. Versorgung

Demenz: Frühe Diagnose wichtig

Viele demenzerkrankte Menschen werden nicht fachgerecht diagnostiziert. Dabei ist eine möglichst frühe Diagnose wichtig, um alle therapeutischen Möglichkeiten auszuloten. Zudem können Symptome, die auf eine Demenzerkrankung hinweisen, ganz andere Ursachen haben, die festgestellt werden sollten.
Demenz, Alzheimer

Eine Demenzerkrankung lässt sich heute schon in einem sehr frühen Stadium feststellen

Mit Hilfe bestimmter Biomarker lässt sich die Entwicklung einer Demenz heute schon in sehr frühen Stadien erkennen. Das ist auch deshalb wichtig, da bei einer frühen Diagnose verschiedene Methoden eingesetzt werden können, um der Entstehung einer manifesten Demenz entgegenzuwirken. Allerdings geschieht dies noch zu selten, wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie und die Hirnliga in einer gemeinsamen Pressemitteilung betonen. Die überwiegende Anzahl demenzerkrankter Menschen wird demnach überhaupt nicht fachgerecht diagnostiziert.

Demenz frühzeitig diagnostizieren

Eine frühe Diagnose bei Demenz ist auch deshalb wichtig, weil viele Symptome, die auf eine Demenzerkrankung hinweisen, ganz andere Ursachen haben können. Das betont Prof. Michael Rapp, Präsident der Deutschen Alterspsychiater. „Vergesslichkeit, sogenannte kognitive Störungen, bedeuten nicht immer eine Demenzerkrankung“, so Rapp. „So hat jeder siebte mit Gedächtnisstörungen eine andere körperliche Erkrankung, die die Merkfähigkeit stört, wie z.B. eine nicht richtig behandelte Schilddrüsenerkrankung. Diesen Menschen kann oft innerhalb kurzer Zeit geholfen werden und damit der Pflegekasse viel Geld gespart werden.“

Wird doch eine Demenz diagnostiziert, stehen neben der medikamentösen Behandlung eine Reihe von leitliniengerechten nichtmedikamentösen Behandlungsmöglichkeiten wie Gedächtnistraining, körperliche Aktivität und Ergotherapie zur Verfügung. „Solche Maßnahmen der ambulanten neuropsychologischen, ergo- und sporttherapeutischen Behandlung können die Zeit bis zur Pflegebedürftigkeit um viele Monate verzögern und müssen dringend in ambulanter Behandlung und Rehabilitation angeboten werden“, erklärt Rapp.

 

Forschung weiter ausbauen

Um die Behandlungsmöglichkeiten zu erweitern, ist vor allem viel Forschung nötig. Doch die klinische Therapieforschung direkt am Patienten ist sehr aufwändig: Die Erkrankung verläuft über viele Jahre, und die meisten Patienten sind schon älter und auch noch anderweitig behandlungsbedürftig. Manchen Patienten, die an Therapiestudien teilnehmen möchten, fehlt eine enge Bezugsperson, die sie während einer 18-monatigen Studiendauer – so lange laufen diese Untersuchungen in der Regel – begleiten können. Experten fordern daher, die klinische Forschung personell und finanziell stärker auszubauen.

In Deutschland leben heute rund 1,7 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung nimmt die Zahl der Erkrankten weiter zu und wird bis zum Jahr 2050 Schätzungen zufolge auf drei Millionen steigen. Für die sozialen und medizinischen Systeme bedeutet dies eine besondere Herausforderung, wie Prof. Isabella Heuser, Vorsitzende der Hirnliga e.V., betont. „Vor diesem Hintergrund gilt es dringend, die Forschung zur Vorbeugung und Behandlung zu verstärken, denn es gibt bis heute noch kein Medikament zur Heilung der Alzheimerkrankheit und es sieht auch nicht so aus, als ob wir zeitnah damit rechnen können.“

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Demografischer Wandel
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demenz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Demenz

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die Herstellung von COVID-19-Impfstoffen läuft auf Hochtouren. Trotzdem sind die Einzeldosen 14 Tage nach Start der Kampagne noch knapp – und dies wird noch eine Weile so bleiben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt deshalb: Es wird verimpft, was da ist. Anders in Berlin: Hier will die Gesundheitssenatorin Impfwilligen die Freiheit einräumen, selbst zu wählen. Denn ein paar feine Unterschiede gibt es doch.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.