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Depressionen: Therapien nicht wirksam genug

Depressionen sind mittlerweile ein Volksleiden. Doch die etablierten Therapien - Psychotherapie und/oder Antidepressiva - sind nicht wirksam genug. Das muss sich ändern, fordert ein Experte.
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Bei vielen Menschen, die an Depressionen leiden, wirken die gängigen Therapien nicht ausreichend

Depressionen sind mittlerweile ein Volksleiden. Im Jahr 2017 war diese psychische Erkrankung die dritthäufigste Einzeldiagnose. Die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen hat sich zwischen 2007 und 2017 verdoppelt.

Doch die etablierten Behandlungsmethoden - Psychotherapie und/oder Antidepressiva - schlägt bei der Hälfte der Patienten nicht richtig an. Das erläuterte Prof. Falk Leichsenring, Psychotherapieforscher an der Universitätsklinik Gießen, vor der Presse in Berlin. Anlass ist der Europäische Depressionstag am 1. Oktober.

Depressionen: Wirkungsgrad der Medikamente liegt bei 50 Prozent

Auf der Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin berichtete Leichsenring aus einer im Lancet veröffentlichten Meta-Studie, die mehr 100.000 Patienten umfasste und zu ernüchternden Ergebnissen kommt. Danach liegt die Wirkungsgrad der gegen Depressionen eingesetzten Medikamente bei 38 bis 53 Prozent.

Damit erzielen sie einen nur wenig höheren Effekt als Placebos, die in 24 bis 42 Prozent der Fälle eine Besserung erreichen. Dazu kommt: Ein Ansprechen (Response) auf die Medikamente bedeutet nicht etwa Heilung, sondern eine Halbierung der Symptomstärke.

 

Depressionen: Therapien nicht wirksam genug

Auch die Psychotherapie hilft nur in 50 Prozent der Fälle - die andere Hälfte der Betroffenen spricht nicht ausreichend darauf an. Das heißt: Bei 50 Prozent der Patienten mit Depressionen sind Psychotherapie und Medikamenten-Therapie nicht wirksam genug. Diese unbefriedigende Erfolgsrate stagniere seit Jahren, so der Dipl.-Psychologe und Psychoanalytiker. Ein Umdenken sei daher dringend erforderlich.

Da die Pharmafirmen die Forschung zu Antidepressiva weitgehend "eingestellt" hätten, wäre eine Verbesserung der Psychotherapie die wichtgere Option, meint Leichsenring. Zur Wirkung von kurzzeitigen Verhaltenstherapien etwa mit 12 bis 16 Sitzungen gebe es bereits zahlreiche Studien.

Depressionen: Zu wenig Erkenntnisse über Langzeittherapien

Doch für den Effekt von Langzeit-Therapien, die mit einem psychodynamischen Ansatz wie etwa der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie arbeiten, fehlten entsprechende Untersuchungen. Dabei wird etwa die Hälfte der Patienten in Deutschland damit behandelt. Speziell Menschen mit chronischen  Depressionen benötigen besonders viele Therapie-Sitzungen.

Auch zum Thema Therapieversager (Non-Responder) mangele es an validen Daten. Diese Patientengruppe erfährt gar keine Linderung ihrer Symptome. Was kann getan werden, um auch ihnen zu helfen, diese Frage will der Wissenschaftler beantwortet wissen.

Depressionen: Mehr Forschung um Behandlung zu verbessern

Leichsenring appellierte an öffentliche Geldgeber wie das Bundesforschungsministerium und die Deutsche Forschungsgemeinschaft auf, entsprechende Studien zu finanzieren, um so und mehr Evidenz zu schaffen und die Behandlung von Depressionen zu verbessern.

Einige wichtige Erkenntnisse liefert die bisherige Forschung: Die verschiedenen Medikamentenklassen für die Behandlung von Depressionen unterscheiden sich nicht in ihrer Wirksamkeit. Das gleiche gilt für die diversen psychotherapeutischen Verfahren. Die Psychotherapie wiederum erzielt bei den Patienten langfristigere Effekte als die Behandlung mit Antidepressiva.

Foto: paolese/fotolia.com

 

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