. Internationaler CFS-Tag am 12. Mai

Das Chronische Fatiguesyndrom ist keine Depression

Das Chronische Fatiguesyndrom wird oft mit Depression oder Burnout verwechselt. Dabei ist die Erkrankung laut WHO ein eigenständiges neurologisches Krankheitsbild. Patientenvertreter ringen um Anerkennung.
Das Chronische Fatiguesyndrom ist keine Depression

Erschöpft: Wer am Chronischen Fatiguesyndrom leidet kann seinen Alltag oft nicht mehr meistern.

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland rund 300.000 Menschen am Chronischen Fatiguesyndrom (CFS). Ärzte sprechen auch von Myalgischer Encephalomyelitis. Die Betroffenen leiden oft über Jahre und Jahrzehnte an körperlicher Schwäche und Kraftlosigkeit. Hinzukommen Symptome wie quälende Kopf- und Gelenkschmerzen oder kognitive Einschränkungen. Für den Großteil der Betroffenen, die meist in jungen Jahren zwischen 20 und 40 erkranken, bedeutet die Krankheit Chronisches Fatiguesyndrom oft das abrupte Ende ihres beruflichen und sozialen Lebens. Die meisten werden arbeitsunfähig, einige sogar pflegebedürftig. Die Lebensqualität von Patienten mit Chronischem Fatiguesyndrom sei oftmals schlechter als die von Krebskranken im fortgeschrittenen Stadium - stellten die norwegischen Onkologen und Forscher Olav Mella und Oystein Fluge vor einigen Jahren fest.

Chronisches Fatiguesyndrom betrifft das zentrale Nervensystem und das Immunsystem

Obwohl das Krankheitsbildes CFS/ME schon seit den 1980er Jahren in Deutschland bekannt ist und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als neurologische Erkrankung eingestuft wurde, wird es bis heute von vielen Ärzten und Behörden geleugnet oder auf oder auf eine Befindlichkeitsstörung reduziert, kritisiert der Bundesverband für das Chronische Erschöpfungssyndrom Fatigatio e.V. Dabei gebe es zahlreiche wissenschaftliche Belege, dass CFS eine schwere multifaktorielle Erkrankung sei. Sie gehe nachweislich mit pathologischen immunologischen, endokrinologischen und neurogenen Veränderungen und dauerhaften, nachhaltigen Schäden einher. „Trotz der eindeutigen wissenschaftlichen und medizinischen Fakten ist es ein Skandal, dass eine medizinische und soziale Versorgung unterbleibt“, schreibt der Fatigatio-Vorstand in einer Presseerklärung.

Bis heute ist das Chronische Fatiguesyndrom nicht behandelbar und wird oft erst nach langer Ärzteodyssee diagnostiziert. Dass Patienten in Deutschland meist jahrelang um Anerkennung bei Ärzten, Behörden und Sozialversicherungsträgern kämpfen müssen, kommt erschwerend hinzu. Sehr oft kennen Ärzte die Erkrankung nicht oder bezweifeln ihre Schwere. Nicole Krüger, Sprecherin des Bündnis ME/CFS, einem Zusammenschluss von Patienteninitiativen: „ME/CFS ist mit 300.000 Erkrankten keine seltene Krankheit. Wir brauchen dringend flächendeckend geschulte Ärzte, eine Versorgung insbesondere Schwerstkranker, intensive Forschung, vor allem aber ein Hinsehen der verantwortlichen Instanzen und der gesamten Gesellschaft".

 

Patienten haben oft eine jahrelange Ärzte-Odyssee hinter sich

Dass die Versorgung der Patienten hierzulande so schlecht ist, hängt nach Auffassung des Bündnis ME/CFS auch mit der häufigen Verwechslung mit psychischen Erkrankungen zusammen. „Mit Burnout und Depressionen hat diese Erkrankung genauso wenig gemeinsam wie das beispielsweise bei Multiple Sklerose oder Rheumatoider Athritis der Fall ist", stellt Nicole Krüger klar. Vielmehr sei ME/CFS eine neuroimmunologische Erkrankung mit oft messbaren Abweichungen im Immunsystem. „Die Krankheit beginnt häufig schlagartig und wird in der Regel chronisch, im Gegensatz zum meist gut therapierbaren Burnout. Daher greifen bei ME/CFS auch nicht die für Burnout empfohlenen Therapien.“

In Deutschland gibt es zurzeit nur eine immunologische Ambulanz, die sich auf das Krankheitsbild Chronisches Fatiguesyndrom spezialisiert hat und Forschung dazu betreibt. Es ist die Immundefektsprechstunde der Charité. Der Bundesverband Fatigio und das Bündnis ME/CFS halten das für zu wenig. "Wir brauchen dringend auch in Deutschland Forschungsbudgets, um Therapieoptionen für CFS-Patienten zu finden“, so die beiden Verbände.

Foto: DAK/Wigger

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