. Kanadische Studie

Covid-19: Warum Raucher und COPD-Patienten besonders gefährdet sind

Raucher und Patienten, die als Folge des Rauchens an der chronischen Lungenkrankheit COPD leiden, gehören zu den Risikogruppen bei Covid-19. Wissenschaftler aus Kanada haben jetzt eine weitere Erklärung dafür gefunden, warum das so ist. Ihr Rat: Um mit dem Rauchen aufzuhören, ist es nie zu spät. Wer es jetzt schafft, kann das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nach einer Coronainfektion senken.
Frau raucht Zigarette durch Corona-Schutzmaske

Bei aktiven Rauchern und Patienten mit der oft unbemerkten Raucherkrankheit COPD ist das Risiko hoch, dass die Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt.

Die meisten Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind, durchleben die Covid-19-Erkrankung mit milden Symptomen. Bei 20 Prozent der Fälle ist der Verlauf dagegen schwer. Dann kann es zu Lungenentzündungen kommen, Atemversagen, septischem Schock und Multi-Organ-Versagen. Fast alle Covid-19-Toten hatten chronische Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Lungenkrankheit COPD (englisch: chronic obstructive pulmonary disease). Bei dieser dauerhaften Verengung der Atemwege, die vor allem entsteht, wenn man jahrelang raucht, ist insbesondere die Ausatmung erschwert. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) zählen Patienten von COPD zu den Risikogruppen für schwere Covid-19-Verläufe – und aktive Raucher auch.

ACE-2-Enzym: Hier dockt Corona am Organismus an

Während die Wissenschaft diese Anfälligkeit bisher vor allem auf eine Vorschädigung der Lunge zurückführte, haben kanadische Forscher jetzt eine weitere Erklärung dafür gefunden. Bei Rauchern und COPD-Patienten tritt ein Enzym namens ACE-2 in verstärkter Konzentration in den Zellen der Bronchialschleimhaut der unteren Atemwege auf. Das Delikate daran: Dieses Enzym ist der Ort, an dem das Coronavirus in den menschlichen Organismus eindringt. „SARS-CoV-2 benutzt das Angiotensin-umwandelnde Enzym II (ACE-2) als Empfänger für den Eintritt in Körperzellen“, schreibt ein achtköpfiges Forscherteam der University of British Columbia in Kanada im „European Respiratory Journal“. Angiotensine sind Gewebshormone, die eine zusammenziehende Wirkung auf Blutgefäße haben, was den Blutdruck aufrechterhalten oder erhöhen soll.

Die kanadischen Forscher gewannen ihre Erkenntnis durch die Analyse von Schleimhautzellen, die sie bei Bronchoskopien von 21 an Covid-19 erkrankten Personen entnommen hatten. Anders als bei der Vergleichsgruppe aus 21 Gesunden war hier der Wert für das ACE-2-Enzym auffällig erhöht.

 

Covid-19: Wissenschaftler raten zu schnellem Rauchstopp

„Unsere Schlussfolgerung ist“, schreiben die kanadischen Wissenschaftler, „aktives Zigarettenrauchen und COPD regulieren die ACE-2-Ausschüttung in den unteren Atemwegen nach oben, was eine weitere Erklärung dafür sein kann, dass bei diesen Bevölkerungsgruppen das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs bei Covid-19 erhöht ist.“ Und sie rufen Raucher dazu auf, die Covid-19-Pandemie zum Anlass zu nehmen, um vom Rauchen loszukommen. „Diese Befunde“, so heißt im Fazit des wissenschaftlichen Fachartikels, „unterstreichen die Bedeutung des Rauchstopps für diese Personen, eine stärkere Überwachung dieser Risiko-Untergruppen für mehr Prävention und eine möglichst früh gestellte Diagnose dieser potenziell tödlichen Krankheit.“

Raucher: 80 Prozent chronisch lungenkrank – und viele merken es nicht

Nach einer US-Studie von 2015 haben wahrscheinlich rund 80 Prozent Raucher eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, auch wenn sie noch keine Beschwerden haben. Bis dahin waren Ärzte davon ausgegangen, dass etwa 50 Prozent aller Raucher eine COPD entwickeln. „Das Ergebnis zeigt ganz klar: Die Mehrheit der Raucher ist chronisch lungenkrank - auch wenn viele von ihnen nichts bemerken und davon ausgehen, dass es sie nicht betrifft“, so das Fazit der Wissenschaftler damals. Für die Studie hatte eine Klinik die Lungen von rund 8.800 Rauchern per Computertomographie untersucht. Dadurch wurden Schäden am Lungengewebe auch dann sichtbar, wenn die Lungenfunktion unauffällig war.

Deutschland: 25 Prozent mehr COPD-Fälle innerhalb von acht Jahren

Auch in Deutschland haben immer mehr Menschen eine COPD. Laut dem „Versorgungsatlas“ 2019 des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung ist die Zahl der Erkrankten im Inland innerhalb von acht Jahren um 25 Prozent angestiegen. Der Anstieg hängt offenbar nicht nur mit dem Rauchen, sondern auch mit dem demografischen Wandel zusammen. Dabei ist es für einen Ausstieg aus dem Rauchen nie zu spät. Auch im Alter kann sich der Organismus noch erholen – und sich die Lebenserwartung damit verlängern.

Foto: AdobeStock/carles

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