. Wohnatlas veröffentlicht

Deutschland benötigt Strategie zum Wohnen im Alter

Deutschland braucht bedarfsgerechte Wohnangebote für das Wohnen im Alter. Doch es fehlt der Überblick, was die Länder und der Bund hier bereits umgesetzt haben. Das sagt das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA). Zusammen mit der Wüstenrot Stiftung wurde jetzt ein Wohnatlas zum Wohnen im Alter herausgegeben.
Gesamtstrategie für Wohnen im Alter gefordert

Wie wird der Wohnraum im demografischen Wandel gestaltet?

„Die Bundesländer können beim Thema Wohnen im Alter viel bewegen, da sie über politisches Gestaltungsrecht verfügen und entsprechende Rahmenbedingungen setzen können“, betont Ursula Kremer-Preiß, Expertin zum Thema Wohnen im Alter beim Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA).

Dieser Verantwortung seien die Länder in den vergangenen Jahren auch nachgekommen. Ansätze zur Stärkung des Wohnens im Alter seien entwickelt worden. Was fehlt sei ein systematischer Überblick, welche Erfahrungen mit den unterschiedlichen Initiativen gemacht wurden, erläutert Kremer-Preiß und fordert die Entwicklung einer länderübergreifenden Gesamtstrategie zum Wohnen im Alter.

Wohnen im Alter: Wohnatlas gibt Überblick über die Länderinitiativen

Abhilfe schaffen soll jetzt ein Wohnatlas, der die Rahmenbedingungen der Bundesländer beim Wohnen im Alter analysiert und Praxisbeispiele nennt. Entwickelt wurde dieser vom KDA und der Wüstenrot Stiftung. Er zeigt, wie ältere Menschen in den einzelnen Bundesländern wohnen und welche unterschiedlichen Rahmenbedingungen es beim Wohnen im Alter in den Bundesländern gibt.

Deutlich wird dabei, dass die bestehenden Wohn- und Versorgungsangebote auf die neuen demografischen Herausforderungen vielfach nicht ausreichend eingestellt sind. Altersgerecht wohnen sei mehr als eine barrierefreie Wohnung – auch das Wohnumfeld müsse den Ansprüchen der Senioren gerecht werden. Gefragt seien Quartiersansätze, heißt es im Wohnatlas.

Es fehlen 1,1 Millionen barrierefreie Wohnungen

Folgt man den Schätzungen des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, sind bislang erst drei Prozent aller ca. 40 Millionen Wohneinheiten in Deutschland barrierefrei. Dem steht laut KDA ein tatsächlicher Bedarf von 2,5 Millionen gegenüber. Aktuell fehlen somit rund 1,1 Millionen barrierefreie Wohnungen. Mit an der Spitze der Bundesländer stehen dabei die Flächenländer Nordrhein-Westfalen (251.000), Bayern (148.000) und Baden-Württemberg (136.000).

Je nach Bundesland wurden in den letzten Jahren Schwerpunkte zur Verbreitung der Wohnformen für das Alter gesetzt, wird weiter betont. Dies hat u. a. dazu geführt, dass sich in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Versorgungsgrade bei den Wohnformen für das Alter entwickelt haben.

Zu den Wohnformen gehören dabei neben der stationären Pflege Altenwohnungen, Betreutes Wohnen, gemeinschaftliche Wohnangebote in Senioren-WGs oder Mehrgenerationenwohnprojekte sowie ambulant betreute Pflegewohngemeinschaften.

Stationäre Pflege steigt seit 2005 um 100.000 Plätze

In solchen Wohnformen lebten 2011 bundesweit ca. sieben Prozent der über 65-jährigen Menschen. Davon ca. vier Prozent in traditionellen Alten- und Pflegeheimen und zwei bis drei Prozent in alternativen Wohnformen für das Alter.

Mit mehr als 100.000 neuen Pflegeplätzen hat sich dabei seit 2005 das Angebot in der stationären Pflege deutlich erhöht. Das bedeutet bundesweit ein Plus von 15,6 %. Unter dem Bundesdurchschnitt liegen die Bundesländer Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein.

Doch während in Schleswig-Holstein je 100 Einwohner im Alter von 75 Jahren und mehr aktuell 15 Heimplätze in der vollstationären Pflege zur Verfügung stehen, sind es in Hessen nur neun Heimplätze. Die Versorgungsquoten in den Ländern sind somit sehr unterschiedlich, fasst der Wohnatlas zusammen.

17.000 Pflegebedürftige leben in einer ambulanten Pflegewohngemeinschaft

Einen Richtungswechsel in der Pflegepolitik fordert aktuell die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Im Gespräch mit dem NDR sieht sie einen sinkenden Bedarf an klassischen Alten- und Pflegeheimen. Immer mehr ältere Menschen würden sich zunehmend für alternative Wohnformen im vertrauten Stadtteil entscheiden.

Der jetzt vorgestellte Wohnatlas nennt hierfür Zahlen. Er geht davon aus, dass derzeit rund 0,7 Prozent der Pflegebedürftigen (17.000 Plätzte) in einer ambulanten Pflegewohngemeinschaft leben. Dabei ist auch hier die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. Die Spannweite reicht von Hessen mit ca. sechs bis zu Berlin mit über 500 Initiativen.

Der Versorgungsgrad für Pflegebedürftige, für die in den Bundesländern solche Wohnalternativen zur Verfügung stehen, schwankt entsprechend von ca. 5,3 Prozent in Berlin zu 0,03 Prozent in Hessen. Für Hamburg weist der Wohnatlas 23 Wohngemeinschaften bei einem Versorgungsgrad von 0,49 Prozent aus.

Foto: © Tiberius Gracchus - Fotolia.com

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