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CRP-Schnelltest senkt Antibiotikaverbrauch

Samstag, 27. November 2021 – Autor:
Mit einem sogenannten CRP-Schnelltest können Ärzte in wenigen Minuten einen viralen von einem bakteriellen Infekt unterscheiden. Zahlen der AOK Sachsen-Anhalt zeigen, dass durch den Test deutlich weniger Antibiotika verordnet werden.
Weniger Antibiotika durch ein paar Tropfen Blut: Der CRP-Schnelltest ist Ärzten eine praktische Entscheidungshilfe

Weniger Antibiotika durch ein paar Tropfen Blut: Der CRP-Schnelltest ist Ärzten eine praktische Entscheidungshilfe – Foto: © Adobe Stock/ HENADZY

Antibiotika werden nach wie vor noch viel zu häufig und viel zu unkritisch verschrieben. Dabei gibt es mit dem CRP-Schnelltest eine gute Möglichkeit, einen viralen von einem bakteriellen Infekt zu unterscheiden. Der Test bestimmt das C-reaktive Protein (CRP) im Blut, das wiederum den Hinweis liefert, ob ein Infekt bakteriell verursacht sein könnte. Bei viralen Infekten nutzen Antibiotika nichts, folglich kann auf eine Einnahme verzichtet werden.

Mehr als die Hälfte der Getesteten hat keinen bakteriellen Infekt

Dass die Tests helfen, den Antibiotikaverbrauch zu senken, zeigen Zahlen der AOK Sachsen-Anhalt. Die Kasse übernimmt seit März 2018 die Kosten für den CRP-Schnelltest. Bis zum 1. Quartal 2021 haben Haus- und Fachärzte den Test rund 63.500 Mal bei AOK-Versicherten eingesetzt. Im Ergebnis haben die Ärzte bei fast 57 Prozent der Getesteten, also in rund 36.000 Fällen, auf eine Antibiotika-Verordnung verzichtet. Das ist noch mal eine deutliche Steigerung zur letzten Auswertung: 2019 lag der Wert noch bei rund 40 Prozent.

„Die Zahlen sprechen eine klare Sprache“, sagt Kay Nitschke, Leiter ärztliche Versorgung bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Der Schnelltest sollte deshalb noch häufiger eingesetzt werden. Denn rund 70.000 Schnelltests bei im gleichen Zeitraum über 900.000 Antibiotika-Verordnungen sind noch immer relativ wenig.“

 

Wegen Corona wurden bundesweit weniger Antibiotika verordnet

Nach Daten des Arzneimittelkompass 2021 gehen bundesweit die Antibiotika-Verordnungen seit Jahren zurück. Im vergangen Jahr sind sie um 27 Prozent gesunken. Auch die Verschreibung von Fluorchinolone sank im Pandemiejahr von 31, Prozent auf 2,3 Prozent. Fluorchinolone gehen mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen einher und sollten darum nur in Ausnahmefällen verordnet werden. „Trotz dieser deutlichen Reduktion gehören die Fluorchinolone aber mit bundesweit knapp 1,7 Millionen Verordnungen im vergangenen Jahr immer noch zu den häufig verordneten Antibiotika“, sagt AOK-Experte Nitschke.

Entscheidungshilfen für Ärzte

Vor dem Hintegrund der zunehmenden Antibiotikaresistenzen appelliert die AOK an alle Ärzte, Antibiotika umsichtiger zu verschreiben. Neben dem CRP-Schnelltest soll der QISA-Band „Rationaler Antibiotikaeinsatz“ Ärzten eine Entscheidungshilfe sein. Der Ratgeber enthält zwölf Qualitätsindikatoren, mit denen Ärzte den rationalen Einsatz von Antibiotika in ihrer Praxis messen und bewerten können. Der neue QISA-Band ist ein Produkt des 2017 gestarteten Projektes „Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden“ (ARena) und wird von der AOK und dem aqua-Institut herausgegeben.

Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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