. Psychische Erkrankungen

Das sind untrügliche Anzeichen für eine echte Depression

Depressionen sind weit verbreitet, werden aber oft nicht erkannt. Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie trugen eine Liste mit untrüglichen Anzeichen für diese psychische Erkrankung zusammen.
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Kognitive Beeinrächtigungen sind ein Kennzeichen einer echten Depression

Depressionen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. 15 Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens daran. Hierbei sind nicht die leichten depressiven Verstimmungen gemeint, die man als normale Gemütsreaktion auf ein emotional negativ belastendes Ereignis verstehen könnte, sondern diejenigen Depressionen, die so stark beeinträchtigen, dass man sie behandeln muss.

Doch oft werden Depressionen nicht erkannt, meinen Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Sie trugen eine Liste mit untrüglichen Anzeichen für diese psychische Erkrankung zusammen. Eine Depression kann  verschiedene Formen annehmen. Dabei sind die Übergänge fließend.

Traurige Verstimmung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme

Eine Depression kann schleichend beginnen oder aber auch ganz plötzlich auftreten, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die typischen Symptome sind traurige Verstimmung, Schlafstörungen, schlechte Konzentration, Müdigkeit, Reizbarkeit, Verlangsamung des Bewegungsablaufs, Appetitmangel und Gewichtsverlust sowie Hoffnungslosigkeit und die Unfähigkeit, sich an Ereignissen in der unmittelbaren Umgebung emotional zu beteiligen.

Oft bestehen Tagesschwankungen, typischerweise ist die Depression am Vormittag stärker ausgeprägt als am Nachmittag. Das Interesse an normalerweise positiv getönten Aktivitäten ist abgestorben, es fehlt fast immer an sexuellem Verlangen bis hin zur Unfähigkeit zur sexuellen Betätigung. In schweren Fällen ist die Hoffnungslosigkeit so ausgeprägt, dass der Lebenswille erlischt und Selbsttötungsgedanken auftreten, bis hin zur Planung und Durchführung von Selbsttötungsversuchen.

 

Das sind untrügliche Anzeichen für eine Depression

Bei der Depression sind neben den Hirnregionen, welche für die Gefühle und Emotionen verantwortlich sind, auch solche beeinträchtigt, die für Aufmerksamkeit und Konzentration, das Gedächtnis, das heißt, die Lern- und Merkfähigkeit, das geistige Tempo und die so genannten Exekutivfunktionen zuständig sind. Letztere betreffen Fähigkeiten wie Handlungen planen und durchführen, Multi-Tasking oder Kopfrechnen.

Es kommt häufig vor, dass selbst einfache Tätigkeiten wie Lesen oder Nachrichten hören, die sonst routinehaft erledigt werden, ausgesprochen schwer fallen oder gar unmöglich sind. In etwa der Hälfte der Fälle lassen sich diese teilweise gravierenden Defizite auch nach der akuten Erkrankungsepisode, das heißt nach Rückbildung der eigentlichen Kernsymptome der Depression (gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Schlafstörungen) hinaus, nachweisen.

Das Anhalten der Defizite erschwert nicht nur die psychotherapeutische Behandlung sondern spielt eine große Rolle für die andauernde Beeinträchtigung der sozialen und beruflichen Funktionsfähigkeit sowie der Lebensqualität.

Depressionen können von Wahnideen begleitet sein

Bei einer relativ kleinen Zahl von Patienten mit Depression entstehen unrealistische Gedanken, wie zum Beispiel der, die Depression sei die gerechte Strafe für Verfehlungen im früheren Leben. Solche Wahnideen sind mitunter religiös gefärbt und werden oft als Strafe Gottes erlebt. Oder der Erkrankte meint, schwer verschuldet zu sein, sich den Krankenhausaufenthalt gar nicht leisten zu können und die Familie ins Verderben zu stürzen.

In anderen Fällen stehen unrealistische Befürchtungen über die körperliche Verfassung im Vordergrund, hierbei spielen Annahmen eine große Rolle, wonach sich im Körper eine schwere, bislang noch unerkannte, Erkrankung ausbreiten würde, die noch nicht gefunden sei. Solche Patienten konsultieren oft viele Ärzte und unterziehen sich immer wieder relativ unangenehmen Diagnoseverfahren, zum Beispiel Magenspiegelungen, weil sie nicht glauben können, dass ihre depressionsbedingten Befürchtungen keine Grundlage haben.

Sonderform ist die manisch-depressive Krankheit

Eine weitere Sonderform der Depression, die etwa bei 1 Prozent der Bevölkerung auftritt, ist die manisch-depressive (bipolare) Krankheit. Hierbei können neben depressiven Episoden auch manische Episoden beobachtet werden. Hierbei ist die Stimmung anhaltend gehoben, sorglos heiter bis gereizt erregt. Der Patient ist in seiner Aktivität so gesteigert, dass sich dies sowohl im sozialen als auch im beruflichen Bereich niederschlägt.

Patienten mit einer gering ausgeprägten manischen Episode sind oft sehr effizient, leisten mehr als sonst, haben ein geringes Schlafbedürfnis, ohne das Gefühl zu haben, sich verausgaben zu müssen. Bei stark ausgeprägter Manie allerdings wird die berufliche Überaktivität dann oft zu einem wirtschaftlichen Problem, denn es fehlt an Selbstkritik und kommt zur Selbstüberschätzung. Der Betroffene gibt sehr viel Geld, für nicht angemessene Luxus-Anschaffungen aus.

