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31.03.2019, aktualisiert: 04.09.2020

Daran erkennt man ein Lipödem

Lipödem? Lymphödem? Oder einfach nur dicke Beine? Manchmal ist die Unterscheidung nicht ganz einfach, denn es gibt auch Mischformen. Eine Expertin erklärt, woran man ein Lipödem erkennt und wie sich das Leiden behandeln lässt.
Ein Lipödem ist schmerzhaft und tritt immer symmetrisch auf

Ein Lipödem ist schmerzhaft und tritt immer beidseitig auf. Ein Lymphödem ist dagegen meist einseitig

 Lipödeme sind ein vorwiegend weibliches Problem. Dabei handelt es sich um eine vererbte Fettverteilungsstörung an Ober- und Unterschenkeln sowie im Hüftbereich und oft auch an den Armen. Gesicht und Oberkörper bleiben in der Regel schlank

Viele Betroffene haben einen langen Leidensweg hinter sich, bevor endlich die richtige Diagnose gestellt wird.

Leitsymptom sind dicke Hüften und Oberschenkel

Da dicke Beine auch andere Ursachen haben können und Mischformen möglich sind – etwa Adipositas plus Lymphödem plus Lipödem, müssen Ärzte eine Differenzialdiagnose stellen. Apparate helfen hierbei weniger weiter als eine ausführliche klinische Untersuchung. Zunächst wird der Arzt eine umfassende Anamnese erheben, die unter anderem Auftrittszeitpunkt , Gewichts- und Familienanamnese und subjektive Beschwerden einschließt . Dann folgt die Begutachtung der Beine. „Ein Lipödem tritt immer symmetrisch auf, ein asymmetrisches Auftreten spricht für ein Lymphödem“, berichtet Dr. Gabriele Farber vom Zentrum für Gefäßmedizin in Hamburg in einem Interview mit dem lifeMagazin Bauerfeind. Seien beide Beine dick, aber ein Bein „führend“ spreche das eher für ein Lymphödem als für ein Lipödem.

 

Lymhödeme äußern sich anders

Ärzte werden deshalb den Umfang beider Beine messen. Tastuntersuchungen helfen herauszufinden, ob die Haut noch weich oder fibrosiert ist. „Beim Lipödem lässt sich über dem zweiten Zehenrücken eine Hautfalte abheben, beim Lymphödem sind Haut und Unterhaut so verbacken, dass sich keine Hautfalte mehr abheben lässt“, beschreibt Farber eine weitere Untersuchung auf sogenannte Stemmersche Zeichen.

Weitere Kennzeichen für das Lipödem sind Druckschmerzen, eine Schwellneigung und Dellen. Auch Kneifen in das betroffen Gewebe tut weh. Allerdings wüsssten die Frauen das, meint Farber, was die Diagnose erschwere. „Wir müssen unauffällig agieren, um zu sehen, ob ein Kneifen wirklich einen Schmerz auslöst“, betont die Lipödem-Spezialistin.

Am Knöchel ist Schluss

Äußerlich charakteristisch für ein Lipödem ist, dass die vermehrte Fetteinlagerung oberhalb der Hand- oder Fußgelenke aufhört. Am Fuß nennt man das „Suavenphänomen“ oder „supramalleolärer Kalibersprung.“ Für ein Lymphödem sprechen dagegen Falten am Zehengrundgelenk, die den Eindruck von Kastenzehen erwecken, und eine vermehrte Verhornung.

Doch es gibt auch Mischformen – dann sind die Übergänge fließend und die Abgrenzung wird problematisch. „Dass beispielsweise eine Lipohypertrophie in ein Lipödem übergeht, passiert häufig im Zuge einer Gewichtszunahme oder einer Hormonveränderung“, sagt Farber. „Diese hormonelle Dysbalance kann entweder dazu führen, dass sich ein Lipödem deutlich verschlimmert , sowohl vom Volumen her als auch von den Beschwerden, oder dass es überhaupt erst auftritt.“

Durch eine ernährungsmedizinische Behandlung sei aber auch eine gegenläufige Entwicklung möglich: „Über 80 Prozent unserer Patientinnen gehen durch eine Ernährungsumstellung und/oder Gewichtsreduktion aus dem Lipödem wieder in eine Lipohypertrophie. Sie haben dann keine Schwellneigung mehr, spüren deutlich weniger bis gar keine Schmerzen und brauchen oft auch keine Lymphdrainage mehr“, berichtet die Gefäßmedizinerin.

Wie wird das Lipödem behandelt?

Laut Dr. Farber ist bei schlanken und übergewichtigen Lipödempatientinnen die Kompressionstherapie das Mittel der Wahl. Erst wenn diese nicht den gewünschten Erfolg bringe, folge eine kürzere Phase mit Lymphdrainage – jedoch als einleitende und nicht als Dauerbehandlung. Generell sei eine Ernährung mit viel basischer Kost und wenig schnell verdaulichen Kohlenhydraten sowie viel Bewegung empfehlenswert. „Ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, gegen den sich viele Lipödempatientinnen – übrigens zu Recht – wehren, dass man das Problem allein mit einer Ernährungsumstellung und Sport lösen kann“, sagt Farber. „Es ist aber wichtig, dass man beides konsequent durchführt , um eine Progredienz (Fortschreiten) aufzuhalten.“

Lymphdrainage keine Dauerlösung

Bei übergewichtigen Frauen bestehen häufig Mischformen, etwa ein Lipödem mit Adipositas und einem sekundären Lymphödem aufgrund der Adipositas. Das reine Lipödem werde die Patientin durch eine Ernährungsveränderung nicht wegbekommen. Aber das Lymphödem, das dazukomme , lasse sich gut beeinflussen, wenn man das Übergewicht reduzieren, meint Dr. Farber. Bei einem Lymphödem sei außerdem auch eine Lymphdrainage angezeigt. „Es macht jedoch keinen Sinn, immer nur Lymphdrainage zu verordnen, wenn die eigentliche Ursache die Adipositas ist“, so Farber.

Liposuktion als letzter Ausweg

Besserten sich die Beschwerden trotz aller Maßnahmen nicht , sei eine Liposuktion in Betracht zu ziehen. Hierbei wird das Fett an den betroffenen Stellen abgesaugt. Bislang ist der Eingriff beim Lipödem keine Kassenleistung. Gesundheitsminister Spahn hatte unlängst angekündigt, dies ändern zu wollen.

Foto: © anetlanda - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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