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DGHO bekräftigt Zweifel an Methadon

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) hat ihre Zweifel an Methadon in der Krebstherapie erneut unterstrichen. Auf ihrer Internetseite verweist die onkologische Fachgesellschaft auf eine Stellungnahme vom April. Das Schreiben ist allerdings umstritten.
Die onkologische Fachgesellschaft DGHO bezweifelt die Wirksamkeit von Methadon in der Krebstherapie und fordert bessere Studien. Die werden möglicherweise bald kommen

Die onkologische Fachgesellschaft DGHO bezweifelt die Wirksamkeit von Methadon in der Krebstherapie und fordert bessere Studien. Die werden möglicherweise bald kommen

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) ist so etwas wie eine höhere Instanz in der medikamentösen Tumortherapie. Schon seit geraumer Zeit ist die Fachgesellschaft mit Berichten von Ärzten und Wissenschaftlern konfrontiert, wonach Methadon in Kombination mit Chemotherapie diverse Tumorerkrankungen zum Stillstand bringen kann – an Zellen, an Mäusen, aber auch bei immer mehr Menschen. Insbesondere Patienten mit Glioblastom scheinen von dem Schmerzmittel zu profitieren, weil es die Wirkung der Chemotherapie verstärken kann. In manchen Fällen mit verblüffenden Erfolgen. Die Hinweise kommen unter anderem von Studien der Universitätsklinik Ulm und der Charité.

DGHO: Haben vor möglichen Gefahren zu warnen

Aufgrund der aktuellen Berichterstattung zum Thema – unter anderem durch sternTV – bekräftigt die onkologische Fachgesellschaft nun erneut ihre Zweifel an der Wirksamkeit und Sicherheit von Methadon auf ihrer Internetseite. „Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie beschäftigt sich intensiv mit neuen Krebsmedikamenten … Bei Methadon hat sie mit ihrem Arbeitskreis Palliativmedizin Anlass, vor unrealistischen Erwartungen und möglichen Gefahren zu warnen“, heißt es dort. Leser werden an dieser Stelle auf die Stellungnahme vom 26. April 2017 verwiesen, worin die DGHO unter anderem eine unkritische off-label Einnahme für nicht gerechtfertigt hält. 

 

Gegenwind kommt aus der Praxis

Hans-Jörg Hilscher. macht indes keinen Hehl daraus, was er vom Schreiben der DGHO hält. Die Inhalte seien mehr als zweifelhaft, kritisierte der Hausarzt und Palliativmediziner am Mittwochabend bei sternTV. Besonders ein Absatz stach dem Mediziner ins Auge: Darin zitiert die DGHO eine Langzeitstudie aus den USA, wonach Methadon angeblich das Leben verkürzt. „Eine Studie kann man schlechter nicht machen als diese“, kritisierte der Mediziner und verwies auf den Umstand, dass die Studie an gesunden Menschen mit Rückenschmerzen durchgeführt worden war, die auch noch die 4- bis 5-fach höhere Dosis an Methadon bekommen hatten als die ungefähr 6-Mal so große Kontrollgruppe. Diese Studie werde zitiert, wohingegen eine viel aussagekräftigere, die immerhin Krebspatienten mit eingeschlossen habe, unter den Tisch falle, kritisierte Hilscher. Diese habe nämlich gezeigt, „dass die Leute länger leben unter Methadon.“

Aufgrund der DGHO-Warnung würden nun Onkologen eine Weiterbehandlung ihrer Patienten ablehnen, die von Morphium auf Methadon umgestellt worden seien. „Das heißt sie verweigern lebenserhaltende und lebensrettende Chemotherapien“, empörte sich Hilscher.

Studie zu Methadon bei Hirntumoren beantragt

Der Neuroonkologe Wolfgang Wick vom Universitätsklinikum Heidelberg, der bisher den gleich Standpunkt vertritt wie die DGHO, kommentierte das nicht, räumte im sternTV-Studiogespräch jedoch ein: "Die vielen Patientenberichte rechtfertigen, dass wir uns Gedanken machen, wie wir das Ganze klinisch weiterentwickeln." Wick bestätigte außerdem, dass bei der Krebshilfe im Juni ein Antrag auf Förderung einer Studie gestellt worden sei - zum Einsatz von Methadon bei Hirntumorpatienten. Sollte die klinische Studie gestartet werden können, "haben wir hoffentlich in drei Jahren seriöse Daten für die Therapie."

Foto: © Tino Neitz - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
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