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Darmbakterien als Helfer in der Krebstherapie?

Möglicherweise spielen Darmbakterien in der Krebstherapie eine wichtige Rolle. Darauf deuten zumindest zwei aktuelle Studien hin. Sollte sich dies bestätigen, könnte eine standardmäßige Behandlung mit Probiotika sinnvoll sein.
Darmbakterien in der Krebstherapie

Darmbakterien könnten in der Krebstherapie helfen (Bild: Tumorzelle)

Immer mehr Studien weisen auf die Bedeutung von Darmbakterien für unsere Gesundheit hin. So können die richtigen Darmbakterien, wie beispielsweise Laktobazillen, die Darmflora regulieren, vor Durchfallerkrankungen schützen, aber auch allgemein das Immunsystem unterstützen, was sich bei verschiedenen Krankheiten als sinnvoll erwiesen hat. Nun konnten Forscher im Tierexperiment zeigen, dass Darmbakterien möglicherweise sogar als Helfer in der Krebstherapie eine wichtige Rolle spielen.

Das Wissenschaftlerteam um Giorgio Trinchieri und Romina Goldszmid vom Labor des US-National Cancer Institute in Frederick, Maryland, konnten unter anderem nachweisen, dass eine Störung der Darmflora zum Misslingen einer Immuntherapie beitragen kann. So war die Therapie erfolglos, wenn der Darm der behandelten Tiere keine Bakterien aufwies. Ähnliche Folgen hatte eine Antibiotikatherapie, denn auch sie führte dazu, dass trotz Immuntherapie keine Tumornekrosefaktoren oder andere Zytokine gebildet wurden.

Krebstherapie ohne Darmbakterien wirkungslos?

Weitere Untersuchungen der Forscher zeigten, dass auch die Wirkung von Zytostatika von den Darmbakterien beeinflusst wird. Eine Chemotherapie mit Oxaliplatin blieb wirkungslos, wenn der Darm der Tiere zuvor mit Antibiotika behandelt worden war und in der Folge keine Bakterien mehr aufwies. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Medikament seine Wirkung teilweise den Bakterien verdankt.

Ob diese Resultate, die bisher nur im Tierexperiment erzielt wurden, auf den Menschen übertragbar sind, ist noch ungewiss. Experten halten dies jedoch für denkbar, denn auch andere Studien haben darauf hingewiesen, dass Antibiotika, die viele Krebspatienten zum Schutz vor Infektionen erhalten, die Wirkung von Chemotherapien beeinträchtigen könnten. Sollte sich die These erhärten, könnte eine gezielte Behandlung von Krebspatienten mit probiotischen Bakterien sinnvoll sein. Allerdings müsste dies erst durch klinische Studien bestätigt werden.

Darmbakterien wichtig für die Immunabwehr

Die Darmflora, zu der zehnmal mehr Bakterien gehören als der Mensch überhaupt Zellen hat, gilt als wichtiger Bestandteil der Immunabwehr. Durch die ständige Auseinandersetzung mit den Bakterien erwirbt das Immunsystem Fähigkeiten, die im Kampf gegen Krankheitserreger wichtig sind. Wie die Zusammenhänge jedoch genau sind und welche Darmbakterien welche Wirkung haben, ist zum großen Teil noch unerforscht.

Foto: © vitanovski, Fotolia.com

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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