Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Das macht Einsamkeit mit der Psyche

Sonntag, 7. Mai 2017 – Autor:
Rund zehn Prozent der Erwachsenen leiden an Einsamkeit. Das Phänomen ist nicht nur weiter verbreitet als bislang gedacht. Es erhöht auch das Risiko für seelische Erkrankungen und Selbstmordgedanken.
Besonders Frauen im mittleren Alter leiden unter Einsamkeit, jede zweite davon hat Depressionen

Besonders Frauen im mittleren Alter leiden unter Einsamkeit, jede zweite davon hat Depressionen – Foto: ©Photographee.eu - stock.adobe.com

Menschen sind soziale Wesen. Fühlen sie sich einsam, leidet auch die Psyche und das Risiko für Suizidgedanken nimmt zu. Das ist das zentrale Ergebnis der Gutenberg Gesundheitsstudie der Universität Mainz, in der Daten von rund 15.000 Erwachsenen zwischen 35 und 74 Jahren aus Mainz und Umgebung ausgewertet wurden. Zudem brachte die Studie zu Tage, dass Einsamkeit häufiger vorkommt, als bislang gedacht: Jeder zehnte Teilnehmer litt danach an Gefühlen der Einsamkeit.

Singles im besten Alter leiden häufiger an Einsamkeit als ältere Semester

„Wir wissen, dass der Anteil von Menschen ohne eine feste Partnerschaft in unserer Gesellschaft zunimmt. In unserer aktuellen Studie waren vor allem die Alleinlebenden in den jüngeren Altersgruppen für das Gefühl von Einsamkeit empfänglich“, berichtet Prof. Manfred E. Beutel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Tatsächlich waren in der Studie vor allem Menschen im mittleren Erwachsenenalter von Einsamkeit betroffen. Mit steigendem Lebensalter nahm das Phänomen dagegen ab. Damit stellt die Studie auch die bisher verbreitete Ansicht in Frage, dass ältere Menschen häufiger an Einsamkeit leiden.

„Erwartungsgemäß fühlten sich diejenigen besonders einsam, die allein leben, keinen Partner oder keine Kinder haben“, erzählt Beutel. Insgesamt waren Frauen stärker von Einsamkeit betroffen als Männer. Doch was macht das mit ihnen?

 

Jeder zweite Einsame leidet an Depressionen

Der Studie zufolge rauchten einsame Menschen mehr, gingen häufiger zum Arzt, nahmen mehr Psychopharmaka ein und befanden sich häufiger in stationärer Behandlung. Unter den Menschen, die extrem unter Einsamkeit litten, hatten mehr als 50 Prozent auch Depressionen und 40 Prozent litten unter allgemeinen Ängsten. Bei 42 Prozent kamen Suizidgedanken hinzu. Von den Menschen, die nicht einsam waren, berichteten dagegen nur sechs Prozent über Selbstmordgedanken.

„Selbst unter statistischer Berücksichtigung des sozioökonomischen Status der Befragten, ihrer Angst und ihrer Depression, war ihre Neigung an Suizid zu denken, immer noch um signifikante 30 Prozent erhöht“, erläutert Studienleiterin Dr. Ana Nanette Tibubos von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

Ihr Fazit: „Es gibt zunehmend Studien, die zeigen, dass Einsamkeit auch ein erhöhtes Risiko für körperliche Erkrankungen und Sterblichkeit darstellt. Dennoch wird Einsamkeit oft nicht ernst genommen – weder von den Betroffenen noch von ihrem sozialen Umfeld. Sie birgt unseren Daten zufolge aber ernste Risiken für die seelische Gesundheit, und sie betrifft einen erheblichen Teil der Bevölkerung.“

Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychische Krankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Psyche

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
 
Weitere Nachrichten
Die Immunantwort auf eine Covid-19-Impfung fällt bei jüngeren Menschen bekanntlich besser aus als bei älteren. Immunologen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein konnten jetzt zeigen, warum: Es liegt am höheren Anteil der naiven Immunzellen.


 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin