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Depressionen im Alter: Neues Versorgungsmodell soll helfen

Donnerstag, 29. November 2018 – Autor: anvo
Depressionen werden bei älteren Menschen noch öfter übersehen als bei jüngeren. Forscher wollen nun versuchen, mit einem neuen Projekt die Zahl der Pflegeheimbewohner, die an Depressionen leiden, zu senken.
Depressionen, Pflegeheim, Senioren

Viele Pflegeheimbewohner leiden an Depressionen – Foto: ©Photographee.eu - stock.adobe.com

Depressionen sind nach Demenzerkrankungen die zweithäufigste psychiatrische Erkrankung bei älteren Menschen. Doch Experten gehen davon aus, dass nur etwa 10 bis 20 Prozent der Depressionen bei Senioren überhaupt diagnostiziert werden und nur ein Bruchteil davon adäquat behandelt wird. Das hat verschiedene Gründe, zum einen den, dass Stimmungstiefs bei älteren Menschen oft als normale Alterserscheinung abgetan werden. Zudem ist nach wie vor die Auffassung verbreitet, dass Psychotherapie im Alter nichts mehr nütze – was inzwischen allerdings widerlegt ist.

Pflegeheimbewohner leiden überdurchschnittlich oft an Depressionen

Um Depressionen bei älteren Menschen, die im Pflegeheim leben, besser zu erkennen und zu therapieren, wurde das Forschungsprojekt DAVOS in Frankfurt am Main ins Leben gerufen. DAVOS steht für „Depression im Altenpflegeheim – Verbesserung der Behandlung durch ein gestuftes kollaboratives Versorgungsmodell“. Trägerin des vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für drei Jahre mit 1,4 Millionen Euro geförderten Projekts ist das Frankfurter Forum für Interdisziplinäre Alternsforschung. Beteiligt sind aber auch noch andere Kooperationspartner.

Bei der Auftaktveranstaltung von DAVOS erklärte Diplom-Psychologin Dr. Valentina Tesky, Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Altersmedizin mit Schwerpunkt Psychogeriatrie und klinische Gerontologie der Goethe-Universität: „Während sich die Zahl depressiver Senioren, die daheim leben, mit fünf bis zehn Prozent nicht wesentlich vom Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung unterscheidet, sind es bei den Pflegeheimbewohnern zwischen 25 und 45 Prozent.“ Von ihnen erhielten jedoch nur 40 Prozent eine ärztliche Diagnose.

 

Versorgungsdefizite beheben

Aber nicht nur bei der Diagnose bestehen Probleme, auch Versorgungsdefizite sind der Grund dafür, dass Alten- und Pflegeheimbewohner mit Depressionen wenig Angebote erhalten. Das betonte Professor Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität.

Für das neue Projekt werden Pflegekräfte im Umgang mit Depressionen geschult und fungieren dann als sogenannte „Depression Case Manager“ geben. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, eine Schnittstelle zwischen den Einrichtungen sowie zwischen Ärzten und Psychologen bilden. Zunächst sollen die Case Manager alle Probanden nach einem standardisierten Verfahren auf eine Depression testen. Dann werden Betroffene eine leitliniengerechte Therapie mit einem abgestuften Behandlungsplan erhalten.

Psychotherapie im Pflegeheim soll erleichtert werden

Wird sich das Modellprojekt als erfolgreich erweisen, soll dem G-BA empfohlen werden, die derzeit geltenden Bestimmungen dahingehend zu lockern, dass Psychotherapeuten ihre Gespräche in Zukunft ohne Einschränkungen auch in den Pflegeheimen führen dürfen. Die ersten Befragungen beginnen im Dezember 2018, das Projekt selbst soll im März 2019 starten. Mitte 2020 sollen dann die letzten Befragungen durchgeführt werden.

Es ist bekannt, dass bei Senioren Depressionen noch häufiger übersehen werden als bei jüngeren Menschen. Dabei führt die Erkrankungen bei ihnen besonders häufig zum Suizid: Rund 35 Prozent aller Selbsttötungen werden von Menschen über 65 Jahren verübt. Die Aufklärung, Prävention und Behandlung von Depressionen bei älteren Menschen sind daher von besonderer Wichtigkeit.  

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

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