Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Depression und Suizidalität im Alter oft nicht erkannt

Bei Senioren werden Depressionen noch häufiger übersehen als bei jüngeren Menschen. Ein Online-Programm soll Pflegekräften helfen, Depressionen besser zu erkennen und mit betroffenen Patienten umzugehen.
Depressionen im Alter, Suizidrisiko im Alter, Depressionshilfe

Im Alter nimmt das Suizidrisiko zu

Rund 35 Prozent aller Suizide werden von Menschen über 65 Jahren verübt. Insgesamt werden in Deutschland jedes Jahr etwa 10.000 Suizide und 150.000 Suizidversuche begangen. In den allermeisten Fällen steht eine psychische Erkrankung dahinter, am häufigsten eine Depression, die nicht optimal behandelt wurde. Deshalb ist die Aufklärung über Depressionen und die Prävention von Suiziden so wichtig – auch und besonders für Senioren und deren Betreuer. Das teilt die Deutsche Depressionshilfe mit. Nach Auffassung der Stiftung kommt dabei den ambulanten Pflegekräften sowie den pflegenden Angehörigen große Bedeutung zu, da ein Großteil der 2,9 Mio. Pflegebedürftigen zu Hause versorgt wird und die Pflegekräfte oft der einzige regelmäßige Ansprechpartner für die Betroffenen sind.

Depressionen oft übersehen

„Bei Senioren wird die Depression noch häufiger als bei jüngeren Menschen übersehen“, erläutert Professor Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe das Problem. „Depressive Symptome wie Hoffnungs- und Freudlosigkeit, Schlafstörungen oder Erschöpfungsgefühl werden oft nicht als Ausdruck einer eigenständigen schweren Erkrankung gesehen, sondern als nachvollziehbare Folge auf die Bitternisse des Alters oder Ausdruck körperlicher Begleiterkrankungen fehlinterpretiert“, so der Experte. Zudem könne die Depression durch Sprech- und Denkhemmungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen Ähnlichkeiten mit einer Demenz aufweisen und somit mit dieser verwechselt werden.

Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Angehörige und Pflegekräfte bei dem Verdacht auf eine Depression Sorge tragen, dass der Erkrankte so schnell wie möglich ärztliche Hilfe erhält. Die Erkrankung ist auch im Alter mit Antidepressiva und Psychotherapie gut behandelbar. „Die Behandlung mit Antidepressiva ist allerdings etwas schwieriger, u.a. wegen der häufigen weiteren Medikamente, die die Patienten einnehmen und möglicher Medikamentenwechselwirkungen. Psychotherapie ist sinnvoll, wird aber älteren depressiv erkrankten Menschen nur äußerst selten angeboten“, so Hegerl.

 

Online-Training unterstützt Pflegekräfte

Um Pflegekräfte zu unterstützen, entwickelt die Depressionshilfe zurzeit ein E-Learning-Programm zum Thema „Altersdepression und Umgang mit Suizidalität“. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert und in Kooperation mit dem Deutschen Bündnis gegen Depression umgesetzt. 

Das etwa zweistündige Programm vermittelt Wissen, zeigt erste Handlungsmöglichkeiten auf und stellt in Videosequenzen den Umgang mit depressiv Erkrankten im Pflegealltag exemplarisch dar. Ziel ist es, durch die Schulung von Altenpflegekräften und pflegenden Angehörigen das Erkennen von Depression bei älteren Pflegebedürftigen zu erleichtern sowie Sicherheit im Umgang mit depressiv Erkrankten und Suizidalität zu fördern. Zudem werden Informationen zu Anlaufstellen vermittelt, bei denen betroffenen Senioren professionelle Hilfe finden.

Das E-Learning-Tool soll im Jahr 2019 in die erste Erprobungsphase gehen, dann noch einmal optimiert werden und danach kostenfrei für ambulante Pflegekräfte (auch mit Fortbildungszertifikat) sowie für pflegende Angehörige zur Verfügung gestellt werden. Wer Interesse hat, das Programm vorab im Pilotprojekt zu nutzen und Verbesserungsvorschläge einzubringen, kann sich an die Stiftung Deutsche Depressionshilfe wenden. An der Pilotstudie können ambulante Pflegedienste in ganz Deutschland teilnehmen.

Foto: © Kzenon - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demografischer Wandel , Alter , Langes Leben , Depression , Antidepressiva , Entstigmatisierung , Seelische Gesundheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema Depressionen im Alter

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.

 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin