. Antidepressiva

Depressionen: Bei bestimmten Patienten wirken SSRI nicht

Japanischen Forscher gelang es erstmals, anhand bestimmter Messwerte drei Sorten von Depressionen zu unterscheiden. Depressionen eines bestimmten Typs lassen sich nicht mit den am häufigsten verschriebenen Antidepressiva, den SSRI, behandeln.
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Depressionen: Bei bestimmten Patienten wirken die gängigen SSRI nicht

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit fast 300 Millionen Menschen an Depressionen, die Fallzahlen steigen. Japanische Forscher bestimmten jetzt erstmals drei verschiedene Formen von Depressionen. Eine dieser Formen spricht nicht auf die Behandlung mit den am häufigsten verschriebenen Antidepressiva, den SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), an.

Serotonin ist ein Neurotransmitter, der Stimmung, soziale Interaktionen, Schlafmuster und Gedächtnis beeinflusst. Es wird angenommen, dass SSRIs wirken, indem sie den Serotonin-Spiegel im Gehirn erhöhen. Diese Medikamente wirken jedoch nicht bei allen Patienten, bei manchen bessert sich die Depression nach der Einnahme nicht. Die Wissenschaftler der Okinawa Institute of Science und Technology Graduate University (OIST) und der Hiroshima University wollten wissen, ob es Merkmale gibt, an denen sich diese Patientengruppe vor Beginn der Behandlung erkennen lässt.

Aktivitäten in 78 verschiedenen Gehirnregionen gemessen

Für die Studie sammelten sie klinische, biologische und biografische Daten von 134 Probanden. Bei der einen Hälfte waren erstmals Depressionen diagnostiziert worden, die andere Hälfte litt nicht an Depressionen. Die Teilnehmer wurden zu ihren Schlafgewohnheiten, zu Stress und anderen psychischen Erkrankungen befragt. Außerdem untersuchten die Forscher die Gehirne der Teilnehmer mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRI) und erfassten dabei Aktivitätsmuster in 78 verschiedenen Gehirnregionen.

Dr. Tomoki Tokuda, Statistiker und Hauptautor der Studie, entwickelte ein Modell, mit dem es gelang, die große Menge an Daten - 3000 Messwerte pro Teilnehmer - zu bestimmten Datenclustern zusammenzufassen. Mit dieser Methode identifizierten sie fünf Datencluster, die aus messbaren Merkmalen bestanden und die für die psychische Gesundheit eines Individuums wesentlich sind, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

 

Depressions-Typ hängt von Hirn-Aktivitäten und Kindheits-Trauma ab

Es wurde festgestellt, dass drei dieser Datencluster drei verschiedene Subtypen der Depression darstellen. Die drei Subtypen wurden durch zwei Hauptfaktoren charakterisiert: bestimmte funktionale Verbindungen beziehungsweise Schaltmuster im Gehirn und Trauma-Erlebnisse im Kindesalter.

Die Forscher fanden heraus, dass bestimmte Schaltmuster des Gehirns in Regionen, die mit der Verarbeitung von Sprache und Zahlen, räumlicher Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und anderen Aspekten der Wahrnehmung verbunden ist - eine große Rolle dafür spielte, ob SSRIs bei der Behandlung wirksam waren oder ob die Patienten nicht auf diese Therapie ansprachen.

Depressionen: Bei bestimmten Patienten wirken SSRI nicht

Bei Patienten mit erhöhter funktioneller Konnektivität zwischen verschiedenen Regionen des Gehirns, die außerdem ein Kindheits-Trauma erlebt hatten, sprach die Depression nicht die auf die Behandlung mit SSRI an. Bei den Betroffenen wirkte diese Gruppe von Antidepressiva also nicht.

Die anderen beiden Subtypen - bei denen die Gehirne der Teilnehmer keine erhöhte Konnektivität zwischen verschiedenen Regionen aufwiesen und/oder bei denen die Teilnehmer keine Kindheits-Trauma erlebt hatten - reagierten dagegen tendenziell positiv auf Behandlungen mit SSRI.

Depression: Einteilung in Subtypen könnte Behandlung verbessern

Zusammengefasst zeichnet sich der Subtyp 1 aus durch eine hohe funktionelle Konnektivität des Gehirns und ein Kindheitstrauma in der Vorgeschichte aus. Subtyp 2 zeichnet sich aus durch eine hohe funktionelle Konnektivität des Gehirns ohne ein Kindheits-Trauma in der Vorgeschichte. Subtyp 3 zeichnet sich sowohl durch eine geringe funktionelle Konnektivität des Gehirns als auch durch das Fehlen von Kindheits-Traumata aus.

Die Forscher hoffen, dass diese Ergebnisse Psychiatern und Therapeuten helfen werden, Diagnosen zu verbessern und Patienten des Subtyp 1 effektiver zu behandeln. Die entsprechende Studie wurde im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlicht.

Foto: tanyajoy/fotolia.com

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