Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.04.2014

Der Neandertaler steckt in unserem Fettstoffwechsel

Schon seit längerem ist bekannt, dass das menschliche Genom Erbgut-Fragmente von Neandertalern enthält. Jetzt haben Forscher einen neuen Fund gemacht: In menschlichen Genen, die am Fettstoffwechsel beteiligt sind, stecken besonders viel Überbleibsel vom Neandertaler. Allerdings nur bei Europäern.
Der Neandertaler steckt in unserem Fettstoffwechsel

DNA-Sequenzen von Neandertalern beeinflussen offenbar den Fettstoffwechsel von Europäern

Wie viel Neandertaler steckt in uns? Dieser Frage sind Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und vom CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology in Shanghai nachgegangen. In Ihren Untersuchungen haben die Wissenschaftler die Verteilung der Neandertalervarianten im Erbgut von elf heute lebenden menschlichen Populationen afrikanischer, asiatischer und europäischer Herkunft analysiert. Dabei fanden sie heraus: Gene, die an der Fettsynthese beteiligt sind, enthalten bei heute lebenden Menschen europäischer Abstammung besonders viele Neandertaler-Variante, aber nicht bei Asiaten und Afrikanern.

Asiaten und Afrikaner haben deutlich weniger Neandertaler-Varianten als Europäer

Warum ausgerechnet Gene von Europäern mehr Erbgut-Fragmente vom Neandertaler enthalten als Gene von Asiaten oder Afrikanern, darüber können auch die Forscher nur spekulieren. „Diese DNA-Sequenzen zeigen Zeichen von positiver Selektion“, sagt Philipp Khaitovich vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und vom CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology in Shanghai. „Möglicherweise haben sie modernen Menschen, deren Erbgut die Neandertalerversion enthielt, einen selektiven Vorteil verschafft.“

Bei der Analyse, wie die Neandertaler-Varianten beim modernen Menschen den Fettstoffwechsel beeinflussen, machten die Wissenschaftler einen weiteren erstaunlichen Fund: Im Laufe der Evolution ist es zu Veränderungen hinsichtlich der Fettkonzentration und der Expression von Stoffwechselenzymen im Gehirn von Menschen europäischer Abstammung gekommen. Demnach könnten also das Erbgut von Neandertalern die Gehirne der Europäer verändert haben.

 

Das Erbgut der Neandertaler könnte Gehirne der Europäer verändert haben

„Wir wissen nicht, wie sich diese veränderte Fettkonzentration auf das Gehirn auswirkt. Aber schon die Tatsache, dass Neandertalergene den Aufbau unseres Gehirns verändert haben könnten, ist äußerst interessant“, sagt Philipp Khaitovich. Ob diese Veränderungen auch funktionale Auswirkungen haben, konnten die Max-Planck-Forscher in ihrer Untersuchung nicht klären. Hierfür seien weitere, aufwändige Studien, meinten die Forscher. Die Originalpublikation dazu ist soeben in dem Fachmagazin Nature Communications erschienen.

Foto: © Elenarts - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Genom , Stoffwechsel , Gehirn
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gene

15.04.2015

Dass Intervall-Fasten vor Typ-2-Diabetes schützen kann, ist schon länger bekannt – die Gründe dafür allerdings nicht. Nun haben Forscher herausgefunden, dass Intervall-Fasten die Menge schädlicher Leberfette reduziert, die eine Insulinresistenz begünstigen.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Krebs: Eine halbe Million Menschen werden in Deutschland jedes Jahr mit dieser Diagnose konfrontiert. Die Deutsche Krebshilfe, die Betroffenen und ihren Familien seit 1974 hilft, verdankt ihren Erfolg auch den Prominenten, die ihren Glanz für die gemeinnützige Organisation in die Waagschale werfen. Gründerin war Mildred Scheel, populäre First Lady der Bundesrepublik und Ärztin. Neue Präsidentin ist Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Um Schmerzen zu bekämpfen oder vorzubeugen und ihre Leistung zu steigern, greifen immer mehr Sportler zu Schmerzmitteln. Vor allem der „prophylaktische“ Gebrauch ist dabei gefährlich, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin