. Zwillingsstudie

Der Appetit liegt in den Genen

Eine kürzlich in JAMA Pediatrics veröffentlichte Studie zeigt: Der Appetit eines Säuglings hängt deutlich von den Genen ab – und hat Auswirkungen bis ins Grundschulalter.

Wer hat den größeren Appetit? Das liegt an den Genen!

Die Ergebnisse aus zwei Zwillingsstudien belegen, dass das Trinkverhalten und die Sättigung von Säuglingen nicht nur von den „Bemühungen“ der Eltern abhängen – wie dies gerne angenommen wird, sondern deutlich von den Genen abhängen: 

Zweieiige Zwillinge trinken, wenn die gestillt werden, ja die gleiche Muttermilch, und sie sind in den ersten Lebensmonaten sicherlich auch denselben Umweltfaktoren ausgesetzt. Sie haben aber – da zweieiig – teilweise unterschiedliche Gene. Dies macht die zweieiigen Zwillinge so interessant für die Wissenschaft. Für die ist aufgrund der steigenden Zahlen von adipösen Kindern eine der brennendsten Fragen: Werden Appetit und Sättigung eher durch die Gene – oder doch durch die Umwelt beeinflusst?

Zwillinge reagieren unterschiedlich auf die gleiche Muttermilch 

So hat ein Forscher-Team um Jane Wardle vom University College London die so genannte Gemini-Kohorte befragt. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Zwillingen des Jahrgangs 2007. Ihre Mütter hatten regelmäßig Fragebogen zur Ernährung ihrer Babies ausgefüllt. Bei der Auswertung der Fragebögen war den Forschern aufgefallen, dass die Zwillingen ganz unterschiedlich tranken – obwohl sie von ein und derselben Mutter gefüttert – also auch mit der gleichen Muttermilch gestillt wurden. Das Ergebnis: Von 800 Zwillingspaaren gleichen Geschlechts wiesen 172 Paare ein doch sehr unterschiedliches Trinkverhalten auf. Bei 121 Paaren konnten die Forscher eine unterschiedlich schnelle Sättigung erkennen. Nicht ohne Folgen bei den Kleinen: Die Säuglinge, die mehr tranken und so auch mehr Kalorien zu sich nahmen, waren im Alter von sechs Monaten durchschnittlich 654 Gramm mehr als ihre Zwillingsgeschwister. Die langsamere Sättigung machte sich ebenfalls mit über 600 Gramm (637) auf der Waage bemerkbar. Und diese Unterschiede blieben auch nicht auf die Stillphase beschränkt, sondern sie nahmen im Laufe der Monate sogar noch zu.

Gesteigerter Appetit in der Stillphase – noch kein Grund zur Besorgnis

Sind ein gesteigerter Appetit und eine langsamere Sättigung in der Stillphase nun ein Grund zur Besorgnis für die Eltern? Nein, meint Wardle. Sie empfiehlt Eltern aber, zu beobachten, ob der „gute Appetit“ auch nach dem Stillen anhält und ob ein Kind eventuell verstärkt nach Essen fragt.  Dies könnte ein Hinweis auf späteres Übergewicht sein. 

Die Ergebnisse der Studie von Wardle werden übrigens durch eine zweite Zwillingsstudie untermauert: Diese wurde mit Zwillingskindern der Jahrgänge 1994 bis 1996 durchgeführt und kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Foto: katrinaela - fotolia.com 

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Ernährung

| Milch soll wegen ihres hohen Kalziumgehalts die Knochen stärken. Doch mehr und mehr Experten behaupten das Gegenteil. Inzwischen gibt es etliche Belege, dass Milch gar nicht so gesund ist, wie bislang angenommen.
| Eine britische Studie liefert Hinweise darauf, dass hochgradig verarbeitete Lebensmittel und Fertiggerichte das Krebsrisiko erhöhen können. Eine eindeutige Kausalität konnte durch die Analyse allerdings nicht bewiesen werden. Dazu sind noch weitere Forschungen notwendig.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Kann ein „übersäuerter“ Körper auf Dauer krank machen? Professor Dr. Andreas Pfeiffer vom Deutschen Zentrum für Ernährungsforschung erläutert, ob die Befürchtung wirklich zutrifft.
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.