Auch im sozialen Bereich kommt es zu Problemen, vor allem wegen Distanzlosigkeit und Kritikschwäche, zum Beispiel gegenüber Alkohol sowie der Neigung zu sexuellen Ausschweifungen. In einer später nachfolgenden depressiven Episode werden die Handlungsweisen während der Manie oft als schuldhaft und belastend empfunden.

Warum Frauen anfälliger für Depressionen sind

Eine Besonderheit macht Frauen anfälliger gegenüber depressiven Verstimmungen bis hin zur schweren wahnhaften Depression: Dies ist das erhöhte Risiko, zum Zeitpunkt der monatlichen Regelblutung zu erkranken, sowie bei anderen hormonellen Umstellungen wie der Geburt und der stark verminderten Produktion von Sexualhormonen bei Frauen Ende des vierten Lebensjahrzehnts.

Vor allem die starken Stimmungsschwankungen nach der Geburt, bei der eine massive Abnahme frauenspezifischer Hormone wie Östrogene und Progesteron zu verzeichnen ist, sind charakteristische Symptome im Wochenbett. Selten kommt es dabei sogar zur schweren wahnhaften Depression.

Depressionen kommen im mittleren Alter am häufigsten vor

Depressionen können zwar in jedem Lebensalter erstmals auftreten, jedoch kommt das Vollbild einer Depression im mittleren Lebensalter am häufigsten vor. Verlaufsuntersuchungen haben gezeigt, dass die Vorboten für Depressionen bereits im frühen Lebensalter zu erkennen sind, allerdings nicht als Depression, sondern als Angsterkrankungen. Wir wissen heute, dass junge Menschen mit Angsterkrankungen, zum Beispiel Panikattacken, ein erhöhtes Risiko haben, später an einer Depression zu erkranken.

Erst im hohen Alter ist das Risiko, erstmals an einer Depression zu erkranken, vermindert. Allerdings ist unklar, ob sich Depressionen im Alter nicht in Wirklichkeit hinter einigen Formen der im Alter gehäuft vorkommenden Demenzen verstecken.

Depression beeinträchtigt das Leben wie eine Behinderung

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) har gezeigt, dass Depressionen neben Herzkreislauferkrankungen die weltweit führende Ursache für die durch Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre sind. Diese Berechnung ist auf die gesamte Lebensspanne bezogen. Engt man die Altersspanne auf 15 bis 44 Jahre ein, wird der hohe Stellenwert dieser psychiatrischen Erkrankungen und hier der Depression besonders deutlich. Sie machen etwa ein Viertel aller durch Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre dieser Altersgruppe aus.

Antidepressiva gehören zu den meistverschriebenen Medikamenten überhaupt und nehmen einen Spitzenplatz bei den Arzneimittelkosten der gesamten Medizin ein. Noch gravierender ist die hohe Zahl der im Krankenhaus verbrachten Zeit und die Kosten für Arztbesuche und Psychotherapie. Der schwerwiegendste Faktor sind die enormen Ausfallzeiten durch krankheitsbedingte Abwesenheit und Frühberentung. Die Kosten hierfür sind eine große Belastung für Arbeitgeber, Krankenkassen und das Rentensystem.

Die Depression kann jeden treffen

Dabei kann die Depression jeden treffen. Sie ist keine Erkrankung der Armen, Unterprivilegierten, derer, die am Rande der Gesellschaft leben und in einer wirtschaftlicher Notsituation sind. Die Liste erfolgreicher Persönlichkeiten aus Kunst, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist lang.

Der Schluss, dass Depressionen heute häufiger auftreten, weil unser Leben so viel Stress mit sich bringt, ist aber nicht zulässig. Wäre die Depression eine Art Zivilisationskrankheit, dann müssten sich die Häufigkeiten der Depression in Industriestaaten von denen in Drittweltländern oder Schwellenländern unterscheiden.

Es gibt aber starke kulturelle Unterschiede in der Art und Weise, wie Patienten ihre Depression wahrnehmen und darüber berichten. Tatsächlich variieren die Häufigkeitszahlen weltweit zwischen 10 und 25 Prozent, aber nicht systematisch, sondern kreuz und quer von Land zu Land. Werden Erhebungen gemacht, die auf die ethnischen und kulturellen Besonderheiten einer Region eingehen, kommt immer das Gleiche heraus, nämlich eine Rate von 10 bis 12 Prozent.

An Selbstmord sterben 6 Prozent der Patienten

Etwa 16 Prozent aller Menschen mit Depression und 30 Prozent der Patienten mit manisch-depressiver Depression begehen einen Selbsttötungsversuch. An Selbsttötung sterben 6 Prozent aller Patienten mit Depression, bei bipolarer Depression ist die Zahl etwa doppelt so hoch.

Umso wichtiger sei es, Patienten mit schweren Depressionen immer wieder zu erklären, dass die momentane Verzweiflung und Hilflosigkeit als typisches Zeichen ihrer Erkrankung vorübergeht und damit auch der Wunsch verschwinden wird, der Krankheit durch Selbsttötung zu entfliehen, so die Max-Planck-Wissenschaftler. Der Patient wolle nicht das Leben an sich beenden, dieSelbsttötung geschieht vielmehr aus einem Impuls heraus, weil er die Depression nicht mehr aushalten kann. 

Foto: thodonal/fotolia.com

Autor: bab
 

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