. Psychische Erkrankungen

Depressionen immer noch stigmatisiert

Patienten mit Depressionen leiden nicht nur unter den Symptomen ihrer Krankheit selbst, sondern auch unter der Stigmatisierung durch ihre Mitmenschen. Eine aktuelle Studie zeigt, welche Folgen das hat.
Depressionen immer noch stimatisiert

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Depression.

Eine Depression gehört zu den belastendsten Krankheiten, denen ein Mensch ausgesetzt sein kann. Das hat eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO ergeben. Doch nicht nur die Symptome selbst beinträchtigen das Leben der Betroffenen stark. Hinzu kommt die Angst vor Stigmatisierung und Diskriminierung durch andere. Nicht ohne Grund: Eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde, zeigt, dass mehr als zwei Drittel der Patienten bereits Diskriminierungen in irgendeiner Form erfahren hat. Mehr als ein Drittel berichtete, von anderen Menschen aufgrund ihrer Erkrankung gemieden zu werden.

Für die von der EU finanzierte ASPEN-Studie „Anti Stigma Programme: European Network“ wurden in 18 europäischen Ländern von Depressionen betroffene Patienten befragt. Zudem wurden die Daten aus dem INDIGO-Projekt, bei dem Patienten aus 35 außereuropäischen Ländern inerviewt wurden, hinzugezogen. Studienleiter Antonio Lasalvia von der Universität Verona und seine Kollegen ließen insgesamt 1082 Patienten befragen, um die Folgen von Stigmatisierung und Diskriminierung von Patienten mit psychischen Störungen zu erfassen.

Angst vor Stigmatisierung beeinträchtigt Berufs- und Privatleben

Die Ergebnisse der Studie zeigen, welche Folgen Stigmatisierung und Diskriminierung oder die Angst davor haben können. Denn oft hält die Angst vor Benachteiligung Patienten sogar davon ab, professionelle Hilfe zu suchen. Zudem gaben 37 Prozent an, durch die ständigen Zurücksetzungen sich davor zu scheuen, enge persönliche Beziehungen mit anderen Menschen einzugehen. Ein Viertel der Betroffenen erklärte, dass Stigmatisierung sie schon davon abgehalten habe, sich um einen Arbeitsplatz zu bewerben. Allerdings machen viele Patienten offenbar auch die Erfahrung, dass sich die Angst vor Zurücksetzung als unberechtigt erweist. So erklärten 47 Prozent der Befragten, sie hätten entgegen ihrer Befürchtungen einen Arbeitsplatz gefunden. Fast ebenso viele berichteten von unerwarteten positiven Erfahrungen in ihrem Privatleben.

Dennoch zieht eine erschreckend hohe Anzahl von Betroffenen, nämlich 71 Prozent, es vor, ihren Mitmenschen nichts von ihrer Erkrankung zu erzählen. Nach Ansicht der Studienautoren erhöht das zusätzlich die Hürde, die notwendige professionelle Hilfe anzunehmen. Es sei deshalb durchaus möglich, dass noch mehr Menschen von Depressionen betroffen seien als bisher angenommen.

Depressionen verschweigen führt zu Stress

Zudem setzt das Verschweigen die Patienten unter zusätzlichen Stress, der sich wiederum negativ auf die Erkrankung auswirke, so Lasalvia. Es ist daher wichtig, der Stigmatisierung und Diskriminierung von psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken. Viele Experten beklagen, dass dafür zu wenig getan werde, und fordern Medien, Politik und Arbeitgeber auf, sich stärker gegen Stigmatisierung einzusetzen. Allerdings sind sie auch der Meinung, dass sich in den letzten Jahren schon viel getan habe.

Foto: hikrcn/fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin

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