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Deutsche werden so alt wie nie zuvor

Die Zahl der 100-Jährigen steigt unerwartet schnell an. Demografie-Forscher gehen davon aus, dass die Hälfte der heute Neugeborenen einmal 100 Jahre alt wird – und führen diese Entwicklung vor allem auf die sinkende Herz-Kreislauf-Sterblichkeit zurück.
Deutsche werden so alt wie nie zuvor

Trend zur „Höchstaltrigkeit“ geht weitgehend auf Medizinischen Fortschritt zurück

Die höchste jährlich gemessene Lebenserwartung steigt seit mehr als 160 Jahren jedes Jahrzehnt um 2,5 Jahre oder um knapp sechs Stunden pro Tag. Auch Deutschland folgt diesem Trend. Seit den Sechzigerjahren hat sich in Deutschland die Sterblichkeit der 80-Jährigen mehr als halbiert. Während vor 50 Jahren von 100 der 80-jährigen Frauen rund elf vor ihrem 81. Geburtstag starben, sind es heute gerade mal vier. Nach Ansicht des Demografie-Forschers Professor Roland Rau von der Universität Rostock ist die rapide sinkende Sterblichkeit ab dem 80. Lebensjahr der wesentliche Faktor, warum immer mehr Menschen 100 Jahre und älter werden.Nach Raus Prognose wird sich dieser Trend fortsetzen. Er hat ausgerechnet, dass jeder zweite der heutzutage Neugeborenen einmal seinen 100. Geburtstag feiern wird.

„Kardiovaskuläre Revolution“ lässt die Menschen immer älter werden

Den Trend zur Höchstaltrigkeit erklärt der Demografie-Forscher vor allem durch die enormen Fortschritte in der Medizin. Die Reduktion der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. „Man spricht in der Wissenschaft von der kardiovaskulären Revolution. Ärzte können Krankheiten, insbesondere am Herzen in vielerlei Hinsicht besser behandeln. Hinzu kommt das höhere Wissen um die eigene Gesundheit“, erklärt Roland Rau. Unabhängig davon sei jedoch auch der individuelle Lebensstil entscheidend für ein hohes Alter. In der Wissenschaft wird ein Viertel der Unterschiede in der Langlebigkeit auf genetische Faktoren zurückgeführt, ein weiteres Viertel auf frühere Lebenserfahrung und 50 Prozent auf die jeweiligen augenblicklichen Lebensbedingungen.

Die stetig steigende Lebenserwartung führe auch dazu, dass der Alterungsprozess erst später einsetzt. „Wenn man die Sterblichkeit als ultimativen Gesundheitsindikator heranzieht, sind Frauen im Alter von heute 86 Jahren so gesund wie 80-jährige Frauen vor 50 Jahren“, so Rau.

Ostdeutsche Frauen haben bei der Lebenserwartung aufgeholt

Besonders interessant ist die Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland. Heute wird bei Frauen ein Wert von rund 82,5 Jahren gemessen. Um 1990 registrierten die Forscher jedoch einen Abstand in der Lebenserwartung von westdeutschen zu ostdeutschen Frauen. Während die erste Gruppe durchschnittlich 79 Jahre alt wurde, starben die Frauen im Osten drei Jahre eher. Seit 2005 gibt es kaum noch relevante Unterschiede bei den Frauen. Mit anderen Worten, im Osten stieg die Lebenserwartung schneller als im Westen. „Woran das liegt, ist eine der spannenden Forschungsfragen“, sagt Rau und nennt seine beiden Haupt-Hypothesen: Es liegt am Geld, um sich gesünder ernähren zu können und (oder) an der Medizin.

Seit 1980 hat sich in den westlichen Bundesländern Deutschlands die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ungefähr halbiert, die fünf neuen Bundesländer sind nach Auskunft des Demografie-Forschers auf dem besten Weg dorthin.

Foto: © Vladimir Voronin - Fotolia.com

Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
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