, ob Cannabiskonsum auch psychotische Erkrankungen wie etwa Schizophrenie bei Menschen auslösen kann, die ohne Cannabiskonsum nicht erkrankt wären.

Weitere Forschung zu den Risikofaktoren für die verschiedenen psychopathologischen Wirkungen von Cannabiskonsum und deren Behandlung sind notwendig, heißt es weiter in dem Papier. Wissenschaftliche Analysen der Daten der krankenkassenärztlichen Versorgung bezüglich Prävalenz, Verlauf und Kosten von cannabisbezogenen Störungen sollten erfolgen.

 

DGPPN fordert zugleich Entkriminalsisierung des Cannabis-Gebrauchs

Die strafrechtlichen Möglichkeiten zur Entkriminalisierung des Gebrauchs sollten verbessert werden, um zusätzliche pychosoziale Belastungen für die Betroffenen zu vermeiden. Gleichzeitig kann der Kontakt mit der Justiz aber auch Behandlungschancen eröffnen.

Zur Behandlung wäre ein Mehrsäulenkonzept sinnvoll: Das Angebot reduzieren, dem Konsum vorbeugen und zugleich verhaltens- und ausstiegsorientierte Maßnahmen zur Hilfestellung und Schadensminimierung anbieten.

Zum Zusammenhang zwischen Liberalisierung des Zugangs zu Cannabis und der möglichen Erhöhung der Konsums- und Missbrauchsprävalenz gibt es noch keine abschließenden Erkenntnisse, das müsse weiter untersucht werden, meinen die Experten.

Unabhängig von der Legalisierungs-Diskussion werden die Einsatzmöglichkeiten von Cannabis für den medizischen Gebrauch in Deutschland demnächst ausgeweitet.

Foto: Monkey Business

Autor: red
 

Weitere Nachrichten zum Thema Cannabis

| Der Konsum von Cannabis bei jungen Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren ist in Deutschland weiter angestiegen. Anlässlich des Weltdrogentags 2019 warnen die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vor den Risiken.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Wer Kinder hat, lebt länger als Kinderlose. Eine Adoption wirkt sich sogar noch stärker auf die Lebenserwartung aus. Eine neue Untersuchung, ist nun den Gründen nachgegangen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Restaurant „Altes Zollhaus“, Carl-Herz-Ufer 30, 10961 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.