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Deutschland muss Qualität und Patientensicherheit in den Fokus nehmen

Deutschland verfügt über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Doch was die Messung und Sicherung der Qualität und der Patientensicherheit anbelangt, so stecken wir immer noch in Kinderschuhen. Um das zu ändern, hat Gesundheitsstadt Berlin e.V. eine Qualitätsstudie in Auftrag gegeben, die an diesem Donnerstag vorgestellt wurde.

Ein Rahmenkonzept für mehr Qualität - das fordert Gesundheitsstadt Berlin e.V..

„Wir haben im Gesundheitsbereich in Deutschland 40 Jahre Kostendämpfungspolitik betrieben und damit beachtliche Erfolge erzielt. Der Anteil der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung am Bruttoinlandsprodukt ist nahezu konstant. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass die eigentliche Herausforderung für jedes Gesundheitssystem der Welt die Verbesserung der Qualität und Patientensicherheit ist“, sagte Ulf Fink, Vorsitzender von Gesundheitsstadt Berlin e.V., bei der Vorstellung der Studie Qualität 2030 in Berlin. Obwohl das deutsche Gesundheitssystem eines der besten der Welt sei, hätten andere Länder auf manchen Gebieten bessere Ergebnisse vorzuweisen, so der ehemalige Gesundheitssenator. Hier seien zum Beispiel die Niederlande zu nennen, die, so Fink, „in der Bekämpfung multiresistenter Erreger vorbildlich sind“.

Das deutsche Gesundheitssystem braucht einen neuen Ordnungsrahmen

Fink begrüßte die mit der Koalitionsvereinbarung getroffenen Maßnahmen zur Stärkung der Qualität und Patientensicherheit. „Wir brauchen aber mehr als das: einen neuen Ordnungsrahmen für das Gesundheitssystem, in dessen Mittelpunkt Qualität und Patientensicherheit stehen.“ Deshalb habe Gesundheitsstadt Berlin, mit 220 Mitgliedern das größte regionale Gesundheitsnetzwerk in Deutschland, die Studie Qualität 2030 in Auftrag gegeben.“

Die Studie „Qualität 2030 – Die umfassende Strategie für das Gesundheitswesen“ wurde von Prof. Dr. med. Matthias Schrappe erstellt. Das Gutachten nimmt zu den zentralen Instrumenten der Qualitätsverbesserung Stellung und fordert einen umfassenden Paradigmenwechsel im deutschen Gesundheitswesen ein.

 

Etwa 19.000 vermeidbare Todesfälle pro Jahr – das darf sich das deutsche Gesundheitssystem nicht „leisten“

Laut Schrappe sind die wichtigsten Qualitätsdefizite solche, die die Patientensicherheit betreffen. So zeigen die Zahlen des jährlich erscheinenden Qualitätsberichtes der externen Qualitätssicherung nach §137 SGB V Komplikationen bei mehreren Prozent der Patienten. Auch nach einschlägigen internationalen Studien erleiden rund 2 bis 4 Prozent der Krankenhaus-Patienten ein vermeidbares, auf Fehler zurückzuführendes unerwünschtes Ereignis, das durch die Behandlung bedingt ist. Schrappe: „Für Deutschland bedeutet dies: jedes Jahr sind zwischen 380.000 und 760.000 Krankenhauspatienten von Ereignissen betroffen, die auf Fehler zurückgehen.“ Das bedeute etwa 19.000 vermeidbare Todesfälle pro Jahr. Das dürfe und könne in einem solidarischen Gesundheitswesen nicht sein. Mit der Vorstellung des Gutachtens forderte Gesundheitsstadt Berlin e.V. den Gesetzgeber auf, ein Rahmenkonzept „Qualität 2030“ vorzulegen, das umfassend die bis 2030 umzusetzenden Qualitätsinstrumente beschreibt. Darüber hinaus solle der Gesetzgeber jährlich ein Gutachten zum Stand der Umsetzung des Gesamtkonzeptes erstellen. 

Foto: Fotolia

Autor: Cornelia Wanke
 

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