. Zehntausend Euro für Krebsforscher

Curt Meyer-Gedächtnispreis 2010 verliehen

Die Berliner Krebsgesellschaft hat am 15. Dezember den Curt Meyer-Gedächtnispreis 2010 an die Krebsforscher Dr. med. Anne Letsch und Dr. rer. nat. Maurice Reimann verliehen. Mit ihren Arbeiten zur Krebsforschung haben beide Wissenschaftler neue Erkenntnisse zur Krebsbekämpfung gewinnen können. Jetzt teilen sie sich den mit 10.000 Euro dotierten Preis.
Prof. Peter Schlag (mi) übergibt den Curt-Meyer-Gedächtnispreis 2010

Prof. Peter Schlag (mi) übergibt den Curt-Meyer-Gedächtnispreis 2010

 

Dr. Anne Letsch von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie an der Charité, Campus Benjamin Franklin, erhielt die Anerkennung für den erfolgreichen Einsatz eines neuartigen Tumorimpfstoffs. Mit der neuen Vakzinierungstherapie konnte die Arbeitsgruppe um Dr. Anne Letsch ermutigende Ergebnisse bei den durch Chemotherapie nicht mehr ausreichend behandelbaren Leukämieformen zeigen. "Bei einem Grossteil der Patienten konnte durch die Vakzinierungstherapie eine Stabilisierung der Leukämie erreicht werden, bei einigen Patienten sogar eine Rückbildung der Erkrankung", sagte Preisträgerin Dr. Anne Letsch zu den ersten klinischen Ergebnissen, die sie nun in weiteren Studien validieren will.

Curt Meyer-Gedächtnispreis an Krebsforscher

Der Biologe Dr. Maurice Reimann vom Molekularen Krebsforschungszentrum der Charité hat das Zusammenspiel von Onkogenen und Zellschutzprogrammen untersucht - und dabei einen bislang unbekannten koordinierten Krebsschutz-Mechanismus entdeckt. Am Tiermodell konnte der Wissenschaftler erstmals zeigen, dass bei Lymphdrüsenkrebs beide Schutzprogramme durch ein Wechselspiel mit normalen Abwehrzellen zur Verhinderung von Tumoren zusammenarbeiten. Dabei löst die Aktivierung des Myc-Onkogens in Lymphomzellen zunächst Apoptose aus. Die absterbenden Zellen locken Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems an, die die abgestorbenen Lymphomzellen entsorgen. Die so aktivierten Fresszellen wiederum setzen Botenstoffe (Zytokine) frei, darunter das Zytokin TGF-beta. Dieses kann im Frühstadium einer Tumorerkrankung das Wachstum von Krebszellen hemmen. Dr. Reimann fand heraus, dass der Botenstoff in den Tumorzellen, die der Apoptose entkommen sind, das Seneszenz-Programm anschaltet und das Wachstum der Krebszellen damit stilllegt. "Dieser koordinierte Krebsschutz-Mechanismus spielt nicht nur eine wichtige Rolle bei Lymphomerkrankungen, sondern ist vermutlich auch von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der Krebsentstehung", sagte Dr. Reimann.

Würdigung intensiver Arbeit in der Krebsforschung

Der Vorsitzende der Berliner Krebsgesellschaft Prof. Dr. Dr. Peter M. Schlag, würdigte die beiden Preisträger mit den Worten: "Beide Forscher haben intensive Arbeit in der Krebsforschung geleistet. Diese Leistung sollen mit dem Curt Meyer-Gedächtnispreis 2010 gewürdigt werden." Seit 1988 verleiht die Berliner Krebsgesellschaft den Curt Meyer-Gedächtnispreis an Wissenschaftler, die an Berliner Forschungseinrichtungen tätig sind, für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der klinischen, experimentellen und translationalen Krebsforschung. Dotiert mit 10.000 Euro zählt der Forschungspreis zu den höchst dotierten Auszeichnungen in Deutschland auf dem Gebiet der Krebsmedizin.

Der Preis dient dem ehrenden Gedächtnis an den Berliner Senatsrat Dr. med. Curt Meyer (1891-1984), der nach 1945 das Gesundheitswesen im ehemaligen Westberlin massgeblich reorganisierte. Die Beratungsstellen für Krebskranke in den Gesundheitsämtern gehen etwa auf seine Initiative zurück. Die Berliner Krebsgesellschaft e.V. ist aus dem Landesausschuss Berlin für Krebsbekämpfung e.V. hervorgegangen, dessen Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender Dr. Curt Meyer war.

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