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Deutsches Gesundheitssystem ist teuer, aber leistungsfähig

Das deutsche Gesundheitssystem verfügt über einen der umfangreichsten Leistungskataloge weltweit. Gesundheitswissenschaftler haben dennoch ein paar Schwachstellen identifiziert. Die Kosten und die Qualität zum Beispiel.
Deutsches Gesundheitssystem ist teuer, aber leistungsfähig

Gesundheitsexperte Reinhard Busse bescheinigt dem Gesundheitssystem eine relativ hohe Effizienz

Wer wie Angelina Jolie erblich vorbelastet ist, an Brustkrebs zu erkranken, hat in Deutschland einen Anspruch auf einen entsprechenden Gentest und nach ausführlicher Beratung auch einen Anspruch auf die Amputation beider Brüste. Ein Beispiel, an dem man gut sehen kann, dass der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen trotz zahlreicher Gesundheitsreformen immer noch sehr großzügig bemessen ist. Passend dazu hat Prof. Dr. Reinhard Busse, Lehrstuhlinhaber Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin, gerade ein Buch veröffentlicht. „Das deutsche Gesundheitssystem - Akteure, Daten, Analysen“ beleuchtet die Stärken, aber auch die Schwächen des deutschen Gesundheitssystems.

Zu den Stärken des deutschen Gesundheitssystems zählen Busse und seine Ko-Autorinnen etwa das umfangreiche Leistungsangebot. Das deutsche Gesundheitssystem verfüge im internationalen Vergleich über einen der umfangreichsten Leistungskataloge und eines der quantitativ höchsten Versorgungsniveaus, schreiben die Autoren. Die Leistungen seien zudem mit vergleichsweise niedrigen Zuzahlungen verbunden. „Da Deutschland bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit gleichzeitig nur im oberen Mittelfeld liegt, verfügt das deutsche Gesundheitssystem infolgedessen über eine relativ hohe Effizienz, wenn man die Kosten mit den zur Verfügung gestellten Ressourcen und den durchgeführten Leistungen vergleicht“, heißt es in dem 300 Seiten starken Nachschlagewerk.

Bürger haben nahezu unbegrenzten Zugang zu ärztlichen Leistungen

Positiv bewertet der Professor für Gesundheitsmanagement auch den Zugang zum Gesundheitssystem. Deutschland zeichne sich durch einen überdurchschnittlich guten Zugang zur Gesundheitsversorgung aus. Letzteres zeige sich durch niedrige Wartezeiten oder eine aus Sicht der Befragten häufiger als andernorts funktionierende Versorgung auch außerhalb der regulären Sprechzeiten der Ärzte. Grund dafür seien die vergleichsweise hohen Versorgungskapazitäten in dem Land, meint Busse.

Dass viel Leistung, viel kostet, belegt der Autor anhand von Berechnungen der OECD. „Das deutsche Gesundheitssystem wird im internationalen Vergleich als leistungsfähig, aber teuer bezeichnet“, schreibt Busse und bezieht sich dabei auf den OECD Bericht 2011. Demnach beliefen sich im Jahr 2010 die Gesamtausgaben für Gesundheit auf 11,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) und lagen damit um 2,1 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der OECD-Länder von 9,5 Prozent. Gleichzeitig rangierte Deutschland 2010 bei den Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben mit 4.338 US-Dollar  an neunter Stelle unter den 34 OECD-Ländern, und etwa ein Drittel über dem Durchschnitt (3.268 US-Dollar).

Den relativ bescheidenen Anstieg von Gesundheitsausgaben, führt der Gesundheitswissenschaftler zum Teil auf Kostendämpfungsmaßnahmen zurück, die im Rahmen der Gesundheitsreformen eingeführt wurden. So stiegen in Deutschland die Gesundheitsausgaben zwischen 2000 und 2009 nur um durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr, während im OECD Durchschnitt rund vier Prozent jährlich mehr für Gesundheit ausgegeben wurde.

Im Qualitäts-Ranking liegt Deutschland nur im Mittelefeld

Defizite attestiert Busse dem deutschen Gesundheitssystem in punkto Zufriedenheit der Bevölkerung und bei der Qualität. Die Deutschen stellten häufiger als Befragte aus anderen Ländern einen hohen gesundheitspolitischen Reformbedarf fest, schreibt Busse und zur Qualität der medizinischen Versorgung sagt er: „Der Nachholbedarf wird insbesondere bei der Qualität der medizinischen Versorgung ersichtlich, wenn die Ergebnisqualität bei der Behandlung einzelner Erkrankungen analysiert wird. Hier findet sich Deutschland fast nie auf den ersten Plätzen, sondern meist im Mittelfeld wieder.“ Die Förderung der Qualität der medizinischen Versorgung sollte daher stärker in den Vordergrund von Reformmaßnahmen rücken. Bisherige Maßnahmen wie etwa die Qualitätsindikatoren im stationären Sektor seien einer erster Schritt, aber noch zu wenig, so der Autor.

„Das deutsche Gesundheitssystem - Akteure, Daten, Analysen“ – ist ein umfassendes Nachschlagwerk für alle, die sich über Organisationsstrukturen, Finanzierung, Leistungserbringung des deutschen Gesundheitssystems gut informieren wollen und auch einen Vergleich mit anderen Ländern nicht scheuen. Das Werk stellt die Entwicklung und die aktuelle Struktur des deutschen Gesundheitssystems mit seinen ökonomischen und politischen Zusammenhängen umfassend dar. Die Erstauflage ist soeben in der „Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft“, Berlin, erschienen und kann im Buchhandel oder über diesen Link bestellt werden: Bestellung

Foto: © VILevi - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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