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05.07.2020

Demenzzahlen steigen weniger stark als befürchtet

Die Präventionsmaßnahmen gegen Demenzerkrankungen scheinen erste Wirkungen zu zeigen. Neuen Berechnungen zufolge wird die Zahl der Betroffenen nicht so stark steigen wie bisher befürchtet.
Demenz

Etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit von Demenz betroffen

In Deutschland leben derzeit rund 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung – die meisten sind von Alzheimer betroffen. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Zahl bis zum Jahr 2050 auf drei Millionen oder mehr steigen könnte. Doch neue Berechnungen zeigen: Ganz so viele Betroffene werden es wohl doch nicht sein. Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) zufolge wird sich die Zahl der Demenzpatienten auf 2,4 bis 2,8 Millionen erhöhen.

Zahlen werden weiter steigen – aber nicht so stark

Mehrere Studien haben bereits Hinweise geliefert, dass die Zahl der Erkrankten in den westlichen Ländern nicht so stark steigen wird wie befürchtet. Dies scheint sich zunehmend zu bestätigen. Die Ursache für den lang­sameren Anstieg wird vor allem in verbesserten Lebensbedingungen gesehen: Bessere Bildung, gesündere Lebensweise sowie die frühzeitige Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – all das kann das Risiko von Demenzerkrankungen vermindern.

„Noch ist nicht ganz klar, ob der Trend anhält“, sagt Dr. Horst Bickel, Epidemiologe von der Technischen Universität München, der alle zwei Jahre für die DAlzG die wichtigsten Zahlen zu Demenzerkrankungen zusammenträgt. „Solange es keine wirksame Therapie gibt, werden die Zahlen trotz allem weiter steigen, weil die Bevölkerung insgesamt altert. Doch es gibt Hoffnung, dass ein größeres Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung günstige Auswirkungen auf die Entwicklung hat.“

 

Gesunde Lebensweise kann schützen

„Uns machen die neuen Zahlen Mut“, erklärt auch Monika Kaus, Vorsitzende der DAlzG. „Wir wissen inzwischen, wie wichtig körperliche und geistige Aktivität, der soziale Kontakt zu anderen Menschen, aber auch eine gesunde und ausgewogene Ernährung sind, um einer Demenz vorzubeugen. Dazu kommen die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und Herzrhythmusstörungen sowie der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.“

Auch wenn es keine Maßnahmen gebe, mit denen man ausschließen kann, jemals an irgendeiner Form der Demenz zu erkranken, sei Prävention sinnvoll und wichtig, so Kraus. Je mehr Menschen sich daher um eine gesunde Lebensweise bemühen, desto weniger stark werden die Demenzzahlen steigen.

Foto: Adobe Stock / bilderstoeckchen

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege , Medizin
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