. Feinstaub

Debatte um Luftschadstoffe: Kinderpneumologen schalten sich ein

Lungenfachärzte kritisieren Kollegen, die Zweifel an den Gefahren durch Luftschadstoffe geäußert haben. Auch die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie e.V. unterstützt ausdrücklich die Grenzwert-Empfehlungen der WHO in der Feinstaub-Debatte.
Feinstaub, Dieselskandal, Luftschadstoffe, Lungenärzte

Einige Ärzte haben die gesundheitlichen Gefahren durch Luftschadstoffe bezweifelt - Kinderpneumologen wenden sich nun vehement gegen diese Kritik

Der Vorstand der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie e.V. (GPP) kritisiert die Haltung einiger Mediziner in der aktuellen Debatte um die Bewertung von Luftschadstoffen. „Wissenschaftliche Aussagen pauschal in Frage zu stellen, ohne hierfür Belege anzuführen, ist unseriös“, so die Pneumologen. Von dieser Form der öffentlichen Meinungsäußerung distanziere sich die GPP ausdrücklich. Eine Gruppe von Ärzten hatte kürzlich eine wissenschaftliche Begründung von Grenzwerten angezweifelt. Die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie vertritt nach eigenen Angaben über 900 kinderpneumologisch tätige Ärzte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Schädliche Auswirkungen von Luftschadstoffen nachgewiesen

Die Lungenfachärzte für Kinder und Jugendliche weisen auf zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten hin, die gesundheitsschädigende Auswirkungen von Luftschadstoffen dokumentierten. Der Vorstand der GPP unterstütze zudem die aktuellen Grenzwertempfehlungen der WHO, heißt es in der Mitteilung. Diese Grenzwerte seien von internationalen Expertenteams auf Basis der weltweit verfügbaren Literatur zu den Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die Gesundheit festgelegt worden.

Vor allem stark gefährdete Gruppen wie Kinder, schwangere Frauen, ältere Menschen oder Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen müssten durch die Grenzwerte geschützt werden, so die Pneumologen. „In der angesprochenen Stellungnahme wird die Schutzwürdigkeit dieser besonders gefährdeten Gruppen mit keinem Wort erwähnt. Damit wird das Prinzip der Schadensvermeidung als Kernelement ärztlicher Handlungsethik ignoriert“, so die GPP.

 

Kinderpneumologen kritisieren Kollegen

„Als Wissenschaftler stehen wir in der Pflicht, unsere Erkenntnisse zu hinterfragen, unsere Ergebnisse kritisch zu diskutieren und unsere Methoden des Erkenntnisgewinns kontinuierlich zu verbessern“, so Kinderpneumologen. „Wissenschaftlicher Diskurs und Selbstkritik sind Kernelemente einer freien und pluralistischen Wissenschaftskultur. In der angesprochenen Stellungnahme werden jedoch methodische Limitationen zum Anlass genommen, wissenschaftliche Aussagen pauschal in Frage zu stellen, ohne hierfür Belege anzuführen.“

Wer öffentlichen Zweifel an dem gesundheitsschädlichen Potential von Luftschadstoffen sät, ohne hierfür wissenschaftliche Arbeiten zu zitieren, verletze die Grundsätze ärztlich-wissenschaftlichen Handelns, erklären die Fachärzte und betonen weiter: „Von dieser Form der öffentlichen Meinungsäußerung distanziert sich der Vorstand der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie ausdrücklich.“

Foto: © WS-Design - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Feinstaub , Luftverschmutzung , Atemwegserkrankungen , Lungenerkrankungen , Kinder , Lungenkrebs , Prävention
 

Weitere Nachrichten zum Thema Feinstaub

| Deutschlandweit wird über die Bedeutung von Luftschadstoffen und den Sinn von Grenzwerten debattiert. Nun hat das Umweltbundesamt neue Zahlen zur Belastung mit Stickstoffdioxid und Feinstaub vorgelegt. Sie zeigen, in welchen Städten im Jahr 2018 die Luft am schlechtesten war.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Auch die dritte Staffel der ARD-Serie Charité zieht wieder Millionen Zuschauer in ihren Bann. In der fünften Folge, die am 26. Januar 2021 unter dem Titel „Sepsis“ ausgestrahlt wird, werden drei Fälle von Sepsis – landläufig auch als „Blutvergiftung“ bekannt – gezeigt. Wie realistisch die Darstellung ist und wie weit wir heute in der Sepsisdiagnose und -behandlung sind, erklärt der Vorsitzende der Sepsis-Stiftung Professor Konrad Reinhart.
Schweizer Wissenschaftler haben Abwehrzellen im Immunsystem identifiziert, die Tumorzellen erkennen und angreifen können. Anders als bisherige immunbiologische Therapien müssten T-Zellen vom Typ „MR1“ nicht mehr für jeden Patienten einzeln angepasst werden, sondern könnten wie reguläre Medikamente auf Vorrat produziert werden – für ganz verschiedene Formen von Krebs.
Astra Zeneca wird deutlich weniger COVID-19-Impfstoff an die EU liefern als zugesagt. Die EU fordert bis Ende der Woche Einsicht in alle Dokumente. Derweil ist der Impfstoff des britischen Pharmakonzerns unter Kritik geraten. Medienberichten zufolge soll er bei Menschen über 65 kaum wirksam sein.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.