Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
04.06.2019

Deutsches Nährwertkennzeichen nicht verbraucherfreundlich?

Die EU-Nachbarn setzen auf eine Nährwertampel auf der Verpackung, die anzeigt, wie gesund ein Lebensmittel ist. Deutschland plant ein eigenes Nährwertkennzeichen. Das kritisieren Diabetes-Experten als nicht verbraucherfreundlich.
Nährwertkennzeichen, Nährwertsiegel, Lebensmittelsiegel

Der deutsche Entwurf für ein Nährwertkennzeichen für Lebensmittel steht in der Kritik

Die europäischen Nachbarn setzen auf eine Nutri-Score genannte Nährwertampel auf den Verpackungen,  die anzeigt, wie gesund ein Lebensmittel ist. Deutschland plant ein eigenes Kennzeichen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat das Max Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe mit dem Entwurf beauftragt. Doch das von den Ernährungsforschern jetzt vorgelegte deutsche Nährwertkennzeichen stößt auf Ablehnung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DGG).

Schon heute würden hierzulande zwölf Prozent der Gesundheitsausgaben für die Behandlung der Stoffwechselerkrankung Diabetes aufgewendet, hieß es auf dem Diabetes Kongress 2019 in Berlin. Ein Großteil an Typ-2-Diabetes-Erkrankungen wäre vermeidbar, wenn es gelänge, eine Umgebung zu schaffen, in der sich Menschen besser ernähren und weniger übergewichtig sind, so DGG-Präsident Prof. Dirk Müller-Wieland. Ein Schritt in die richtige Richtung sei der in Frankreich bereits eingeführte Nutri-Score.

Gesamtwert aus günstigen und ungünstigen Inhaltsstoffen

Beim Nutri-Score wird für jedes Lebensmittel aus eher günstigen Inhaltsstoffen wie Obst, Gemüse und Ballaststoffen und eher ungünstigen Inhaltsstoffen wie Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren ein Gesamtpunktwert ermittelt. "Je nachdem, wie dieser Wert ausfällt, wird das Produkt auf der Vorderseite der Verpackung mit einem Buchstaben und einer von fünf Farben gekennzeichnet", erklärt der DDG-Präsident.

Mit dem Nutri-Score könne jeder Mensch unabhängig von Sprachkenntnissen und Bildungsstand den Unterschied zwischen dem dunkelgrünen A - für sehr günstige Lebensmittel - und dem roten E - für sehr ungünstige Nahrungsmittel - erkennen. 

 

Franzosen kauften nach Einführung des Nutri-Score anders ein

Tests zeigten, dass die Franzosen nach dem Start des Nutri-Score weniger ungesunde und mehr gesunde Produkte kauften. Die Nährwertqualität verbesserte sich dadurch um bis zu neun Prozent. Auch Belgien, Spanien, Portugal und Luxemburg planen die Einführung.

Warum Ernährungsminsterin Julia Klöckner (CDU) einen "deutschen Sonderweg erwägt, dessen Umsetzung unnötig Zeit und Geld kostet, ist fachlich nicht zu erklären", sagt DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer. Am vom MRI vorgestellten Kennzeichnungssystem kritisiert die DDG vor allem die fehlende farbliche Markierung, die hilft, die Höhe der Nährstoffgehalte schnell einzuschätzen.

Deutsches Nährwertkennzeichen nicht verbraucherfreundlich

Das deutsche Nährwertkennzeichen sei nicht verbraucherfreundlich, moniert die Fachgesellschaft. Die Kritik ist nachzuvollziehen, denn die Informationen, die das Siegel liefern soll, sind nicht auf den ersten Blick zu erfassen. Zum einen gibt es eine Sterne-Bewertung vor farbigem Hintergrund. Mit der Qualität des Lebensmittels steigt die Zahl der Sterne (Höchstnote 5) und der Hintergrund wird dunkler. Doch nicht jedem dürfte auf Anhieb klar sein, ob er sich an den schwarzen (ausgefüllten) oder den weißen (unausgefüllten) Sternen orientieren sollte.

In einer zweiten Grafik werden Inhaltsstoffe wie Zucker, Salz, Fett und ungesättigte Fettsäuren jeweils farbig hervorgehoben - und zwar immer dann, wenn sie "unter den Grenzwerten der EU-Health Claims-Verordnung liegen", so das MRI. Ohne eine zusätzliche Erläuterung ist für den Verbraucher nicht zu erkennen, ob die farbige Hervorhebung auf einen günstigen oder einen ungünstigen Wert deutet.

Im Sommer startet Umfrage zu Nährwertkennzeichen

Um die Akzeptanz des deutschen Entwurfs zu prüfen, startet das Ernährungsministerium im Sommer eine Umfrage. Vier bis fünf Kennzeichnungssysteme stehen dabei zur Auswahl, auch das vom MRI entwickelte und der Nutri-Score. Es müsse geprüft werden, "ob und wie gut die eigentlichen Nutzer des Zeichens, die Verbraucher, die aus dem Nährwertkennzeichnungs-Modell ableitbaren Aussagen verstehen und für ihre Lebensmittelauswahl einsetzen können", so das MRI. Die Diabetes-Gesellschaft hat ihr Urteil schon gefällt.

Foto: MRI

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ernährung

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Sich gegen Krebs impfen lassen so wie gegen Masern oder Mumps? Ganz so weit ist die Medizin noch nicht – mit einer Ausnahme: wenn Infektionen bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen. „Humane Papillomviren“ (HPV) verursachen vor allem Gebärmutterhalskrebs. Sie werden oft beim ersten Sex übertragen und es existiert ein Impfstoff dagegen. Trotzdem ist mehr als die Hälfte der Jugendlichen immer noch nicht geimpft.


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin