Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
30.05.2019

Deutscher Ärztetag beklagt Stress und Gewalt gegen Ärzte

Ärzte in Deutschland arbeiten auf Kosten ihrer eigenen Gesundheit. Auch Gewalt gegen Ärzte ist ein immer größer werdendes Thema. Der 122. Deutsche Ärztetag hat nun Forderungen an die Arbeitgeber und den Gesetzgeber aufgestellt.
122. Deutscher Ärztetag

An die Gesundheit von Ärzten denken: Der 122. Deutsche Ärztetag warnt vor Überlastung und Gewalt gegen Ärzte

Ärzte haben ihren Beruf ergriffen, um andere gesund zu machen. Doch durch Personalnot, Arbeitsverdichtung und Wettbewerbsdruck  steht ihre eigene Gesundheit auf dem Spiel. Diverse Untersuchungen demonstrieren, wie sehr die Ärzte am Limit sind.

So zeigte kürzlich eine Befragung des Marburger Bunds, dass sich drei Viertel aller Krankenhausärzte beruflich überlastet fühlen. In einer weiteren Befragung spielte jeder fünfte Krankenhausarzt mit dem Gedanken, seinen Job an den Nagel zu hängen. Ausgebrannt fühlen sich auch viele niedergelassenen Ärzte, wie eine Befragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aus dem Jahr 2018 zeigt. Und eine Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdient und Wohlfahrtspflege stellte ebenfalls im Jahr 2018 einen zunehmenden beruflichen Druck insbesondere auf junge Ärztinnen und Ärzte fest.

Ärztetag fordert gesundheitsgerechtere Arbeitsbedingungen

Die Gesundheit von Ärzten ist deshalb auch Thema beim Deutschen Ärztetag in Münster. In mehreren Beschlüssen forderte der 122. Deutsche Ärztetag von den Arbeitgebern im Gesundheitswesen unter anderem gesundheitsgerechtere Arbeitsbedingungen. Die Arbeitsschutzregeln müssten konsequent eingehalten und das betriebliche Gesundheitsmanagement gestärkt werden, hieß es. Die zuständigen Behörden seien aufgerufen, die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes im ärztlichen Dienst der Kliniken regelmäßig zu überprüfen. Auch sollten Ärzte von Verwaltungstätigkeiten entlastet werden. Personalschlüssel müssten zudem so gestaltet werden, dass jederzeit eine patienten- und aufgabengerechte Versorgung möglich sei. Erforderlich seien außerdem flexible Arbeitszeitmodelle und weitere Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

 

Stressbewältigung in Ausbildung aufnehmen

An den Gesetzgeber richtete der Ärztetag unter anderem die Forderungen, die gesetzlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen für gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen zu schaffen sowie den freiberuflichen Charakter der ärztlichen Tätigkeit zu stärken. An die medizinischen Fakultäten appellierte der Ärztetag, die Themen Resilienz und Stressbewältigung als Teil der ärztlichen Ausbildung in das Studium aufzunehmen.

Ärzte vor Gewalt schützen

Doch nicht nur eine zu hohe Arbeitsbelastung setzt Ärzte unters Stress: Auch Gewalt durch Patienten bzw. Angehörige bedroht ihre physische und psychische Gesundheit. Ärzte aus verschiedenen Versorgungsbereichen berichteten auf dem Ärztetag über körperliche und verbale Gewalt, unter anderem in den Notaufnahmen, in Hausarztpraxen oder bei Notfalleinsätzen.

Ärztekammern bieten zwar Hilfe und spezielle Präventionsangebote an. Diese Maßnahmen müssen nach dem Willen des 122. Deutschen Ärztetages aber durch einen strafrechtlichen Schutz Hilfeleistender ergänzt werden. Konkret forderten die Abgeordneten des Deutschen Ärztetages den Gesetzgeber auf, den strafrechtlichen Schutz für Hilfeleistende bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not zu erweitern. Ein vom Bundesgesundheitsministerium eingeholtes Rechtsgutachten hat die Notwendigkeit einer solchen Gesetzesänderung bestätigt.

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ärzte , Stress
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ärzte

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin