Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Covid-Zeh, Haarausfall und andere Corona-bedingte Hautveränderungen

Covid spart auch das größte menschliche Organ nicht aus: die Haut. So klagt ein Teil der Patienten über Hautausschläge, Nesselsucht, Haarausfall oder einen Covid-Zeh. Nach Virusinfektionen sind Hautveränderungen nichts Außergewöhnliches.
Der Covid-Zeh stellt Ärzte vor ein Rätsel

Der Covid-Zeh stellt Ärzte vor ein Rätsel

Der Covid-Zeh ist ein Phänomen, das zuerst in Spanien beschrieben wurde. Patienten stellten sich in Ambulanzen mit rot-blau verfärbten Zehen vor. Inzwischen wird das Symptom, das an Frostbeulen erinnert, aus vielen Ländern gemeldet.

Auch Matthias Schmuth von der Universitätsklinik Innsbruck hat in seiner Ambulanz schon Covid-Zehen gesehen. Allerdings häufig bei jüngeren Patienten, die gar nicht nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren und bei denen auch der Antikörper-Test negativ ausfiel. Trotzdem hält der Hautarzt einen Zusammenhang mit Covid für möglich. „Eine Hypothese ist, dass insbesondere junge Menschen, die eine SARS-CoV-2 Infektion ohne Symptome durchmachen, die „Covid-Zehen“ im Rahmen einer effizienten Reaktion des angeborenen Immunsystems gegen das Virus entwickeln“, sagt der Experte.  

Fallsammlung zum Covid-Zeh gestartet

„Aktuell sammeln wir diese Fälle und schauen uns das systematisch gemeinsam mit anderen Zentren im Rahmen einer Studie an.“ Möglicherweise könnte dabei herauskommen, dass die Zehenverfärbungen gar nichts mit Covid zu tun haben. „Wichtig ist, dass wir nicht – wie man das in der Anfangsphase der Pandemie gesehen hat – vorschnelle Rückschlüsse ziehen, sondern mit Hilfe sorgfältiger, wissenschaftlicher Arbeit Antworten finden.“

Prinzipiell sind Hautveränderungen nach Virusinfektionen nichts Außergewöhnliches. Bei Masern, Röteln, Papillom oder Herpesviren bietet die Haut erste diagnostische Zeichen für eine Infektion. Auch bei Covid-19 entwickelt zumindest ein Teil der Patienten Hautveränderungen. Ein Nesselausschlag kann zum Beispiel verschiedene Infekte hervorgerufen werden, „unter anderem auch als frühes Warnzeichen für eine Covid-19-Infektion“, sagt Matthias Schmuth.

Grund für die Hautveränderungen ist, dass SARS-CoV-2 an den ACE2-Rezeptor in den Zellen bindet. Dieser Rezeptor ist auch in Hautzellen vorhanden, so dass auch diese infiziert werden können. „Man hat das Virus direkt in der Haut nachweisen können. Die Infektion erfolgt aber natürlich über den Nasen-Rachen-Raum“, so Schmuth.

 

Thrombosen und Mikroblutungen können ebenfalls die Haut verfärben

Daneben verursachen auch Thrombosen und Mikroblutungen Veränderungen und Verfärbungen der Haut. Laut Schmuth ist hier die Ursache aber eine andere: „Das sind nicht direkte, sondern Folgewirkungen der Infektion.“ So treten bei schweren Covid-Verläufen häufig Verschlüssen von Blutgefäßen und Schädigungen von Gefäßwänden an verschiedenen Organen auf. „In der Haut zeigt sich das u.a. in Form von dunkelvioletten bis schwarzen Verfärbungen – diese nicht selten an Fingerspitzen oder Zehenspitzen bei schweren Verläufen. Hierbei kommt es manchmal auch zu Gewebeuntergang, also einem Absterben von Gewebe.“

Haarausfall so häufig wie Kurzatmigkeit

In Zusammenhang mit Covid wird auch über Haarausfall berichtet. Laut Schmuth ist dauerhafter Haarausfall bei Long-Covid insgesamt ungefähr so häufig wie Kurzatmigkeit. Ein weiteres Problem seien Handekzeme. „Die Ursache ist hier aber nicht die Infektion, sondern das häufige Händewaschen.“

Foto: © Adobe Stock/ Yakobchuk Olena

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Haut
 

Weitere Nachrichten zum Thema Covid-Folgen

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
 
Weitere Nachrichten
Zivilgesellschaftliche Organisationen haben mit ihrem Engagement unter Krisenbedingungen maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland vergleichsweise gut durch die Corona-Zeit gekommen ist. Aber die Krise hat auch Spuren hinterlassen. Was muss sich tun, damit diese tragende Säule der Demokratie auch nach der Pandemie stark bleibt? Das diskutierten Experten und Politiker auf einer Fachtagung von Gesundheitsstadt Berlin und Paritätischem Wohlfahrtsverband.


 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin