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20.06.2018

Demenz: Warum die Symptome am Abend häufig zunehmen

Vom späten Nachmittag bis frühen Abend erleben etwa 20 Prozent der Patienten, die an einer Alzheimerdemenz leiden, eine Zunahme ihrer Symptome wie Aggressivität, Verwirrung, Angst oder Orientierungslosigkeit. Forscher haben nun die Ursachen für diesen Zusammenhang genauer untersucht.
Demenz, Sundowning, Sundown-Syndrom

Am Abend können sich die Symptome einer Demenz verschlimmern

Das sogenannte “Sundown-Syndrom” bezeichnet bei Demenzpatienten eine zunehmende Unruhe und Aggressivität ab dem späten Nachmittag. Bisher gab es nur Vermutungen dazu, wieso es zu dieser abendlichen Agitiertheit kommt. Nun haben Forscher vom Department of Drug Design and Pharmacology der Universität Kopenhagen einen Zusammenhang zwischen dem Teil des Gehirns, der die zirkadiane Uhr enthält, und einem anderen Teil, der die Aggression kontrolliert, identifiziert. Ihre Erkenntnisse haben sie im Magazin „Nature“ veröffentlicht.

Innere Uhr ist mit Aggressionszentrum verbunden

Der zirkadiane Rhythmus, auch zirkadiane Uhr oder innere Uhr genannt, befindet sich in dem Teil des Gehirns, der als suprachiasmatischer Kern bezeichnet wird. Einer der Bereiche des Gehirns, die aggressives Verhalten kontrollieren, ist der ventromediale Hypothalamus. Die Forscher um Clifford Saper haben nun bei Mäusen die Aktivität der Gehirnzellen in verschiedenen Bereichen und zu verschiedenen Uhrzeiten gemessen. Zudem haben sie Teile des Zellkreises im Gehirn von Mäusen abgeschaltet, um den Kreislauf abzubilden und die Zellen zu identifizieren, welche die verschiedenen Teile des Gehirns verbinden.

„Wir haben gezeigt, dass die zirkadiane Uhr bei Mäusen durch einen Zellkreislauf eng mit einem Aggressionszentrum im Gehirn der Maus verbunden ist“, erklärt Studienautor Timothy Lynagh. „Das menschliche Gehirn hat die gleichen Zellgruppen, die der Kreislauf durchläuft. Mit diesem Wissen sind wir nun in der Lage, diesen Schaltkreis pharmakologisch und zielgerichtet anzusteuern, die Menschen am Ende des Tages aggressiv machen.“

 

Hoffnung auf neue Therapieoption

Dazu haben die Forscher einen Rezeptor so verändert, dass er nicht mehr auf Veränderungen im Gehirn reagiert, aber sehr empfindlich für ein bestimmtes Medikament ist. „Das Werkzeug funktioniert wie ein Ein/Aus-Schalter“, so Lynagh. „Wenn man das Proteinwerkzeug in das Gehirn der Maus gibt, passiert unter normalen Umständen nichts. Aber wenn man dem Tier das Medikament gibt, werden die Zellen, die den Rezeptor tragen, abgeschaltet.“ Die Forscher hoffen, damit eine Methode gefunden haben, mit der das Sundown-Syndrom behandelt werden könnte. Zudem kann diese ihrer Meinung nach auf für andere Zwecke, zum Beispiel bei der Reduzierung von Ängsten, eingesetzt werden. Weitere Studien müssen die Ergebnisse jedoch noch bestätigen.

Foto: © bilderstoeckchen - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
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