Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Dacomitinib verbessert Prognose bei Lungenkrebs

Mittwoch, 8. Mai 2019 – Autor:
Das Lungenkrebsmedikament Dacomitinib scheint Lungenkrebs länger in Schach zu halten als Gefitinib. Eine Head-to-Head-Studie belegt einen Vorteil von sechs krankheitsfreien Monaten.
Dacomitinib, Gefitinib, Lungenkrebs

Dacomitinib und Gefitinib im direkten Vergleich: Sechs Monate länger bis der Lungenkrebs wieder wächst

Lungenkrebs ist die Krebserkrankung, an der in Deutschland die meisten Krebspatienten sterben. Durch zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien haben sich in den letzten Jahren aber die Behandlungsmöglichkeiten deutlich erweitert.

Tyrosinkinasehemmer, die gegen den Epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) auf nicht-kleinzelligem Lungenkarzinomen gerichtet sind, zählen zu den zielgerichteten Wirkstoffen. Sie werden dann eingesetzt, wenn im Erbgut der Tumorzellen eine genetische Veränderung an EGFR nachgewiesen ist. Mediziner sprechen in diesem Fall von EGFR-positivem Lungenkrebs.

Resistenzen sind das Problem

Der Erfolg der Krebsmedikamente ist jedoch durch die Bildung von Resistenzen limitiert, die die Krebszellen früher oder später unempfindlich gegenüber dem Wirkstoff machen.

Um dem entgegenzuwirken, wurden Tyrosinkinasehemmer der zweiten und dritten Generation entwickelt. Ein Vertreter der zweiten Generation ist Dacomitinib. In einer Head-to-Head-Studie aus Japan wurde das Lungenkrebsmedikament mit Gefitinib, einem Tyrosinkinasehemmer der ersten Generation, verglichen. Dabei zeigte sich, dass Dacomitinib den Lungenkrebs deutlich länger in Schach halten kann.

 

Direkter Vergleich von Dacomitinib und Gefitinib

In der randomisierten Phase-III-Studie wurden insgesamt 452 Patienten an 71 Untersuchungszentren in Japan und Südkorea mit  nicht-kleinzelligem EGFR-positivem Lungenkrebs eingeschlossen. Davon wurden 227 Patienten mit Dacomitinib und 225 Patienten mit Gefitinib behandelt und zwei Jahre lange nachbeobachtet. Bei beiden Patientengruppen handelte es sich um eine Erstlinientherapie, die zwischen 2013 und 2015 durchgeführt wurde. Die Therapie wurde in 28-Tagen-Zyklen so lange fortgeführt, bis die Krankheit wieder fortschritt oder aus anderen Gründen abgebrochen werden musste.

15 Monate ohne Progression

Das Ergebnis: Das progressionsfreie Überleben betrug bei den mit Dacomitinib behandelten Patienten knapp 15 Monate und unter Behandlung mit Gefitinib lag es bei 9 Monaten. Dacomitinib verlängerte also die Zeitspanne zwischen Behandlung und erneutem Fortschreiten der Krankheit um knapp ein halbes Jahr.

Aufgrund dieser Ergebnisse sollte Dacomitinib als neue Behandlungsoption für Patienten mit nicht kleinzelligem, EGFR-mutierten Lungenkrebs in Betracht gezogen werden, so das Fazit der Autoren.

Allerdings traten unter Dacomitinib etwas häufiger schwere Nebenwirkungen auf (9% vs. 4%). Die häufigsten Nebenwirkungen waren Hautausschläge und Durchfall.

Die Studie “Dacomitinib versus gefitinib as first-line treatment for patients with EGFR-mutation-positive non-small-cell lung cancer” wurde im November 2017 in Lancet Oncology publiziert. 

Foto: pixabay

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Lungenkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lungenkrebs

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Pandemie hat das Bewegungs- und Sportverhalten bei vielen verändert. Das Homeoffice gilt als „Bewegungskiller“, Städter schwitzen vorm Youtube-Video im eigenen Wohnzimmer, Landbewohner treibt es ins Freie – und Yoga ist jetzt beliebter als Fußball.

Die „professionelle Zahnreinigung“ ist ein wichtiges Ritual zur Erhaltung gesunder Zähne. In der Regel zahlt man sie selbst. Manche gesetzlichen Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder dabei aber finanziell. Allerdings ist das auch an Bedingungen geknüpft.

Für viele Menschen hat Corona seinen Schrecken verloren. Doch Pflegeheime sind nach wie vor Corona-Hotspots, heißt es im Barmer-Pflegereport 2022. Im Monat Juli waren fast 40-mal so viele Pflegefachkräfte krankgeschrieben wie ein Jahr zuvor.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin