Deutschland nicht vom Impfstoffskandal in China betroffen

Tollwut-Impfstoffe ohne Wirkstoff, gepfuschte Kombi-Impfstoffe für Kinder – China wird von einem Impfstoffskandal erschüttert. Deutschland ist davon nicht betroffen, versichert das Paul-Ehrlich-Institut. Das chinesische Unternehmen Changchun Changsheng habe keine Zulassung in Europa.
Impfstoffskandal China, Deutschland

Vom Impfstoffskandal in China ist Deutschland nicht betroffen, wohl aber von zwei anderen Pharmaskandalen

Der Impfstoffskandal in China hat offenbar keine Auswirkungen auf Deutschland. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hat das chinesische Unternehmen Changchun Changsheng keine Impfstoffe nach Deutschland exportiert. Dafür fehle ihm die Zulassung, erklärte das PEI.  Alle Impfstoffe, die in Deutschland auf den Markt kämen, hätten entweder eine nationale Zulassung vom Paul-Ehrlich-Institut (PEAI) oder eine so genannte zentrale Zulassung von der EU-Kommission. Diese Zulassungen werden nach einem Verfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA erteilt und sind in allen EU-Mitgliedstaaten (sowie Norwegen und Island) gültig. Darum ist es nach Ansicht des PEI ausgeschlossen, dass wirkungslose Impfstoffe aus China in Deutschland in den Verkehr gebracht wurden.

China exportiert keine Impfstoffe nach Europa

Auch die Möglichkeit, dass in Deutschland zugelassene Impfstoffe in China produziert werden, schließt das PEI aus. Keiner der Zulassungsinhaber habe eine Herstellungsstätte in China oder beziehe von dort Antigenkomponenten für die in Deutschland und der EU zugelassenen Impfstoffe, versicherte das PEI.

Impfstoffe unterliegen in Deutschland der staatlichen Chargenprüfungspflicht. Dabei werden Stichproben der Chargen vom PEI oder einem anderen anerkannten amtlichen Untersuchungslabor aus einem europäischen Staat überprüft.

Dazu ein Sprecher vom Paul-Ehrlich-Institut: „Das PEI würde Impfstoffe ohne Antigenkomponente, d.h. ohne Wirkstoff dabei entdecken. Patientinnen und Patienten in Deutschland und der EU können sich darauf verlassen, dass die in Deutschland und der EU verabreichten Impfstoffe wirksam und sicher sind.“

 

Tollwutimpfstoff ohne Wirkstoff verkauft

Mitte Juli war bekannt geworden, dass der chinesische Pharmakonzern Changsheng bei der Herstellung von Tollwut-Impfstoffen getrickst hat. Proben ergaben, dass kein Wirkstoff enthalten war. Nach Angaben der chinesischen Arzneimittel-Aufsichtsbehörde hat Changsheng Unterlagen gefälscht, in denen es um die Herstellung und die Qualitätskontrolle der Impfstoffe geht. Im Zuge des Impfstoffskandals stellte sich heraus, dass der Konzern nicht nur bei Tollwut-Impfstoffen (Pflicht für Chinareisende) gepfuscht hatte: Auch ein minderwertiger Kombi-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten soll in Umlauf gebracht worden sein. Vor allem Kinder werden damit immunisiert. 

Aktuelle Pharmaskandale in Deutschland

Deutschland ist unterdessen von zwei anderen Pharmaskandalen betroffen. Anfang Juli war eine europaweite Rückrufaktion von Valsartan-haltigen Blutdruckmedikamenten gestartet, da bestimmte Chargen eines chinesischen Herstellers mit einem krebserregenden Stoff verunreinigt sind. Betroffen sind zum jetzigen Zeitpunkt Nachahmerprodukte (Generika) der Originalprodukte. Hunderttausende Menschen nehmen diese Blutdrucksenker ein.

Zudem sorgt der Lunapharm-Skandal für Aufregung. Das Unternehmen aus Brandenburg soll gestohlene Krebsmedikamente aus Griechenland und Italien in Deutschland weiter verkauft haben. Konkret geht es um das Brustkrebsmedikament Herceptin. Da die Medikamente vermutlich nicht vorschriftsgemäß gelagert wurden, besteht der Verdacht, dass sie möglicherweise nicht voll oder sogar unwirksam waren, als sie an deutsche Apotheken ausgegeben wurden.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Impfen , Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pharmaskandal

| Mehrere Präparate des Blutdrucksenkers Valsartan mussten zurückgerufen werden, weil sie mit dem vermutlich krebserregenden Stoff N-Nitrosodimethylamin verunreinigt sind. Nun wurden weitere betroffene Valsartan-Präparate gefunden.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.