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15.05.2021

Coronavirus: Sonne „desinfiziert“ die Öffentlichkeit

Die erstarkende Sonne könnte einer Gründe dafür sein, warum die Ansteckungen mit Sars-CoV-2 jetzt im Frühjahr wieder so spürbar zurückgehen. Die natürliche UV-Strahlung der Sonne besitze „ein hohes Potenzial zur Inaktivierung von Corona-Viren“ an Orten unterm freiem Himmel, besagt eine Studie der Veterinärmedizischen Universität Wien.
Mann inmitten von grauen Corona-Viren zieht mit Kraft eine Wand auf - und die Sonne kommt.

Die natürliche UV-Strahlung der Sonne besitzt die Fähigkeit, Keime im Freien unschädlich zu machen. Nach einer Studie österreichischer Wissenschaftler gilt das auch für das Coronavirus.

Höhere Lebewesen wie der Mensch besitzen ein ausgeklügeltes System, um sich gegen UV-Strahlung zu schützen und von ihr ausgelöste Schäden zu reparieren. Mikrobiologische Lebewesen wie Bakterien oder Viren dagegen nicht. Sie sind dem UV-Licht schutzlos ausgeliefert. Eine Studie der Veterinärmedizischen Universität (VetMedUni) Wien kommt zu dem Schluss, dass natürliche UV-Strahlung Coronaviren inaktiv machen kann. Zumindest im Frühjahr, Sommer und Herbst sei die Sonne in Mitteleuropa der wichtigste natürliche Begrenzungsfaktor für das Überleben des Sars-CoV-2 im Freien.

„Hohes Potenzial zur Inaktivierung von Corona-Viren“

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die natürliche UV-Strahlung der Sonne ein hohes Potenzial zur Inaktivierung von Corona-Viren aufweist“, sagt Alois Schmalwieser vom Department für Biomedizinische der VetMedUni Wien. Die Sterilisationswirkung von Tageslicht ist demnach allerdings nicht zu jeder Zeit und überall gleich. So ermittelten die Forscher, dass die Kraft der Sonne in der brasilianischen Großstadt Sao Paolo ganzjährig stark genug ist, um Viren im Freien zu zerstören. Nur 30 bis 100 Minuten braucht sie dort, um 90 Prozent der Viren zu inaktivieren.

Im nordischen Island dagegen erreicht sie maximales Potenzial demnach nur im Juni und Juli. In Mitteleuropa setzt ein  nennenswerter antiviraler Effekt im Frühjahr ein und hält die warme Jahreszeit über an. Die schwache Sonne im Winter könne kaum etwas bewirken; im Außenbereich könne das Virus damit mehrere Stunden und sogar einen ganzen Tag lang infektiös bleiben.

 

Wirkung abhängig von Geographie, Wetter und Landschaft

Die Intensität der Sonne und damit ihre antimikrobielle Wirkung ist von mehreren Einzelfaktoren abhängig. Hierzu zählen neben der geographischen Breite auch Bewölkung, Nebel und auch die Landschaft, die die Verteilung der UV-Strahlung lenkt. Weil Glasfenster den größten Teil der UV-B-Strahlung blockieren, hemmen sie auch die viruzide Wirkung der Sonne in Innenräumen.

Covid-19: Weitergabe aber kaum von UV-Licht abhängig

Zugleich sehen die Forscher aus Österreich keinen Anlass, die Wirkung der Sonne zu überschätzen. Auf die Weitergabe von Corona-Infektionen von Mensch zu Mensch habe UV-Licht wahrscheinlich nur einen geringen Einfluss, denn eine Übertragung könne binnen Minuten passieren und geschehe vor allem über infektiöse Aerosole, die durch Aus- und Einatmen und die Atemwege übertragen werden. Dass die noch vor Wochen bedrohlich wirkende dritte Corona-Welle nun doch gebrochen werden konnte, liegt wahrscheinlich an einem ganzen Bündel von Faktoren. Neben der nun täglich steigenden Anzahl von Impfungen spielen für den Virologen Christian Drosten von der Charité die UV-Strahlen eine Rolle, die Wärme im Sommer sowie die Tatsache, dass sich deutlich mehr Menschen jetzt draußen aufhalten.

UV-C-Strahlung: Krankenhaus-Desinfektion per Roboter

Eine Sonderform der UV-Strahlung ist die sogenannte UV-C-Strahlung. Diese Strahlung ist sehr kurzwellig und für den Menschen extrem schädlich. In den oberen Schichten der Atmosphäre wird sie vollständig herausgefiltert und erreicht die Erdoberfläche nicht. UV-C-Strahlung kann auf der Erde allerdings mithilfe künstlicher Lichtquellen produziert werden. Um Viren, Bakterien und Pilze abzutöten, wird UV-Licht schon seit vielen Jahren genutzt: in der Lebensmittelindustrie etwa oder zur Desinfektion des Badebeckenwassers in Schwimmbädern.

„Eine Million Viren nach neun Minuten unschädlich“

Nach einer aktuellen Studie von Infektiologen der Universität Duisburg-Essen ist UV-C-Licht in der Lage, das neuartige Coronavirus „vollständig inaktiv“ zu machen.„Unsere Experimente zeigten, dass eine hohe Viruslast von mehr als einer Million Viren bereits nach neun Minuten Bestrahlung vollständig unschädlich gemacht werden konnte“, sagt Studienleiter Adalbert Krawczyk. Demnach können UV-C-Lampen genutzt werden, um medizinische Ausrüstung zu dekontaminieren. Die Forscher aus Essen betonen aber ausdrücklich, dass sich UV-Bestrahlung zur Behandlung von COVID-19 Patienten nicht eignet. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass sich beim Einsatz von UV-Technik zur Desinfektion in Innenräumen keine Personen in der Nähe befinden dürfen. Die EU hat angekündigt, für Krankenhäuser 200 ferngesteuerte Desinfektions-Roboter zu beschaffen, um Böden, Wände, Decken und die Luft in Patientenzimmern, OPs und Isolierstationen chemikalienfrei von Krankheitserregern und insbesondere dem Coronavirus zu befreien.

Foto: AdobeStock/Photocreo Bednarek

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