. Infektion mit SARS-CoV-2

COVID-19 und Rheumamedikamente: Risiko für schweren Verlauf nicht erhöht

Rheuma-Patienten, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen, machen sich Sorgen, dass sie ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben. Eine neue Studie gibt jedoch Entwarnung. Abgesehen von Kortison erhöhen Rheumamedikamente das Risiko demnach nicht.
Rheumamedikamente, COVID-19

Rheumapatienten, die an COVID-19 erkrankungen, erholen sich in der Regel wieder - auch wenn sie immunsupprimierende Medikamente einnehmen

Zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen werden verschiedene Medikamentengruppen eingesetzt. Sie sollen das fehlgeleitete Immunsystem unterdrücken, das den eigenen Körper angreift. Ob der Einsatz von Immunsuppressiva das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 erhöht, ist bisher unklar. Eine im Vorfeld des Europäischen Rheumatologenkongresses EULAR publizierte Studie hat nun 600 COVID-19-Erkrankungen von Rheumapatienten aus 40 Ländern analysiert und untersucht, welchen Einfluss Rheumamedikamente auf den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung und einen möglichen Klinikaufenthalt haben.

Sorge um Sicherheit von Rheumapatienten während Corona-Pandemie

„Es herrscht eine große Unsicherheit über das Medikamentenmanagement bei rheumatischen Erkrankungen“, erklärt EULAR-Präsident Professor Iain B. McInnes von der University of Glasgow. Wissenschaftler sind daher der Frage nachgegangen, inwieweit unterschiedliche Rheumamedikamente die Wahrscheinlichkeit für einen Krankenhausaufenthalt bei einer COVID-19-Erkrankung erhöhen.

Dazu wurde eine Fallserie von Personen mit rheumatischen Erkrankungen und COVID-19 aus dem „EULAR and Global Rheumatology Alliance COVID-19“-Register analysiert. Insgesamt sind 600 Fälle aus 40 Ländern in die Studie eingegangen.

 

Rheumamedikamente erhöhen das Risiko nicht generell

Wie sich zeigte, hatten konventionelle verlaufsmodifizierende Antirheumatika (csDMARDs) allein oder in Kombination mit Biologika oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) keinen Einfluss auf die Schwere eines Verlaufs von COVID-19. Auch die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten war nicht erhöht. Die Einnahme von TNF alpha-Hemmern war sogar mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts verbunden. Ein Zusammenhang zwischen COVID-19 und der bei Rheuma durchaus üblichen Einnahme von Malariamitteln wurde nicht beobachtet.

Vorsicht bei Kortison

Anders sah es bei Kortison aus: Eine Behandlung mit mehr als zehn Milligramm Prednison pro Tag war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für einen Klinikaufenthalt bei COVID-19 verbunden. Prednison ist ein Glukokortikoid, das in der Rheumatologie häufig als schnell wirksamer Entzündungshemmer eingesetzt wird.

Insgesamt musste weniger als die Hälfte der von COVID-19 betroffenen Patienten ins Krankenhaus eingewiesen werden, neun Prozent verstarben. Dies sollte jedoch nicht als die tatsächliche Rate von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind, interpretiert werden. Das betont die die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Aufgrund des Mechanismus, mit dem Falldaten gesammelt werden, sei es wahrscheinlich, dass vor allem schwere Fälle an die Datenbank gemeldet werden, was das Ergebnis verzerrt.

Rheumapatienten erholen sich in der Regel von COVID-19

„Die Studie zeigt, dass sich die meisten Patientinnen und Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen – unabhängig davon, welche Medikamente sie erhalten – von COVID-19 erholen“, so Professor John Isaacs von der University of Newcastle, Vorsitzender des wissenschaftlichen Programm-Komitees beim EULAR. Dennoch sei es notwendig, mehr Wissen über den Verlauf einer Infektion mit dem neuen Corona-Virus bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zusammenzutragen.

Foto: andifink/fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Rheuma
 

Weitere Nachrichten zum Thema Corona und Medikamente

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer mehrere Sprachen spricht, kann die Entstehung einer Demenz hinauszögern – das haben Studien bereits gezeigt. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass auch das Erlernen einer Sprache im hohen Alter die Plastizität des Gehirns und damit die kognitive Leistungsfähigkeit fördert.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.