Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Den Schall im Ohr

Dienstag, 7. Oktober 2014 – Autor:
Sehr tieffrequenter Schall ist für das menschliche Ohr nicht zu hören. Trotzdem nimmt ihn das menschliche Innenohr wahr. Das konnten Neurobiologen aus München jetzt zeigen.
Den Schall im Ohr

Tieffrequenter Schall ist in Industrieländern nahezu überall. Das Innenohr reagiert, obwohl wir den Ton nicht hören

Bei allem, was unter 100 Herz liegt, wird es schwierig. Tieffrequenten Schall können wir zwar nicht hören, unser Innenohr aber offenbar schon. Wie Neurobiolgen der LMU München jetzt zeigen konnten, löst der tieffrequente Schall, wie er etwa von Windturbinen, Klimaanlagen oder Wärmepumpen verursacht wird, dort kleinste mechanische Reaktionen aus. Die Wahrnehmungsschwelle ist individuell verschieden. „Die Annahme, tiefe Töne würden vom Ohr nicht verarbeitet, weil sie nicht oder schwer hörbar sind, ist falsch. Das Ohr reagiert sehr wohl auch auf sehr tieffrequente Töne“, sagt Dr. Markus Drexel von der Ludwig Maximilian Universität München (LMU). Der Neurobiologie hatte mit Kollegen der LMU und dem Klinikum der Universität München in einem Laborexperiment gemessen, wie sich tieffrequente Töne auf das Innenohr auswirken.

Unerhörte Schwankungen im Innenohr

In dem Experiment bekamen 21 Probanden über Ohrstöpsel eineinhalb Minuten lang einen niederfrequenten Ton von 30 Hertz vorgespielt. Die Lautstärke des vorgespielten Tons entsprach 80 Dezibel und die Probanden hatten ein normales Gehör. Um die Effekte zu messen, nutzten die Forscher die sogenannten spontanen otoakustischen Emissionen des Innenohrs (SOAEs). Das sind sehr leise Töne, die das gesunde Innenohr laufend selbst produziert, auch wenn es gerade kein Geräusch wahrnimmt.

„Es hat Auswirkungen auf die spontanen otoakustischen Emissionen, wenn das Ohr tieffrequentem Schall ausgesetzt ist“, sagt Drexl. Sobald die Probanden den Ton von 30 Hertz vorgespielt bekamen, reagierten die SOAEs mit langsamen, gleichförmigen Schwankungen auf das Geräusch. Die Schwankungen hielten noch zwei Minuten lang an, nachdem der Ton schon wieder ausgeschaltet war. Drexl: „Die Zeit, die das Innenohr braucht, um sich von tieffrequenten Geräuschen zu erholen, ist länger als die Dauer, die es dem Ton selbst ausgesetzt ist.“ In weiteren Versuchen wollen die Münchner Neurobiologen nun der Frage nachgehen, ob das Nachschwanken möglicherweise auf eine Schädigung des Innenohrs hindeutet.

© Kara - Fotolia.com

 
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Cochlea-Implantat
 

Weitere Nachrichten zum Thema HNO

04.12.2015

Kinder und Jugendliche erleiden häufiger eine Mandelentzündung als Erwachsene. Bei wiederkehrenden Mandelentzündungen raten einige Ärzte, die Gaumenmandeln mit einer OP zu entfernen. Doch wann ist das sinnvoll?

26.11.2015

Im Winter ist Erkältungszeit. Da bleiben Halsschmerzen oft nicht aus. Sie sind unangenehm, verschwinden aber meist nach zwei bis drei Tagen wieder. Um die Symptome zu lindern, haben sich Hausmittel bewährt. Was man gegen Halsschmerzen tun kann.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten


Erreger der durch Zecken übertragenen Lyma-Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Zur Entdeckung trugen Mütter aus Lyme (Connecticut) bei - daher der Name –, deren Kinder gehäuft an Gelenksentzündungen litten.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin