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Darf man mit Bluthochdruck in die Sauna gehen?

Freitag, 24. März 2017 – Autor:
Mit Bluthochdruck soll man nicht in die Sauna gehen - das glauben viele Menschen. Doch das stimmt nicht grundsätzlich. Die Deutsche Hochdruckliga hat nun Betroffenen Ratschläge gegeben, was sie beim Saunagang beachten sollten.

Regelmäßiges Saunieren kann den Blutdruck regulieren – Foto: Kzenon - Fotolia

Regelmäßige Saunagänge sollen eigentlich für die Gesundheit förderlich sein, das Immunsystem stärken, Erkältungen vorbeugen und ganz allgemein das Wohlbefinden unterstützen. Doch Saunieren ist auch eine Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Die Haut- und Körpertemperaturen können bis auf 40 Grad Celsius ansteigen, es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, und die Herzfrequenz steigt. Doch was bedeutet das für Menschen, die unter Bluthochdruck leiden? Dürfen sie überhaupt in die Sauna gehen und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Professor Reinhard Ketelhut, Sportwissenschaftler und Sportmediziner am Medical Center Berlin, hat nun Betroffenen in einer Mitteilung der Deutschen Hochdruckliga Ratschläge gegeben.

Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen machen sich beim Thema Sauna vor allem deshalb Sorgen, weil es durch die anhaltende Hitzeeinwirkung zu einer Erweiterung der Gefäße kommt, was dann – so die Befürchtung – zu einer plötzlichen Blutdrucksenkung und sogar einem Kreislaufkollaps führen könnte. Doch wie Ketelhut betont, muss man hier die akute von der Langzeitwirkung des Saunierens unterscheiden. Zwar nehme der obere, systolische Blutwert mit zunehmender Aufenthaltsdauer in der Sauna zu, doch der untere, diastolische Wert steige nur zu Beginn an und bleibe dann konstant erhöht. Es komme also nicht zu einem Abfall des diastolischen Wertes. „Die Blutdrucksenkung tritt erst in der Ruhephase ein“, so der Experte. Dann halte sie allerdings noch lange an.

Bluthochdruckpatienten sollten einige Regeln beachten

Wer einen gut eingestellten Bluthochdruck habe, müsse also nicht auf das Saunavergnügen verzichten, so Ketelhut. Doch wer sich schon länger nicht mehr körperlich betätigt hat oder Vorerkrankungen aufweist, sollte vor dem ersten Saunabesuch seinen Arzt hinzuziehen. Dieser solle ein Belastungs-EKG durchführen, um einen Sauerstoffmangel am Herzen auszuschließen. „Ein Kriterium hierfür ist eine beschwerdefreie Belastbarkeit von mindestens 1 Watt/kg Körpergewicht“, erklärt Ketelhut. Zudem sollte der Blutdruck bei einer Belastung von 100 Watt einen Wert von 200/100 mmHg nicht überschreiten. Bei schlecht eingestelltem Bluthochdruck oder wiederholten Blutdruckkrisen, akuter Herzschwäche, Brustschmerzen mit sich ändernder Symptomatik (instabiler Angina Pectoris) und weiteren Herzerkrankungen, bei denen starke Belastungen vermieden werden sollten, sind Saunagänge nach Angaben des Experten nicht empfehlenswert.

Aber auch bei gut eingestelltem Bluthochdruck sollten einige Dinge beachtet werden. Einsteiger sollten langsam beginnen und sich allmählich steigern. Für den Anfang sind anstelle der sehr heißen, aber trockenen finnischen Saune eher Bio- oder Dampfsaunen mit 45 und 60 Grad Celsius bei höherer Luftfeuchtigkeit ratsam. Auch die Verweildauer sollte zu Beginn nur etwa drei bis fünf Minuten betragen und bei guter Verträglichkeit langsam gesteigert werden. Auf eine radikale Abkühlung nach dem Saunagang im Eisbecken oder der kalten Dusche sollten Patienten mit Bluthochdruck verzichten. „Dies könnte eine Engstellung der Gefäße und dadurch einen stärkeren Blutdruckanstieg verursachen“, erklärt Professor Ketelhut. Ratsam sei ein langsames, kontrolliertes und stressfreies Abkühlen an der Luft oder durch lauwarmes Wasser sowie eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten nach jedem Saunagang.

 

Saunieren kann Blutdruck auf Dauer senken

Studien haben gezeigt, dass bei regelmäßigem Saunieren eine dauerhaft günstige Wirkung auf die Blutdruckregulation zu erwarten ist, die nicht allein durch den Flüssigkeitsverlust zu erklären ist. So konnte gezeigt werden, dass der Blutdruck bei Hypertonikern bei zweimal wöchentlichem Saunabesuch nach drei Monaten von durchschnittlich 166/101 mmHg auf 143/92 mmHg gesenkt wurde. Bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen konnte eine vergleichbare Blutdrucksenkung von 162/110 mmHg auf 139/92 mmHg erzielt werden, was sogar noch nach drei Jahren nachweisbar war. Als wesentlicher Faktor für die Blutdrucksenkung durch das Saunieren wird eine funktionelle Verbesserung des Endothels, der Innenschicht der arteriellen Gefäße, angenommen, wie sie auch regelmäßiges Ausdauertraining mit sich bringt. Aber auch die Regulation der Stresshormone kann durch regelmäßige Saunagänge günstig beeinflusst werden.

Foto: © Kzenon - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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