. Dpressionen

Depressionen: Altes Antidepressivum kann moderneren Wirkstoffgruppen überlegen sein

Depressionen: Ein altes Antidepressivum zeigte sich bei der Therapie einer mittelschweren Depressionen überlegen gegenüber einer Kombination aus zwei modernen Wirkstoffen.
antidpressiva, arzneimittel, tabletten, arztgespräch, verschreibung

Trizyklische Antidepressiva werden seltener verschrieben - zu Unrecht, wie Forscher meinen

Depressionen: Ein altes Antidepressivum wie Imipram kann neuen überlgen sein. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Bei dem Probanden war die Venlafaxin-Monotherapie zur Behandlung einer mindestens mittelschweren Depression gescheitert. Nun fragten sich die Forscher, ob eine Monotherapie mit dem alten Imipram oder eine Kombination von zwei neueren Antidepressiva (Venlafaxin-Mirtazapin) besser anschlägt. Imipramin gehört zu den alten trizyklischen Antidepressiva .

Die Studie bestand aus zwei Abschnitten: Während der ersten zehn Wochen wurden 407 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Depression mit Venlafaxin (225–300 mg/d, Zieldosis ab dem 8. Tag) behandelt. 118 Patienten zeigten nach zehn Wochen keine Remmision. Schließlich wurden von diesen 112 für den zweiten Abschnitt randomisiert.

Kombination Venlafaxin und Mirtazapin gegen Imipramin

Die Patienten, bei denen Venlafaxin nicht anschlug, wurden anschließend für weitere zehn Wochen in zwei Gruppen randomisiert. Eine Gruppe erhielt eine Kombinationstherapie aus Venlafaxin in gleicher Dosierung plus Mirtazapin 30 mg/d (Zieldosis ab dem 4. Tag), die zweite wurde auf Imipramin (spiegeladaptiert bis 300 ng/ml) umgestellt.

 

Depressionen: Altes Antidepressivum kann neuen überlgen sein

Ergebnis: Remission wurde von 71,4 Prozent der Patienten mit Imipramin und von 39,3 Prozent der Patienten mit Kombinationstherapie (Venlafaxin plus Mirtazapin) erreicht. Depressionen: Ein altes Antidepressivum kann neuen folglich überlegen sein. Die Symptom-Reduktion betrug 76,9 versus 50,7 Prozent Beide Behandlungen waren gut verträglich. Es traten zwei Behandlungsabbrüche in der Imipramingruppe aufgrund von Nebenwirkungen auf.

Schlussfolgerungen: Nach erfolgloser Venlafaxin-Monotherapie ist die Kombination von Venlafaxin und Mirtazapin in ausreichender antidepressiver Dosierung als Zweitschrittstrategie bei mindestens mittelschwerer Depression weniger wirksam als die Umstellung auf spiegeladaptiertes Imipramin.

Beide Therapieansätze gut untersucht

Die Studie erschien in dem Fachmagazin Info Neurologie & Psychiatrie. Es handele sich um die erste Studie, in der neue und alte Wirkstoffe derart miteinander verglichen wurden, schreiben die Autoren Erika Valle und Prof. Tom Bschor. Bschor ist Chefarzt der Psychiatrie in der Berliner Schlosspark-Klinik, Valle gehört dort zum Ärzteteam.

Jede Therapiestrategie für sich genommen sei in der Literatur gut untersucht. In einer Metaanalyse zeigte Amitriptylin als näherer Verwandter von Imipramin die beste Wirksamkeit unter allen 21 untersuchten Antidepressiva (Imipramin wurde leider nicht analysiert). Andererseits stellt die Kombination aus einem Wiederaufnahmehemmer (wie Venlafaxin) und einem α2-Rezeptorblocker (wie Mirtazapin) den einzigen Antidepressiva-Kombinationstyp dar, der einer systematischen Metaanalyse zufolge wirksamer ist als eine Monotherapie mit nur einem der beiden Kombinationspartner.

Wieder mehr TZA in klinischer Praxis erpoben

Die Anwendung trizyklischer Antidepressiva (TZA) hatte nach der Einführung moderner Präparate in den 1990er-Jahren abgenommen. Trotzdem werden diese weiterhin auch als Antidepressiva der ersten Wahl empfohlen. Obwohl die Patientenanzahl nicht sehr groß war und die Qualität suboptimal, stellt die aktuelle Studie einen weiteren Beweis für die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit eines TZA dar und soll daher ermuntern, damit in der klinischen Praxis wieder mehr Erfahrung zu sammeln, so das Fazit der Autorem.

Foto: joyfotoliakid/adobe.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antidepressiva
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antidepressiva

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Was bringt Yoga für die Gesundheit? Studien kommen bei dieser Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass Yoga insbesondere auf das Nervensystem, die Beweglichkeit und den Blutdruck positive Effekte haben kann.
Schenken macht Spaß – die meisten Menschen kennen das. Forscher konnten das sogar im MRT bestätigen und die hirnphysiologischen Grundlagen für den Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glücksgefühl zeigen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.