. Studie aus Italien

COVID-19 und Krebs: Eine bestimmte Behandlung senkt offenbar das Erkrankungsrisiko

Noch weiß man wenig über COVID-19 und Krebs. Eine Studie aus Italien legt nun nahe, dass eine Patientengruppe sogar ein geringes Infektionsrisiko hat: Männer mit Prostatakrebs unter testosteronsenkender Hormonbehandlung.
Studie aus Venetien: Männer, die wegen Prostatakrebs hormonell behandelt werden, sind besser vor COVID-19 geschützt

Studie aus Venetien: Männer, die wegen Prostatakrebs hormonell behandelt werden, sind besser vor COVID-19 geschützt

Die italienische Region Venetien (Veneto) war besonders früh und hart von der Corona-Pandemie betroffen. Umso erstaunlicher, was Forscher jetzt in einer Studie mit 4.532 positiv auf Coronavirus getesteten Männern herausgefunden haben. In dieser Kohorte litten 19,5 Prozent (430) an Krebs und 2,6 Prozent (118) an Prostatakrebs.

Verglichen mit der Gesamtpopulation hatten männliche Krebspatienten ein 1,8-fach höheres Risiko für eine COVID-19-Infektion und sie entwickelten auch schwerere Krankheitsverläufe. Nur eine Gruppe nicht: Männer mit Prostatakrebs unter Hormonbehandlung, die ihnen das Hormon Testosteron entzieht (Androgen-Deprivationstherapie ADT).

Hormontherapie scheint Männer vor COVID-19 zu schützen

Schauten sich die Forscher alle Prostatakrebspatienten in der Region Venetien an, zeigte sich dass von 5.273 Männern unter hormoneller Behandlung nur vier eine COVID-19-Erkrankung entwickelten und keiner von ihnen starb. Von den 37.161 Prostatakrebspatienten ohne diese Therapie erkrankten dagegen 114 an COVID-19 und 18 Männer starben.

Patienten mit Prostatakrebs hatten unter Hormonbehandlung also ein viermal geringeres Risiko für eine COVID-19-Infektion. Verglichen mit allen Krebspatienten war das Risiko sogar fünfmal geringer.

„Das ist die erste Studie, die auf einen Zusammenhang zwischen ADT und COVID 19 aufzeigt“, sagt Studienarzt Prof. Andrea Alimonti von der Universität Bellinzona (italienische Schweiz). „Männer, die eine solche Therapie bekommen scheinen geschützt zu sein, obwohl Krebspatienten generell ein höheres Risiko für eine COVID-19-Erkrankung haben als Nichtkrebspatienten.“

 

Noch viele Fragen offen

Die Erklärung für den schützenden Effekt der Hormontherapie führen die Forscher auf die Unterdrückung eines Proteins namens TMPRSS2 zurück. Dieses Protein ist bei Prostatakrebspatienten stark erhöht, durch die testosteronsenkende Therapie wird es gesenkt. Wie neuere Forschungen herausfanden, hilft es dem Virus menschliche Zellen zu befallen.

Ob nun gesunde Männer prophylaktisch mit testosteronsenkenden Medikamenten behandelt werden sollten, wird von den Autoren diskutiert. Der Chefredakteur der Fachzeitschrift Annals of Oncology, wo die Studie jetzt veröffentlicht wurde, schränkt jedoch ein: Die Studie habe die Rolle der Androgen-Deprivationstherapie bei COVID-19 nicht definitiv geklärt. Die Medikamente sollten erst dann zur COVID-19-Prophylaxe eingesetzt werden sollen, wenn prospektive Studien ihre Wirksamkeit bestätigt haben. Dennoch habe man sich zu einer Veröffentlich entschlossen, da die Studie einen wichtigen Hinweis liefere, der weiter verfolgt werden sollte.

Foto: © Adobe Stock/Chinnapong

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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