Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
08.03.2012

Darmkrebsvorsorge - Studie belegt Nutzen der Virtuellen Koloskopie

Die virtuelle Koloskopie gilt zwar als angenehmer als die konventionelle Darmspiegelung, aber als weniger genau. Niederländische Forscher haben jetzt gezeigt, dass sie letzten Endes dennoch genauso effektiv ist.
Nutzen der Virtuellen Koloskopie

Matthew Cole / fotolia.com

Die Wissenschaftler der Universitäten Amsterdam und Rotterdam luden fast 6000 Menschen zur Vorsorgeuntersuchung, davon einen Teil zur konventionellen, den anderen zur virtuellen Koloskopie. Von den zur konventionellen Methode Geladenen erschienen 22 Prozent zur Untersuchung, während 34 Prozent die Gelegenheit zur virtuellen Untersuchung nutzten, was eine um 55 Prozent höhere Quote darstellt. Als Ertrag der jeweiligen Screeningmethoden wurde die Zahl entdeckter fortgeschrittener Geschwülste betrachtet. Bezogen auf 100 Teilnehmer des Screenings lag der Ertrag der "normalen" Darmspiegelung bei 8,7, jener der virtuellen Methode bei 6,1. Damit wurde einmal mehr bestätigt, dass die konventionelle Koloskopie die genauere Methode ist.

Als Nutzen betrachteten die Wissenschaftler jedoch die Zahl der entdeckten Geschwülste im Verhältnis zur Zahl der Geladenen. Und da mehr Menschen die Einladung zur virtuellen Untersuchung angenommen hatten, verschwand so der Vorteil der realen Koloskopie. Die virtuelle Methode erwies sich im Effekt sogar als leicht überlegen mit einem Ertrag von 2,1 entdeckter Geschwülste pro 100 Einladungen im Vergleich zu 1,9 bei der konventionellen Untersuchung.

Bei der bisher üblichen Darmspiegelung wird ein etwa 1,2 Meter langer Schlauch mit einem Videochip in den Dickdarm eingeführt, wodurch die Darmwände von innen betrachtet werden können. Die virtuelle Koloskopie wird in der Regel mit einem Computertomographen (CT) durchgeführt und dann auch CT-Kolonographie genannt. Bei ihr wird ein dünner kurzer Schlauch in den Enddarm eingeführt, durch den Gas in den Dickdarm eingeblasen wird. So wird der Darm ausgedehnt, und die Darmwände werden für die folgende Untersuchung gut sichtbar. Der Patient wird nun für jeweils 10 bis 20 Sekunden einmal in Bauch- und dann in Rückenlage durch die CT-Röhre geschoben. Das eingeleitete Gas wird nach der Untersuchung schnell vom Körper aufgenommen und dann über die Lunge abgebaut.

Die virtuelle Untersuchungsmethode wird häufig als angenehmer wahrgenommen als die konventionelle. Schmerz-, Beruhigungs- oder Narkosemittel, wie sie häufig bei der "normalen" Darmspiegelung eingesetzt werden müssen, sind nicht nötig, und die Untersuchung ist schneller vorbei. Sowohl bei der konventionellen Koloskopie als auch bei der CT-Kolonographie darf am Vortag der Untersuchung keine feste Nahrung mehr gegessen und der Darm muss zusätzlich durch Abführmittel entleert werden.

Als Argument gegen die virtuelle Untersuchung wird neben der etwas geringeren Genauigkeit häufig die Tatsache angeführt, dass der Patient anschliessend doch noch zur konventionellen Koloskopie geschickt werden muss, wenn ein verdächtiger Befund entdeckt wird, denn nur beim konkreten Eingriff in den Körper können Geschwülste entfernt oder Gewebeproben entnommen werden. Bei der niederländischen Studie wurden allerdings nur neun Prozent wegen eines Befundes weiter zur Koloskopie geschickt, so dass der weitaus grösste Teil auf diese Untersuchung verzichten konnte.

Dennoch spricht auch einiges für die konventionelle Methode. Da ist zum einen das finanzielle Argument. Während eine reale Koloskopie rund 90 Euro kostet, sind bei der CT-Kolonographie etwa 400 Euro zu zahlen - und in Deutschland ist dies keine Kassenleistung. Auch empfindet durchaus nicht jeder die virtuelle Methode als angenehmer. Besonders das Einleiten von Gas in den Darm kann als störend wahrgenommen werden. Manche Patienten fürchten auch die Strahlen des Computertomographen, obwohl es sich hier um sogenannte low dose scans mit einer geringfügigen Strahlendosis handelt.

Die konventionelle Darmspiegelung wird also noch für einige Zeit der Standard in der Darmkrebsvorsorge bleiben. Für Patienten mit grosser Angst vor der normalen Darmspiegelung kann die virtuelle Methode jedoch eine sinnvolle Alternative sein, was nun durch die niederländische Studie bestätigt wurde. Eine Reihe von Kliniken und Praxen in Deutschland bieten sie als privat zu zahlende Leistung an.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darmkrebs , Darmspiegelung (Koloskopie) , Forschung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
 
Weitere Nachrichten

Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin