. Publikation in „The Lancet“

Deutsche Forscher veröffentlichen neue Studien zu Magersucht

In Deutschland erforscht – und bald weltweit angewandt? Wissenschaftler aus Kliniken in ganz Deutschland haben fast acht Jahre lang gemeinsam zur Erforschung von Essstörungen zusammengearbeitet. Jetzt wurden ihre Ergebnisse im der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht – ein Beleg dafür, dass Deutschland in der Forschung international spitze ist.

Magersucht: Für viele junge Frauen oft ein Leiden ohne Ende.

 „Diese herausragenden Forschungsarbeiten werden dazu führen, dass Patienten besser versorgt und ihre Leiden gemildert werden können“, lobte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka die Arbeiten. Das Netzwerk EDNET - Eating Disorders Diagnostic and Treatment Network, das außer der Magersucht auch andere Krankheiten wie die Bulimie und die Binge-Essstörung untersucht hat, ist Teil der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten „Forschungsverbünde zur Psychotherapie“, die von 2006 bis 2014 mit insgesamt 30 Millionen Euro gefördert wurden.

Magersucht ist die dritthäufigste chronische Erkrankung bei Mädchen und jungen Frauen

Die Magersucht zählt zu den gefährlichsten und folgenschwersten psychischen Erkrankungen: Nahezu jeder fünfte erkrankte Mensch stirbt an den Folgen der Unterernährung. Magersucht ist, nach Asthma und Fettleibigkeit, die dritthäufigste chronische Erkrankung bei Mädchen und jungen Frauen. Neue Ansätze zur Behandlung von Essstörungen sind daher dringend erforderlich. Zwei vom BMBF geförderte klinische Studien zur Magersucht, die zu den weltweit größten Untersuchungen auf diesem Gebiet zählen, sind nun zu erfolgversprechenden Ergebnissen gekommen. Erstmals konnte wissenschaftlich belegt werden, dass bestimmte Behandlungen auch langfristig zu einer deutlichen Verbesserung der Gesundheit von magersüchtigen Mädchen und Frauen führen.

Die fokale psychodynamische Therapie ist ein noch junger Ansatz – mit erfolgversprechenden Ergebnissen!

Die Arbeitsgruppen um Professor Dr. Stephan Zipfel in Tübingen und Professor Dr. Wolfgang Herzog in Heidelberg haben hierzu drei Psychotherapieverfahren miteinander verglichen. Darunter befand sich auch die noch relativ junge fokale psychodynamische Therapie. Bei dieser Therapie steht die Verarbeitung von Emotionen im Mittelpunkt. Betroffene werden gezielt auf den Alltag nach dem Ende der Therapie vorbereitet. Die fokale psychodynamische Therapie lieferte insgesamt deutlich bessere Ergebnisse als die bisherige Standardbehandlung. Gleichzeitig entwickelten und erprobten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber auch völlig neue Therapiekonzepte. Das Studienteam um Professorin Dr. Sabine Herpertz-Dahlmann aus Aachen hat Alternativen zur heute üblichen klinischen Behandlung der Betroffenen untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass von Magersucht betroffene Personen nicht mehr notwendigerweise vollstationär behandelt werden müssen. Ein modifizierter Ansatz, bei dem die Betroffenen nur tagsüber in der Klinik sind und am Behandlungsprogramm teilnehmen, erzielt gleichwertige Effekte. Dies ist insgesamt deutlich weniger belastend für die Betroffenen und gleichzeitig kostengünstiger. Die neuen Therapien stehen nach der Veröffentlichung im Lancet jetzt Medizinerinnen und Medizinern weltweit zur Verfügung. Ein Beleg, dass Deutschland international in der Forschung eine Spitzenposition einnimmt.

Foto: Laurent Hamels - Fotolia.com

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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