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Depression: Anteil unspezifischer Diagnosen zu hoch

Die Diagnose „Depression“ reicht meist nicht aus, um die Erkrankung adäquat zu therapieren. Ihr Schweregrad und ihre Ursachen sind ebenfalls wichtig, um eine angemessene Behandlung zu finden. Laut Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ist jedoch der Anteil unspezifischer Depressionsdiagnosen immer noch viel zu hoch.
Depression, unspezifische Diagnosen

Wird eine Depression nicht spezifisch diagnostiziert, reduziert das die Erfolgschancen der Behandlung

Depression ist nicht gleich Depression. Sie unterscheiden sich in ihrer Schwere, ihrer Art und ihren Ursachen. So gibt es leichte, mittelschwere und schwere Depressionen, manische, postpartale und Erschöpfungsdepressionen, saisonale Depressionen, reaktive Depressionen und vieles mehr. Dennoch wird zwischen den verschiedenen Ausprägungen und Formen bei der Diagnose häufig nicht unterschieden – was wiederum die richtige Behandlung erschwert. Das kritisiert die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in einer aktuellen Mitteilung.

Hausärzte stellen zu oft unspezifische Depressionsdiagnose

Depressionen wurden 2017 um 26 Prozent häufiger diagnostiziert als 2009, so die BPtK. Demnach erhielt im Jahr 2017 etwa jeder sechste gesetzlich Krankenversicherte mindestens eine Diagnose einer depressiven Erkrankung. Allerdings beträgt der Anteil der ungenauen („unspezifischen“) Diagnosen immer noch 42 Prozent und ist damit nach Auffassung der BPtK viel zu hoch.

Rund 60 Prozent der Depressionsdiagnosen werden von Hausärzten gestellt. Von ihnen stammen auch 70 Prozent der unspezifischen Diagnosen; bei fachspezifischen Ärzten und Psychotherapeuten liegt der Anteil nur bei sechs Prozent. Das sind die Ergebnisse der Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung.

Auffällig ist auch, dass Frauen immer noch doppelt so häufig eine Depressionsdiagnose erhalten wie Männer. Doch nahmen diese Diagnosen im untersuchten Zeitraum bei Männern (plus 40 Prozent) doppelt so schnell zu wie bei Frauen (plus 20 Prozent). Die Zunahme war insbesondere bei jungen Männern sowie in ländlichen Kreisen besonders ausgeprägt.

 

Wirksame Behandlung bei richtiger Diagnose meist möglich

Unspezifische Diagnosen sind Diagnosen, bei denen nicht zwischen den verschiedenen Depressionen unterschieden wird. Es wird beispielsweise nicht der Schweregrad der Depression kodiert, der notwendig ist, um die Indikation für eine leitliniengerechte Behandlung zu stellen. Depressionen können in den meisten Fällen wirksam behandelt werden, z. B. mit einer Psychotherapie oder mit Antidepressiva. Wie genau Depressionen bei Erwachsenen am besten behandelt werden sollen, ist beispielsweise in der „S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression“ aufgeführt.

Foto: © bramgino - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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