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Dank Corona: Grippewelle ist diesmal ausgefallen

519 laborbestätigte Fälle von Grippe-Infektion gab es im jetzt zu Ende gehenden Winter – und nur 13 Tote: Das ist jeweils ein Bruchteil der Zahlen der Grippewelle vom Winter 2017/2018 – und der niedrigste Wert seit Beginn der Grippe-Überwachung in Deutschland vor fast 30 Jahren. „Es hat in dieser Saison überhaupt keine Grippewelle gegeben“, so die Bilanz des RKI. Erklärt wird dies vor allem mit den Infektionsschutzmaßnahmen im Zuge der Covid-19-Pandemie.
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Grippewelle ausgefallen: Die Zahl der Grippe-Fälle in Deutschland war im ersten Corona-Winter so gering wie nie seit Beginn der amtlichen Grippe-Überwachung im Jahr 1992.

Im Winter vor drei Jahren erreichte die Zahl der Grippefälle in Deutschland Rekordwerte. 334.000 labordiagnostisch bestätigte Influenza-Fälle registrierte da das Robert-Koch-Institut (RKI). Und 1.674 Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza-Infektion. In den Wintern seither bewegten sich die Zahlen, trotz deutlichem Rückgang, mit gut 188.000 Fällen immer noch im sechsstelligen Bereich. Doch im jetzt zu Ende gehenden ersten Corona-Winter waren die Zahlen so verschwindend gering, dass jetzt das Robert-Koch-Institut eine ungewöhnliche Bilanz der diesjährigen Grippesaison gezogen hat: „Es hat in dieser Saison überhaupt keine Grippewelle gegeben“, sagte einer Sprecherin des RKI.

Niedrigste Zahl von Grippe-Fällen seit 1992

Die jetzt präsentierten Zahlen sind die niedrigsten, seit die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert-Koch-Instituts im Jahr 1992 damit begann, das Grippegeschehen in Deutschland amtlich zu überwachen. Stand 22. April registrierte die AGI 519 laborbestätigte Fälle von Grippeinfektion, im Vorjahr um diese Zeit waren es mit 184.000 – 354-mal so viele. Todesfälle im Zusammenhang mit einer Influenza-Infektionen sind es diesmal bisher nur 13. Am Ende des vergangenen Winters waren es 547, während der besonders heftigen Grippeweille 2017/2018 sogar 1.674.

 

Weniger Atemwegserkrankungen: Sechs Prozent weniger Tote

Laut RKI sind nicht nur Deutschland, sondern auch die meisten anderen Länder der Nordhalbkugel von einer Grippe-Welle verschont geblieben. Im aktuellen Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza heißt es: „Die Zirkulation von Influenzaviren stagniert in der Saison 2020/2021 auf einem extrem niedrigen Niveau.“ Seit Beginn des harten Lockdowns Ende 2020 bewegten sich die Zahlen von Atemwegserkrankungen auf einem „vorher nie erreichten, niedrigen Niveau in den Wintermonaten". Dies ist auch der Grund dafür, dass die Sterbefallzahlen jetzt im März um sechs Prozent niedriger lagen als im Vergleichsmonat der vier Kalenderjahre zuvor (2017 bis 2020). Das ergibt sich aus einer Sonderauswertung der vorläufigen Sterbefallzahlen durch das Statistische Bundesamt.

Ausgefallene Grippewelle dank Corona-Hygienemaßnahmen

Das auffällige Ausbleiben einer Grippewelle im jetzt zu Ende gehenden Winter führen die Experten des Robert-Koch-Instituts in erster Linie auf die überall gegenwärtige Infektionsschutzpraxis in der Corona-Pandemie zurück: das Abstandsgebot zu anderen Personen, die Pflicht zum Tragen einer Maske, die Hygienemaßnahmen, das Lüften von Räumen, die hohe Homeoffice-Quote und die zeitweiligen Schließungen von Schulen.

Winter 2020/2021: Ein Run auf die Grippe-Impfung

Aber noch ein anderer Faktor spielt hier hinein: Im hinter uns liegenden Winter haben sich wesentlich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen als in den Jahren zuvor. So verzeichnete das „Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung“ schon zu Beginn der Grippesaison einen Run auf die Grippe-Impfungen und einen Anstieg um 165 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Schon im September 2020 ließen sich 1,8 Millionen Menschen impfen.

Mehr als 20 Millionen Grippe-Impfungen

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab 25 Millionen Impfdosen frei – mehr als in den Jahren zuvor. Die Bundesregierung beschaffte zusätzliche Dosen, weil sie sich von einer massenhaften Impfung gegen Grippe eine Entlastung des Gesundheitssystems und freie Kapazitäten für mögliche Corona-Fälle versprach. Rund eine Million Dosen sind Schätzungen zufolge derzeit noch übrig. Die „Bundesvereinigung der deutschen Apothekerverbände“ (ABDA) geht deshalb davon aus, dass weit mehr als 20 Millionen Menschen geimpft wurden und die Zahl der gegen Influenza geimpften im ersten Corona-Winter einen Spitzenwert erreichte. Empfohlen wird die Grippeschutzimpfung vor allem Menschen über 60, chronische Kranken und Schwangeren.

Übersicht: Die jüngsten fünf Grippewinter

Labordiagnostisch bestätigte Influenza-Fälle, die gemäß Infektionsschutzgesetz dem Robert-Koch-Institut gemeldet wurden (Stand: 22.04.2021):

  • 2016/2017 – Fälle: 114.000 – Tote:    723
  • 2017/2018 – Fälle: 334.000 – Tote: 1.674
  • 2018/2019 – Fälle: 182.000 – Tote:    954
  • 2019/2020 – Fälle: 188.119 – Tote:    547
  • 2020/2021 – Fälle:        519 – Tote:      13

(Quelle: Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut)

Foto: AdobeStock/photophonie

Hauptkategorie: Medizin
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