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21.11.2016

Darmflora kann Wirkung von Chemotherapie beeinflussen

Studien konnten zeigen, dass die Wirkung von Zytostatika auch durch Darmbakterien beeinflusst wird. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass die Darmbakterien Enterococcus hirae und Barnesiella intestinihominis die krebshemmende Immunantwort bei einer Chemotherapie verbessern.
Darmflora wichtig bei Krebsbekämpfung

Die Darmflora beeinflusst unsere Gesundheit auf verschiedene Weise

Darmbakterien spielen bei der Krebstherapie eine wichtige Rolle. Bereits im Jahr 2013 konnte eine Studie US-amerikanischer Forscher zeigen, dass eine Störung der Darmflora – beispielsweise durch eine Antibiotikabehandlung – die tumorhemmende Wirkung einer Chemotherapie abschwächen kann. Nun haben französische Forscher nachgewiesen, dass umgekehrt die Darmbakterien Enterococcus hirae und Barnesiella intestinihominis die krebshemmende therapeutische Wirkung des Chemotherapeutikums Cyclophosphamid verstärken können.

Immunantwort als Verstärkung der Krebstherapie

Zu den Nebenwirkungen einer Chemotherapie gehört eine größere Durchlässigkeit der Darmbarriere. In der Folge können Darmbakterien ins Blut gelangen, was durchaus einen positiven Effekt haben kann. Denn Forscher haben festgestellt, dass die Darmbakterien dadurch auch zur Bekämpfung der Tumorzellen beitragen können. Die Behandlung durch eine Chemotherapie hat damit eine zweifache Wirkung: zum einen durch das Medikament selbst und zum anderen durch die körpereigene Immunantwort, die durch das Zytostatikum ausgelöst wird.

Forscher des französischen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (Inserm), des Krebsforschungsinstituts Gustave Roussy, des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS), des Instituts Pasteur Lille und der Universitäten Paris Sud und Lille haben die Zusammenhänge nun genauer erforscht. Dabei konnten sie zeigen, dass die orale Gabe der Darmbakterien Enterococcus hirae und Barnesiella intestinihominis die krebshemmende Wirkung von Cyclophosphamid verbessern kann. Diese Ergebnisse könnten dazu führen, den Einsatz von Antibiotika im Rahmen einer Krebstherapie genauer abzustimmen sowie über den Einsatz bestimmter „onko-mikrobiotischer“ Bakterien nachzudenken, mit denen die krebshemmende Wirkung von Chemotherapien verstärkt werden kann.  

 

Darmbakterien im Fokus der Forschung

Bisher wurden die Ergebnisse nur an präklinischen Modellen nachgewiesen und konnten noch nicht durch Versuche am Menschen bestätigt werden. Inwieweit die Resultate also auf den Menschen übertragbar sind, bleibt noch abzuwarten. Doch immer mehr Studien bestätigen die vielfältige Bedeutung von Darmbakterien für unsere Gesundheit, insbesondere für das Immunsystem. Forscher arbeiten daher unter Hochdruck daran, die genaueren Zusammenhänge zu erforschen und festzustellen, welche Bakterien welche Wirkung haben.  

Foto: © Alex - Fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin
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