Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Coronavirus: Mit Augenoperationen lieber warten

Sollte eine Augenoperation zurzeit durchgeführt oder lieber verschoben werden? Patienten sind verunsichert und selbst unter Ärzten herrscht keine einheitliche Meinung. Die DOG rät: Aufschiebbare Operationen wie die des Grauen Stars oder operative Korrekturen von Fehlsichtigkeiten sollten zurzeit vermieden werden.
Corona, Augenoperationen, Grauer Star

Augenoperationen wie die am Grauen Star sollten zurzeit besser verschoben werden

Viele Patienten fragen sich: Sollen sie geplante Eingriffe oder Untersuchungen an den Augen während der Corona-Krise vornehmen lassen oder nicht? Schließlich hat die Regierung Patienten und Ärzte aufgefordert, alle planbaren und Operationen, Eingriffe und Krankenhausaufenthalte zu verschieben, solange dies medizinisch vertretbar ist. Bei Augenoperationen kommt zusätzlich die Sorge hinzu, dass Tränenflüssigkeit das Virus eventuell übertragen könnte. Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) klären nun auf, welche Arzttermine verschoben werden sollten und welche Erkenntnisse es zur Ansteckungsgefahr durch Tränenflüssigkeit gibt.

HNO- und Augenärzte gehören zur Hochrisikogruppe

Konkrete Zahlen, wie stark Augenärzte gefährdet sind, sich mit Covid-19 zu infizieren, liegen für Deutschland noch nicht vor, so die DOG. Bekannt ist aber, dass sich in China vor allem HNO- und Augenärzte aufgrund des engen Patientenkontakts mit dem Virus angesteckt haben. „Deshalb gehen wir davon aus, dass Ophthalmologen ebenso wie HNO-Ärzte, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen oder Zahnärzte zu den Hochrisikogruppen gehören“, erklärt Professor Horst Helbig, Mediensprecher der DOG.

 

Eingriff am Grauen Star verschieben

Nicht zwingend notwendige Augenoperationen sollten daher unbedingt verschoben werden. „Zu den aufschiebbaren Eingriffen gehören Operationen des Grauen Stars, kosmetische Operationen an den Augenlidern und operative Korrekturen von Fehlsichtigkeiten“, zählt Helbig auf. „Vor allem Patienten, die eine Katarakt-Operation planen, gehören häufig altersbedingt zur Risikogruppe und sollten nicht unnötig gefährdet werden.“ Auch aufschiebbare Arzttermine wie etwa routinemäßige Check-ups oder das Einholen einer Zweitmeinung seien derzeit zu vermeiden.

AMD weiter behandeln

Injektionsbehandlungen der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) hingegen sollten weiter durchgeführt werden, damit sich das Sehvermögen der Patienten nicht unwiederbringlich verschlechtert. „Die IVOM-Therapien müssen erfolgen“, so Professor Dr. med. Thomas Reinhard, Generalsekretär der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). „Wir haben unsere Abläufe derart umgestellt, dass das Risiko einer Ansteckung so gering wie möglich gehalten wird.“

Gleiches gilt für Hornhaut-Transplantationen. „Es besteht ein Mangel an Transplantaten, und es wäre ethisch nicht vertretbar, gespendetes Material zu verwerfen“, betont Reinhard. Auch die Versorgung von Notfällen und dringenden Augenkrankheiten bleibe sowohl ambulant in Praxen als auch ambulant und stationär in Kliniken gesichert.

Tränenflüssigkeit offenbar kaum ansteckend

Derweil liegen erste Untersuchungen vor, die sich der Frage widmen, ob die Tränenflüssigkeit von Covid-19-Patienten Viren enthält und damit ansteckend sein könnte. Eine kleine Studie aus Singapur an 17 Covid-19-Patienten mit Atemwegsproblemen ergab, dass die Ansteckungsgefahr durch Tränenflüssigkeit gering ist.

Chinesische Wissenschaftler fanden Viren in der Tränenflüssigkeit eines Covid-19-Patienten, der gleichzeitig unter einer Bindehautentzündung litt. „Eine Konjunktivitis ist selten, tritt nur in etwa ein Prozent der Fälle auf“, erklärt Helbig. „Dennoch sollten Tränen als potenziell infektiöses Material behandelt werden.“ Um die Infektionsgefahr zu minimieren, raten die DOG-Experten allen Augenärzten und deren Patienten, bei der Augenuntersuchung Schutzmasken zu tragen und Spuckschutzschilde an der Spaltlampe anzubringen.

Foto: © Adobe Stock/jayzynism

Foto: ©jayzynism - stock.adobe.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Augenkrankheiten , Chirurgie , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Augenoperationen

02.07.2017

Rund 140.000 Menschen lassen sich hierzulande pro Jahr ihre Fehlsichtigkeit per Laser-Operation korrigieren. Langfristige Nebenwirkungen sind zwar selten, aber nicht ausgeschlossen. Häufig treten sie dann auf, wenn der Patient bereits vor der Operation an Beschwerden litt.

01.02.2015

Ein Augenarzt sollte mindestens 300 Operationen unter Aufsicht durchgeführt haben, bevor er eigenständig einen Grauen Star operiert. Das fordert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Eine aktuelle Studie bestätigt das.

05.05.2020

Viele Krebspatienten sind durch die Corona-Pandemie noch stärker verunsichert als zuvor: Sind sie durch das neue Virus SARS-CoV-2 besonders gefährdet? Und können Chemo- und Strahlentherapie überhaupt noch durchgeführt werden? Experten geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Das Gehirn als Denkfabrik des Menschen produziert nicht nur schlaue Gedanken und speichert Wissen und Erfahrungen. Es produziert auch materiellen Stoffwechsel-Abfall: 2,5 Kilo im Jahr, doppelt so viel wie das eigene Organgewicht. Damit das Gehirn funktionstüchtig und gesund bleibt, muss es gereinigt werden – und dies geschieht vor allem nachts. Ein Grund, warum gesunder Schlaf lebenswichtig ist.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin