Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
26.05.2020

Coronavirus in Muttermilch nachgewiesen

Das Coronavirus SARS-CoV-2 geht offenbar in die Muttermilch über. Das konnten Virologen der Uniklinik Ulm nun bei einer infizierten Frau nachweisen. Auf welchem Weg sich ihr Baby angesteckt hat, ist allerdings noch unklar.
Fund aus Ulm: Muttermilch war mit Coronavirus infiziert

Fund aus Ulm: Muttermilch war mit Coronavirus infiziert

Stillen galt bislang als gut und sicher. Doch nun haben Virologen des Universitätsklinikums Ulm erstmals das neue Coronavirus SARS-CoV-2 in der Muttermilch einer infizierten Frau nachgewiesen. Ihr Baby erkrankte ebenfalls an COVID-19. Ob sich der Säugling tatsächlich über die Muttermilch angesteckt hat, ist jedoch noch unklar. Beiden geht es offenbar wieder gut. Nach 14 Tagen war kein Virus mehr in der Muttermilch nachweisbar.

Stillende Mutter steckt Baby an

Die Frau hatte sich wohl nach der Entbindung im Krankenhaus bei einer Zimmernachbarin mit COVID-19 angesteckt. Erst nach der Entlassung traten bei ihr die typischen Krankheitssymptome auf: Husten, leichtes Fieber sowie einen Verlust ihres Geruchs- und Geschmacksinns. Daraufhin wurde sie positiv auf SARS-CoV-2 getestet, ihr erkranktes Baby ebenfalls.

Das zuständige Gesundheitsamt veranlasste in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Ulm Untersuchungen der Muttermilch auf SARS-COV-2: Das Ergebnis fiel vier Mal hintereinander positiv aus. Dabei ermöglichte die angewandte Methode, die quantitative Echtzeit-PCR (RT-qPCR), nicht nur den Nachweis einer Infektion, sondern auch eine Bestimmung der Viruslast. Diese lag bei etwa 100 000 viralen Genomkopien pro Milliliter Muttermilch. Theoretisch reicht diese Menge für eine Übertragung aus.

Auch soll die erkrankte Mutter nach dem Auftreten der Symptome, beim Umgang mit ihrem Baby einen chirurgischen Mund-Nasen Schutz getragen haben sowie ihre Hände und Brüste desinfiziert haben. Die Muttermilch der zuerst erkrankten Zimmernachbarin wurde ebenfalls auf SARS-CoV-2 untersucht. Hierin fanden sich keine Hinweise auf das Virus.

 

Muttermilch ist ein möglicher Übertragungsweg

„Unsere Studie zeigt, dass SARS-CoV-2 bei stillenden Frauen mit akuter Infektion in der Muttermilch nachweisbar sein kann. Aber wir wissen noch nicht, wie oft dies der Fall ist, ob die Viren in der Milch auch infektiös sind und durch das Stillen auf den Säugling übertragen werden können“, erklärt Professor Jan Münch vom Ulmer Institut für Molekulare Virologie. Dennoch liefere die Arbeit Hinweise auf einen möglichen neuen Übertragungsweg des Erregers.

Der Beitrag ist als „letter“ im Fachjournal „The Lancet“ erschienen.

Foto: © Adobe Stock/evso

Foto: ©evso - stock.adobe.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Coronavirus

18.05.2020, aktualisiert: 31.07.2020

Geschlossene Räume wie beispielsweise in Restaurants gelten als besonders gefährlich für die Übertragung von SARS-CoV-2. Auch ausreichend Abstand ändert daran möglicherweise nicht viel. Forscher machen Aerosole, winzig kleinen Schwebeteilchen in der Luft, für die hohe Ansteckungsgefahr verantwortlich.

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Tumor Treating Fields (TTFields) hat die Behandlung des Glioblastoms um einen wichtigen Therapiebaustein erweitert. Die Wirksamkeit der Medikamentenkombination CUSP9v3 (Coordinated Undermining of Survival Paths by 9 Repurposed Drugs, Version 3) wird unterdessen noch erforscht. Forscher gehen auch Hinweisen nach, dass sich beide Therapien möglicherweise gegenseitig verstärken könnten.

 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin