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Deutsche immer unzufriedener mit dem Gesundheitswesen

Nur noch gut jeder Zweite ist laut einer Studie davon überzeugt, dass das deutsche Gesundheitssystem international zu den besten gehört. Die einzelnen Akteure allerdings schneiden dabei unterschiedlich gut oder schlecht ab. Während Kassen und selbst Pharmaindustrie an Image gewinnen, hagelt es bei den Haus- und Fachärzten Kritik.
Arzt mit grauem Bart und Brille im Gespräch mit Patientin

In den Praxen von Haus- und Fachärzten erleben Patienten den meisten Frust: weil die Öffnungszeiten ungünstig sind oder sie sich schnell abgefertigt oder nicht ernst genommen fühlen.

Noch vor zwei Jahren war eine Zweidrittelmehrheit der Deutschen (64 Prozent) davon überzeugt, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu den drei besten Systemen weltweit gehört. Aktuell sind es nur noch 55 Prozent, fast zehn Prozent weniger. In der Altersgruppe über 55, die medizinische Behandlung besonders häufig in Anspruch nimmt, sank die Zufriedenheit sogar stärker als im Bevölkerungsdurchschnitt – auf jetzt 53 Prozent. Dies ergibt sich aus dem „Healthcare-Barometer 2019“, einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Arztpraxen: Zu wenig Zeit für Patienten, ungünstige Öffnungszeiten

Als besonders unbefriedigend erleben Patienten das Gesundheitssystem im alltäglichen Kontakt mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten. Nur noch 33 Prozent der Bürger sind mit der ärztlichen Behandlung dort rundum zufrieden. Ein wachsender Anteil von Patienten bemängelt, dass der Arzt sich zu wenig Zeit nimmt und dass die Öffnungszeiten der Praxen zu kurz oder ungünstig gelegen sind, um mit dem eigenen beruflichen oder privaten Terminkalender leicht kompatibel zu sein. Viele Patienten fühlen sich vom Arzt und seinen Mitarbeitern außerdem nicht ernst genommen. "Die Erwartungen an Zuwendung und Service sind deutlich gestiegen. Dem steht die Zeitknappheit entgegen, die sich zu einem zentralen Problem in unserem Gesundheitssystem entwickelt hat", sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. "Sie wirkt sich inzwischen negativ auf das Verhältnis zwischen Arzt und Patient aus. Umso wichtiger ist es, dass Ärzte wieder mehr Wert auf den Faktor Mensch legen, und sich gleichzeitig Entlastung bei Routineabläufen suchen, etwa durch digitale Technologien."

 

Digitalisierung kommt erst langsam beim Patienten an

Bei der Durchdringung der Medizin mit neuen Technologien setzt die Kritik von PwC auch an: Zwar besitze Deutschland noch immer eine medizinische Versorgung auf sehr hohem Niveau. Doch kämen digitale Technologien im internationalen Vergleich zu anderen Ländern hier erst langsam beim Patienten an. Die elektronische Patientenakte, die zeitlich flexible Wertemessung per App oder die ortsunabhängige Behandlung per Video-Chat sei in anderen Ländern längst Wirklichkeit.

Krankenhaus-Auswahl: Hausärzte verlieren erkennbar an Einfluss

Eine unmittelbare Folge dieses Trends: Wenn eine stationäre Behandlung nötig wird, verliert der Hausarzt erkennbar an Einfluss bei der Auswahl des Krankenhauses. Während dieser im Jahr 2017 noch bei noch 61 Prozent der Patienten eine entscheidende Rolle spielte, waren es 2018 nur noch 54 Prozent. Die Empfehlungen von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten gewinnen dagegen an Bedeutung (2017: 42 Prozent, 2018: 46 Prozent).

Besonders beliebt: Krankenkassen und ihre Zusatzleistungen

Weitgehend zufrieden sind Versicherten in Deutschland mit der stationären Versorgung in Krankenhäusern. Mehr als die Hälfte von ihnen schätzt sie als „gut“ oder „sehr“ gut ein. Männer sind mit 56 Prozent dabei deutlich zufriedener als die Frauen mit 47 Prozent. Besonders hohe Sympathiewerte erreichen in Deutschland derzeit die Krankenkassen: Die Zufriedenheit mit deren Leistungen stieg auf hohem Niveau im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um zwei auf nun 86 Prozent. Diese hohen Popularitätswerte erklärt die Beratungsfirma PwC mit der guten wirtschaftlichen Lage der gesetzlichen Krankenkassen, die es ihnen erlaubt, auch Zusatzleistungen wie die professionelle Zahnreinigung („Prophylaxe“) zu übernehmen.

Patienten über Pharmaindustrie: „Profit ist wichtiger als Heilen“

Auch wenn Medikamente zentraler Bestandteil einer guten medizinischen Versorgung sind, hat die Industrie dahinter ein Imageproblem. 69 Prozent der Deutschen sehen in der Pharmabranche weiterhin einen Wirtschaftszweig, der viel mehr auf Profit ausgerichtet ist als darauf, innovative Produkte zu entwickeln und Menschen zu heilen (20 Prozent). Beide Werte kamen sich in den vergangenen Jahren zart, aber tendenziell näher. Der Pharmaindustrie sei es kontinuierlich gelungen, ihr Image zu verbessern und Vertrauen aufzubauen, so die Einschätzung von PwC.

Foto: fotolia.com/motortion

Autor: zdr
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

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